2020,  Europa,  Italien

Italien Teil IV – Apulien (1/2)

Apulien ist eine der südlichsten Regionen Italiens und bildet den Absatz des italienischen „Stiefels“. Hier waren wir drei Wochen lang unterwegs, nachdem uns Corona zu einer Routen-Anpassung gezwungen hatte – und wären letztlich gerne noch länger geblieben, da es uns unglaublich gut gefallen hat. Den ersten Teil unserer Erlebnisse in Apulien gibt es nun hier; zusammen mit der bereits angekündigten Geschichte, wie wir leider unsere Drohne versenkt haben.

Es ist Montag, der 23. November 2020 und wir sind noch immer an der Ostküste in Latium unweit der italienischen Hauptstadt Rom (Italien Teil III – Rom & Latium). Eigentlich war es unser Plan, in den kommenden Wochen die Küste weiter entlang zu fahren, uns Neapel, die Amalfiküste, Pompei und Kalabrien anzuschauen und im Anschluss nach Sizilien überzusetzen. Aber COVID-19 spielt wieder einmal nicht mit und verhindert, dass wir die dortigen Regionen bereisen können. Genauer gesagt verhindert es das italienische Corona-Ampelsystem, in dem Kampanien (die Region rund um Neapel) vor einigen Tagen als „rot“ eingestuft wurde. Neben einer Reihe anderer Einschränkungen bedeutet diese Klassifizierung, dass man nicht mehr ohne triftigen Grund in die Region ein- oder ausreisen darf. Tourismus gilt (richtigerweise) nicht als triftiger Grund. Und so müssen wir umplanen.

Eine Lösung ist schnell gefunden. Wir fahren einmal quer durchs Land zur Ostküste und dort dann die Küste entlang. Genauer gesagt: wir fahren nach Apulien. Da ist die Anzahl der mit Corona Infizierten merklich geringer und die Maßnahmen entsprechend weniger strikt. Nach Apulien wollten wir eh – zwar erst auf dem Rückweg und eigentlich auch nur kurz – aber es ist wie es ist und wir versuchen mal wieder das Beste draus zu machen. Hier die Route, die wir dann letztlich in den drei Wochen gefahren sind (die gestrichelte Strecke kommt dann bald in Teil 2):

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Freistehen in Apulien

Als wir nach gut 6 Stunden Fahrt an unserem ersten Stellplatz in Apulien ankommen, ist es schon dunkel. Das überrascht wenig, denn auch hier im Süden geht die Sonne zu dieser Jahreszeit bereits gegen 16.30 Uhr unter. Die Scheinwerfer unseres Ducatos reichen aus, um auf der Suche nach einer ebenen Fläche den Untergrund auszuleuchten; ein wirkliches Gefühl für die (Schönheit der) Umgebung bekommen wir aber erst am nächsten Morgen. Mit diesem tollen Stellplatz heißt uns Apulien willkommen:

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Der Stellplatz liegt zwar direkt an einer Straße, aber die ist kaum breiter als unser Camper und wird nur äußerst selten befahren – zumindest zur Zeit. Zwei Strände sind von hier in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen. Beide scheinen im Sommer stark frequentiert zu werden, sind jetzt aber völlig verwaist. Wir genießen die Ruhe, die Seeluft und lassen die Seele baumeln. Da es uns hier gut gefällt, bleiben wir gleich noch eine weitere Nacht.

Am darauffolgenden Tag fahren wir jedoch weiter. Wir müssen unsere Essensvorräte aufstocken und wollen ja sowieso auch noch andere Ecken Apuliens erkunden. Im Euroshop-Discounter, der hier in Italien nur selten weit weg ist, decken wir uns mit Nahrungsmitteln für die nächsten Tage ein und fahren dann die Küste des „Sporns“ weiter entlang. Auf schmalen aber für italienische Verhältnisse sehr guten Straßen schlängeln wir uns am Meer entlang über die Klippen des Gargano-Vorgebirges. Kilometerlange Sandstrände, grüne Wälder und Olivenplantagen, Meeresgrotten und Felsformationen – die landschaftliche Natur hier ist wunderschön. Uns gefällt es hier sehr! Immer wieder halten wir am Straßenrand an, steigen aus und machen Fotos.

