2020,  Europa,  Italien

Italien Teil III – Rom & Latium

Wer auf Reisen ist, lernt in der Regel eine ganze Menge – ganz automatisch. Ich habe vor Kurzem zum Beispiel gelernt, warum der recht bekannte Fußballklub „Lazio Rom“ so heißt, wie er eben heißt. Der italienische Hauptstadtverein ist einfach nach der Region benannt, in der er beheimatet ist; genauso wie z.B. Bayern München. Denn die Region (gut vergleichbar mit einem Bundesland in Deutschland), in der sich Rom befindet, heißt „Lazio“ bzw. im Deutschen „Latium“. Und in genau dieser Region waren wir unterwegs. Hier haben wir nicht nur die Hauptstadt Rom und den dortigen Vatikanstaat besucht, sondern uns auch auf die Suche nach schönen Stränden gemacht. Unsere Erlebnisse haben wir in gewohnter Weise hier zusammengefasst.

Civitavecchia

Das was sich ungefähr so schreibt wie Cevapcici ist ebenfalls ein Name; der Name der Küstenstadt, in deren Nähe wir unsere ersten Tage in Latium verbringen. Es ist Freitag, der 13. November und bereits dunkel, als wir in an unserem herausgesuchten Stellplatz ankommen. Wer unseren vorherigen Blogeintrag (Link) gelesen hat, wird wissen, dass wir relativ spontan hierher aufgebrochen sind. Denn die Toskana, in der wir bis dahin waren, wurde kurz zuvor im italienischen Corona-Ampelsystem als „orange“ klassifiziert. Damit gingen und gehen unter anderem Ein-/Ausreisebeschränkungen einher und wir wollten nicht riskieren, dort festzusitzen (wobei es hier im Gegensatz zu Thailand „damals“ jederzeit erlaubt ist, zum Zweck der Heimreise oder des Transits eine orange/rote Region zu durchqueren).

Als wir also nach etwa zweistündiger Fahrt in Civitavecchia ankommen, ist es bereits dunkel. Als möglichen Stellplatz haben wir uns einen vermeintlich ruhigen Küstenstreifen etwas außerhalb der Hafenstadt herausgesucht. Wir müssen durch einige schmale Gassen und über einen Feldweg fahren und kommen so schließlich am Wasser an. Hier fahren wir auf einer Schotterpiste einige hundert Meter an der flachen Küste entlang und suchen uns ein schönes Plätzchen. Zwei andere Wohnmobile stehen hier bereits am Wasser, aber der Küstenstreifen ist ausreichend lang, sodass jeder für sich bleiben kann. Wir machen uns noch fix Nudeln, gehen dann ins Bett und sind gespannt, wie es hier wohl im Hellen aussehen wird.

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Das Foto ist vom zweiten Abend

Als wir am nächsten Morgen aufwachen, hören wir draußen reges Treiben. Wir machen die Verdunkelungsrollos auf und sehen um uns herum gut 10 Fahrzeuge und mindestens so viele Menschen stehen. Die meisten von ihnen sind damit beschäftigt, ihre Surfbretter und Kites vorzubereiten und in ihre Neoprenanzüge zu schlüpfen. Hier scheint offensichtlich ein beliebter Wind- und Kitesurfspot zu sein. Die Einheimischen stören sich nicht an uns, sondern grüßen nett und widmen sich danach wieder ihren Vorbereitungen. Ich mache einen Spaziergang am Wasser und sehe die Straße entlang noch mehr Fahrzeuge – und auch ein paar weitere Camper – stehen. Die meisten sind Italiener, aber ich erkenne auch ein spanisches und ein finnisches Kennzeichen. Sogar ein Kamerateam ist hier und scheint einen Beitrag über Muscheln an den Felsklippen zu drehen.

Ganz schön was los hier. Aber die Atmosphäre ist äußerst entspannt und so genießen wir bei offener Schiebetür unseren ersten Kaffee. Es weht ein ordentlicher Wind, aber die Temperatur liegt bei angenehmen etwa 15°C. Da es uns hier gut gefällt (und weil es an den nächsten beiden Tagen immer mal wieder regnet), bleiben wir gleich drei ganze Tage. Wir nutzen die Zeit, um wieder einmal an einem Blogeintrag samt Video zu arbeiten, gehen zwischendurch aber auch in der Stadt einkaufen und füllen unsere Wasservorräte wieder auf.

Rom

Bis ins Zentrum der italienischen Hauptstadt sind es von unserem Stellplatz etwa 80 km. Wir entscheiden uns dazu, am Morgen des 17. Novembers dorthin aufzubrechen. Der Grund: laut Wetterbericht stehen uns drei sonnige Tage bevor; perfektes Wetter also für eine Stadtbesichtigung. Und genau das richtige Timing, wie sich herausstellt. Denn als ich am Morgen gerade ein paar letzte Fotos vom Stellplatz mache, fährt plötzlich ein Polizeiauto vor. Freundlich werden wir darauf hingewiesen, dass man hier nicht Campen dürfe. Wenn wir also nach unserem Ausflug nach Rom hierher zurückkehren wollten, müssten wir uns einen anderen Platz suchen. Das haben wir nicht vor, also alles gut. 🙂

Wir brechen also auf in Richtung Rom. Ich (Dirk) war 2016 schon einmal für ein paar Tage dort und völlig fasziniert von der Stadt; für Tina wird es das erste Mal. Unsere Vorfreude ist entsprechend groß, auch wenn wir befürchten, dass die meisten touristischen Sehenswürdigkeiten aufgrund Corona wahrscheinlich geschlossen sein werden. Als erstes Ziel steuern wir einen Aussichtspunkt an, von dem man einen tollen Blick über die Stadt hat:

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Dann heißt es: Stellplatzsuche. Das ist inmitten von Großstädten nicht immer ganz so einfach. Vor allem, wenn man, wie wir, keine offiziellen Campingplätze o.Ä. nutzen will. Auf den bekannten Stellplatz-Apps park4night und iOverlander sind im Stadtgebiet Roms eine ganze Menge möglicher Park-/Übernachtungsplätze markiert. Allerdings häufen sich hier auch die Kommentare und Berichte von eingeschlagenen Scheiben, geklauten Wertgegenständen oder gar abhandengekommenen Fahrzeugen. Das ist etwas, das wir bisher schon bei vielen Stellplätzen in Italien beobachtet haben und entsprechend sind auch wir nicht ganz sorgenfrei (das ist sicher kein primär italienisches Problem, aber da hier doch sehr viele Wohnmobilisten herkommen, häufen sich wahrscheinlich einfach die Berichte).

Wir vertrauen bei unserer Stellplatzsuche letztlich auf die persönliche Empfehlung von Nora und Basti, die wir vorherige Woche in der Toskana getroffen hatten und die kurz zuvor ebenfalls in Rom waren. Sie haben uns den Parkplatz vor der Dänischen Akademie empfohlen. Der liegt verhältnismäßig zentral und sie hätten hier gute Erfahrungen gemacht. Alles klar, dann nehmen wir den und hoffen, das alles gut geht.

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Als erstes schlendern wir durch den Park der Villa Borghese, an dessen Rand sich der Stellplatz befindet. Weiter geht es zur Piazza del Popolo und in Richtung Stadtzentrum. Schnell wird klar, dass tatsächlich nahezu alle touristischen Sehenswürdigkeiten bis mindestens zum 3. Dezember geschlossen haben. An dem Datum will die Regierung entscheiden, wie es weiter geht (heute wissen wir, dass die Schließungen bis mindestens zum 15. Januar anhalten werden). Glücklicherweise ausgenommen von den Schließungen sind hier in Rom die Kirchen, sodass auch der Petersdom im Vatikan geöffnet ist. WAS FÜR EIN IMPOSANTES BAUWERK! Man kann von der Institution halten was man will, aber schöne Gebäude hat die Kirche in jedem Fall. Ich war zwar 2016 schon einmal hier, bin aber erneut völlig beeindruckt von der prachtvollen Ausgestaltung des Petersdoms. Und auch die schiere Größe ist einfach beeindruckend.