Nicht nur wegen unserer zahlreichen Foto-Stops kommen wir nicht sonderlich weit. Sondern auch, weil wir bereits nach etwa 30 Kilometern auf einen Stellplatz stoßen, den wir auf gar keinen Fall auslassen können/wollen. Auf einer kleinen Parkbucht am Rand einer Klippe und geschützt unter Bäumen finden wir einen Platz mit herrlichem Meerblick in Sichtweite der bald untergehenden Sonne. Eine Feuerstelle aus zusammengelegten Steinen lässt vermuten, dass wir nicht die ersten sind, die hier übernachten. Das wahre Juwel dieses Stellplatzes offenbart sich jedoch erst am folgenden Morgen: Frühstück. Draußen. In der Sonne. Bei dieser Aussicht. Und das alles Ende November. Überragend!

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created by dji camera

Wieder einmal bleiben wir noch eine weitere Nacht und haben so den ganzen Tag Zeit, um in der Sonne zu sitzen. Es sind 18°C und bei direkter Sonneneinstrahlung fühlt es sich gleich noch ein ganzes Stück wärmer an. Wahnsinn, wir hätten wirklich nicht gedacht, zu dieser Jahreszeit nochmal so viel Glück mit dem Wetter zu haben. Wir könnten jetzt behaupten, dass das Wetter hier immer so gut sei. Stimmt aber nicht. Und der Wetterbericht erinnert uns auch direkt daran: für die nächsten Tagen ist viel Regen angesagt. Aber einen sonnigen Tag soll es vorher noch geben und den wollen wir dann auch nutzen, um die Küste weiter entlang zu fahren und die Gegend zu erkunden.

Am nächsten Morgen geht’s also los. Doch wieder einmal kommen wir „leider“ nicht allzu weit. Wir fahren gut eine Stunde die Küste entlang bis zu einem Stellplatz auf einem Hügel, um dort bei neuer Aussicht erst einmal zu frühstücken. Wenn ihr euch das folgende Foto anschaut werdet ihr vielleicht verstehen, warum wir recht fix entschieden haben, nach dem Frühstück dann doch nicht mehr weiter zu fahren, sondern die Schlechtwetterfront hier auszusitzen. Bei einem tollen 360°-Panorama, fernab von Zivilisation und dennoch mit gutem Internetempfang, um fleißig am nächsten Blogeintrag und Video zu arbeiten, lässt es sich hier bestens aushalten.

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Ein kleines bisschen Weihnachtsstimmung

Nach drei Tagen auf dem Hügel brechen wir wieder auf. Der Abschied fällt uns dann am Ende doch überraschend leicht – das liegt jedoch daran, dass wir in unserer letzten Nacht hier fast nicht geschlafen haben. Ein Sturm ist aufgezogen und hat nicht nur einen Höllenlärm gemacht, sondern unseren Van auch so sehr durchgeschüttelt, wie wir es in 18 Monaten „Vanlife“ bisher nicht ansatzweise erlebt haben. Klar, da oben auf so einem Hügel ist man natürlich ziemlich ungeschützt den Naturgewalten ausgesetzt.

Wir fahren also weiter und suchen uns nach einer Weile einen windgeschützten Stellplatz. Wir finden wieder einmal einen guten Parkplatz direkt am Meer. Hier stehen bis zum frühen Abend zwar noch drei andere Autos und an Tag zwei kommt auch kurz einmal ein Polizeiauto vorbei, aber niemand scheint sich auch nur ansatzweise an uns zu stören. Falls ich es noch nicht geschrieben haben sollte: Apulien gefällt uns richtig gut!

Da inzwischen der 1. Dezember ist, besorgen wir uns im nächstgelegenen Ort noch fix zwei Adventskalender, um zumindest ein kleines bisschen Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen.😉 Gepaart mit ein paar weihnachtlichen Kerzen und der ein oder anderen jahreszeitlich angepassten Spotify-Playlist versetzten wir uns so gedanklich ein bisschen in die kalte Jahreszeit und sind dennoch äußerst froh, hier im Süden Italiens am Meer zu sein und (noch) nicht im kalten Deutschland.

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Flamingos in Italien?!