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Zum Größenvergleich: Der kleine schwarze "Punkt" links unten auf der Drittellinie ist ein Mensch!

Es fehlt im Grunde an Superlativen, den Petersdom zu beschreiben. Dass wir ihn zudem besuchen konnten in einer Zeit, zu der lediglich ein paar Dutzend andere Menschen zeitgleich dort waren, ist ein Bonus. Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Besuch und die großen Menschenmassen, die sich damals durch die „heiligen Hallen“ gedrängt haben. Das Vatikanische Museum mitsamt der Sixtinischen Kapelle bleibt uns jedoch leider verschlossen.

Als wir aus dem Petersdom wieder herauskommen, geht die Sonne gerade unter und es wird dunkel. Im Schein der toll beleuchteten Gebäude machen wir uns auf den Weg zurück zum Stellplatz.

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Rom - Tag 2

Abends waren zwar noch ein paar laute „Kids“ auf dem Parkplatz unterwegs, aber ab 22 Uhr war die Nacht ausgesprochen ruhig. Und so erwachen wir am nächsten Morgen ausgeruht und voller Elan für einen weiteren Tag Sightseeing in Rom. Bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein machen wir uns zunächst auf zur Spanischen Treppe und zum Trevi Brunnen. Beide kenne ich nur vollgepackt mit Touristen – jetzt sind situationsbedingt nur wenige Menschen unterwegs. Vorbei am Altare della Patria (ein tolles, normalerweise begehbares Denkmal, das leider ebenfalls geschlossen ist) bahnen wir uns den Weg zum Forum Romanum, dem zentralen Mittelpunkt des antiken Roms, Zentrum des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens und wohl wichtigste Ausgrabungsstätte aus der römischen Kaiserzeit. Auch hier kann man momentan nicht rein, aber da es sich im Grunde um ein Freilichtmuseum im Zentrum der Stadt handelt, kann man Vieles einfach vom Wegesrand aus bestaunen. Und es geht noch weiter: nur wenige Meter hinter dem Forum Romanum thronen die Ruinen des berühmten Kolosseums.

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Wir holen uns eine Pizza „auf die Hand“, setzen uns auf eine Mauer am Wegesrand und genießen die Aussicht. Ach, Rom ist einfach herrlich. Nach der schönen Mittagspause laufen wir in einem Bogen über den Circus Maximus – früher Pferdewagenrennbahn, heute große Rasenfläche – und versuchen von hier aus die Drohne steigen zu lassen. Starke Funkinferenzen sorgen jedoch dafür, dass wir nicht viel weiter als 100 m um uns herum fliegen können. Schade, ich wollte doch so gerne übers Kolosseum fliegen. Naja, kann man nix machen. Aber das sind die Momente, wo ich von einer neuen DJI-Drohne träume, die nicht mehr WLAN als Funkstandard nutzt, sondern das neue OcuSync, mit dem Kilometerreichweiten ohne Funkabbrüche möglich sein sollen. Aber das bleibt Zukunftsmusik; unsere Drohne verrichtet ja in der Regel auch mit dem alten Funkstandard noch absolute Top-Dienste (Update: Als ich das hier geschrieben habe wusste ich noch nicht, dass unsere Drohne etwa zwei Wochen später in Apulien völlig überraschend ins Wasser stürzen würde. Ich habe sie zwar in Reis eingelegt, aber sie scheint irreparabel defekt!😭😭😭! Aber davon berichten wir dann erst im nächsten Beitrag und überlegen uns bis dahin, ob wir uns eine neue Drohne als großes Weihnachtsgeschenk erlauben wollen).

Weiter geht es mit Sightseeing: Etwas westlich vom Circus Maximus laufen wir einen kleinen Hügel hinauf, um zu einem klassischen Instagram-Fotospot zu kommen: einem Schlüsselloch in einem großen Holztor, durch das man in eine Allee aus Bäumen schauen und an deren Ende die Kuppel des Petersdoms erspähen kann. Sehr cool!