Jetzt sind wir schon fast am Ende dieses für unsere Verhältnisse recht kurzen Blogeintrags angekommen und noch immer haben wir nicht von unserem Drohnen-Malheur berichtet. Aber jetzt ist es soweit. Alles beginnt damit, dass wir am Straßenrand in der Nähe der Stadt Manfredonia (an dieser Stelle liebe Grüße an meinen Vater 😉) urplötzlich etwa 100 Flamingos im Wasser stehen sehen! Wir hatten zwar gelesen, dass man hier gelegentlich das Glück haben kann, diese für uns exotischen Vögel sehen zu können, jedoch dachten wir, dass das nur dann der Fall ist, wenn die Flamingos auf ihrer Reise in den Süden hier kurz vorbeikommen (migrieren Flamingos aber überhaupt? Und wenn ja, von wo nach wo? Das bliebe mal zu recherchieren…🤷). Wie auch immer, plötzlich stehen da Flamingos im Wasser:

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Wir halten natürlich direkt an und holen unsere Kamera raus. Aber die rosa Tiere sind recht weit weg, sodass wir mit unserem 60mm Objektiv an dessen Zoom-Grenzen kommen. Die Lösung: wir schicken unsere Drohne in die Luft. Dafür haben wir sie ja. Also Drohne ausgepackt, Akku rein, Handy in die Fernbedienung und los geht’s. So wie schon hunderte Male zuvor. Doch wenige Sekunden nach dem Start blinkt es plötzlich rot auf dem Bildschirm und der DJI-typisch schrille Warnton erklingt. Das passiert schon mal, wenn man zum Beispiel zu nah an ein Hindernis fliegt und der Sensor erkennt, dass etwas im Weg ist. Doch dieses Mal ist es anders. Neben der roten Warnung steht dieses Mal „Plötzlicher Spannungsabfall. Landung wird eingeleitet“. Ich reiße den Steuerknüppel hoch, um den Sinkflug abzubrechen, doch nichts passiert. Ich kann die Drohne zwar noch ein paar Zentimeter zurück in meine Richtung steuern, doch dann PLATSCH – die Drohne fällt ins Wasser!

Fuck! Das kann doch nicht wahr sein. Ok, was machen wir jetzt? Ich gebe Tina Bescheid und entscheide mich dazu, ins Wasser zu gehen und zu versuchen, die Drohne zu retten. Zwar ist mir klar, dass sich Elektronik und Wasser ziemlich schlecht miteinander vertragen, aber ein kleines bisschen Resthoffnung bleibt. Und ich will zumindest alles versucht haben. Also rein ins Wasser. Das ist zum Glück nur knietief und die Absturzstelle nur knapp 10m entfernt. Als ich mich der Drohne nähere sehe ich dort Luftbläschen aufsteigen – sicher kein gutes Zeichen. Ich schnappe mir die Drohne und gehe über den schlammigen Boden zurück an Land. Dort entferne ich sofort den Akku, sehe jedoch zeitgleich schon etwas Rauch aus dem Inneren kommen. Zwischen Akku und Drohne ist an einer daumengroßen Stelle das Plastik durchgeschmort – ebenfalls sicher kein gutes Zeichen.😨

Ob da noch was zu retten ist? Ich zerlege die Drohne in ihre groben Einzelteile und lege sie luftdicht in Reis ein. Das hat meine kurze Recherche als mögliche Notfallmaßnahme empfohlen. Klingt logisch, denn auf diese Weise konnte meines Wissen ja auch bereits das ein oder andere nass gewordene Handy gerettet werden. Die teils verschmorten Platinen im Inneren der Drohne, die beim Auseinanderbauen zu Tage treten, lassen meine Hoffnung jedoch deutlich schwinden. Heute, drei Wochen später, wissen wir: das hat leider alles nix genützt; die Drohne ist irreparabel kaputt.😢

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Man, das ist echt bitter. Wer unsere Videos und Blogeinträge kennt wird wissen, was für ein treuer Begleiter die Drohne für uns war und wie rege wir sie in den vergangenen 1,5 Jahren genutzt haben. Auch wenn sie uns bei dem ein oder anderen Grenzübergang in Zentralasien sorgenhafte Anspannung bereitet hat, so ist sie eines der Dinge, über die wir unbeschreiblich froh sind, dass wir sie vor der Reise gekauft und mitgenommen haben. Die Videos und Fotos die wir damit gemacht haben, haben uns so oft einen wahnsinnig tollen Blick auf die Dinge ermöglicht.

Für uns steht also fest: es muss eine neue Drohne her. Doch leider sind die noch immer schweineteuer. Und daher erlauben wir uns an dieser Stelle den Hinweis auf unsere Aktion „Postkarte aus der Ferne„. Wenn ihr ein paar Euro „übrig“ habt und uns dabei unterstützen wollt, dass wir uns wieder eine Drohne kaufen können, lasst uns gerne eine Spende zukommen. Jeder Betrag hilft. Zum Dank schicken wir euch bei einer Spende ab 15 € eine Postkarte aus einem unserer nächsten Reiseländer (und versuchen euch natürlich weiterhin mit Luftaufnahmen in den kommenden Videos zu erfreuen).

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Weiter in Richtung Süden

Um uns abzulenken machen wir weiter mit Sightseeing. Vor uns liegt der kleine Küstenort Trani, in dessen Hafen eine malerische Kathedrale sowie eine aufwändig restaurierte Festung aus hellem Naturstein stehen. Beide können (zur Zeit) leider nicht besichtigt werden, sind aber auch von außen äußerst schön. Generell gefällt uns die Stadt mit ihren schmalen Gassen, alten Gebäuden und Palmen am Straßenrand sehr gut. Einen ausgedehnten Spaziergang durch den Ort lassen wir jedoch ausfallen, da es zu regnen beginnt.

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Weiter geht’s die Küste entlang. Doch bevor wir uns langsam darum kümmern, einen Stellplatz für die Nacht zu finden, müssen wir erst noch unseren Trinkwasservorrat aufstocken und bestenfalls auch unsere 11kg Gasflasche befüllen lassen, damit wir wieder sorglos heizen können (denn so warm es hier auch teilweise tagsüber ist; nachts würden wir ohne Heizung doch zumeist ganz schön frieren). Den Wassertank füllen wir wieder einmal an einem öffentlichen Trinkwasserhahn an einem Park. Mit der Gasflasche ist das nicht so einfach. Wie schon im ersten Italien-Blogeintrag berichtet, ist es für uns ohne nennenswerte Italienisch-Kenntnisse nicht immer so leicht herauszufinden, wo man hier (deutsche) Propangasflaschen tatsächlich auffüllen lassen kann. Und so bekommen wir auch dieses Mal bei unserer ersten recherchierten Anlaufstelle zu hören, dass sie kein Propangas zum Kochen, sondern lediglich Industriegase verkaufen. Die zwei Herren dort sind jedoch äußert nett und suchen uns eine andere Adresse in der Stadt heraus, bei der wir es versuchen können. Ich will mich gerade verabschieden da zeigt einer der beiden auf eine Gasflasche, die vor der Außentreppe steht und meint, dass in dieser alten Flasche noch ein paar Kilo Propangas sein müssten, die wir umfüllen könnten. Eine Befüllung von Flasche zu Flasche ist zwar eigentlich verboten und kann bei falscher Vorgehensweise auch sehr gefährlich sein, aber das scheint die beiden hier nicht zu stören. Rasch holen sie einen Verbindungsschlauch, eine Waage und eine improvisierte Hebevorrichtung aus zwei alten Paletten und füllen 6 kg Propangas in unsere Flasche. Damit sollten wir bis zu unserer Rückkehr nach Deutschland in gut zwei Wochen auskommen. Und als wäre das noch nicht nett genug: eine Bezahlung wollen die beiden auch nicht annehmen, sondern winken freundlich ab und wünschen uns viel Spaß bei unserer weiteren Reise. Wie toll!

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In Mola di Bari finden wir im Anschluss wieder einmal einen tollen Stellplatz direkt am Meer und lassen den Tag ausklingen. Ich widme mich nach dem Abendessen noch der SD-Speicherkarte aus der Drohne und versuche, die Aufnahmen darauf wieder herzustellen. Denn als ich sie nach dem Absturz in den Computer gesteckt haben, wurden keine Daten sondern lediglich eine Fehlermeldung angezeigt. Glücklicherweise finde ich im Internet ein paar Programme, mit denen ich die meisten Dateien der letzten 1,5 Wochen wieder herstellen kann. Nicht alle – und die auch nicht alle in Full-HD-Auflösung – aber zum Glück kann ich das Meiste retten. Und so können wir auch diesem Blogeintrag wieder ein Video anhängen, dass Drohnenaufnahmen zeigt. Schaut es euch doch gerne an.🙂

Dabei wünschen wir euch nun viel Spaß und vor allem wünschen wir euch schon einmal frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Im Januar werden wir uns hier mit dem zweiten Teil unserer Erlebnisse aus Apulien melden. Wie es danach weitergeht (bzw. vor allem „wohin“) steht noch nicht ganz fest, da es die Corona-Maßnahmen der jeweiligen Länder momentan nicht ganz einfach machen. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir schon bald wieder in Richtung Süden aufbrechen können. Spanien und Portugal bleiben unser erklärtes Ziel. Wir werden berichten.

Viele liebe Grüße und bleibt gesund,
Tina und Dirk

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