Von dort aus laufen wir bei langsam untergehender Sonne noch einmal quer durch die Stadt. Auf dem Weg zurück zum Camper lassen wir uns etwas treiben, schauen hier und da nochmal in Kirchen rein (die teils von außen unscheinbar, aber von innen mächtig imposant sind), laufen an der Piazza Novana mit ihren Springbrunnen, dem leider geschlossenen Pantheon 

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und einem Katzenrefugium inmitten einer Ruinenstätte vorbei. Erschöpft aber glücklich fallen wir am Abend in unser Bett. Rom war toll, wir kommen bestimmt nochmal wieder! Und das sollten wir auch, da wir vieles hier noch gar nicht gesehen haben. Aber das muss auf ein anderes Mal warten.

Gibt es schöne Strände in der Nähe von Rom?

Am nächsten Morgen brechen wir früh auf. Raus aus der Stadt. So schön es auch war, so sehr sehnen wir uns nun wieder nach Ruhe. Und wo lässt es sich besser entspannen als am Strand? Klar, es ist jetzt nicht mehr unbedingt Badewetter, aber für einen Strandspaziergang und vielleicht sogar einen schönen Sonnenuntergang über dem Meer wird es ja vielleicht noch reichen. Mit dieser Wunschvorstellung fahren wir los in Richtung Latina.

Latina ist in diesem Fall nicht ein lateinamerikanisches Pendant von Tina, sondern ein kleiner Küstenort etwa 70 km südöstlich von Rom. Hier haben wir einen Parkplatz am Meer ins Auge gefasst. Der ist, als wir mit aufgestockten Lebensmittelvorräten ankommen, weitestgehend verwaist. Es gibt eine leerstehendes Haus, das in sich zusammenfällt, ein Restaurant, das augenscheinlich geschlossen hat und viele freie Parkplätze. Lediglich zwei Autos und ein anderer Camper sind hier. Perfekt. Wir frühstücken erst einmal ausgiebig und leben dann in den Tag hinein.

Da es uns hier gut gefällt, bleiben wir letztlich ganze vier Nächte. Ausreichend Zeit also, um die Seele baumeln zu lassen, aber auch fleißig zu sein. Am dritten Tag stellen wir den neuen Blogeintrag samt Video fertig und laden ihn hoch (Italien Teil III – Toskana). Der Parkplatz wird zwar zwischendurch deutlich voller, aber alle Menschen scheinen hier sehr entspannt und der Strand ist definitiv lang genug, sodass hier jeder ausreichend Abstand halten kann. Und schön ist er noch dazu.

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Wir hätten definitiv nichts dagegen, noch länger hier zu bleiben. Aber der Süden Italiens liegt ja noch vor uns und Weihnachten naht mit großen Schritten – da wollen wir (kurzzeitig) wieder Zuhause sein. Also brechen wir wieder auf. Allerdings fahren wir nicht, wie ursprünglich geplant, einfach die Küste entlang weiter in Richtung Süden. Hier wollten wir zwar eigentlich als nächstes die Amalfiküste, Neapel und die Gegend rund um Pompei erkunden, jedoch wurde die Region Kampanien, in der all das liegt, inzwischen als „rot“ eingestuft. Wir müssen uns also etwas anderes überlegen. Unsere Alternative lautet: einmal quer durchs Land und dann an der Ostküste bis in den Süden fahren. Da liegt Apulien und das soll auch sehr schön sein. Wir lassen uns überraschen (bzw. wissen es inzwischen schon) und berichten davon beim nächsten Mal. Jetzt gibt es erst noch die Bilder aus Latina und von der Strecke auf dem Weg in den Osten Italiens und ganz unten natürlich auch noch das Video zu diesem Blogeintrag.

Wie immer senden wir euch viele Grüße aus der Ferne. Bleibt gesund!
Tina & Dirk

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