2020,  Europa,  Italien

Italien Teil V – Apulien (2/2)

Hier kommt Teil 2 unseres Roadtrips durch Apulien. Nachdem wir euch im letzten Beitrag textlich und bildlich mitgenommen haben zu einigen faszinierenden Freisteh-Plätzen rund um Gargano, den Sporn von Italiens Stiefel, und euch auch gezeigt haben, wie wir leider beim Versuch Flamingos zu filmen unsere Drohne versenkt haben, geht es in dieser Episode weiter die Küste entlang in Richtung Süden. Wir schauen uns einige der tollen Städte Apuliens an, genießen die herrliche Natur in Süditalien und begeben uns natürlich auch wieder auf die Suche nach schönen Camper-Stellplätzen in freier Natur. Viel Spaß beim Lesen.

Freistehen in Apulien

Auch in Süditalien scheint nicht immer die Sonne. Und so kommt es, dass wir länger auf „unserem“ Stellplatz in der Nähe von Mola di Bari bleiben, als ursprünglich geplant. Denn bei Regen macht Sightseeing einfach keinen Spaß. Das ist aber halb so schlimm, denn auch regnerischen Tagen können wir immer mal wieder etwas Positives abgewinnen. Vor allem wenn man so lange unterwegs ist, wie wir es inzwischen sind (fast 19 Monate), kann und will man sowieso nicht jeden Tage neue Eindrücke verarbeiten. Wir sehen das schlechte Wetter also entspannt, nutzen die Zeit um mal wieder Fotos und Videos zu sortieren und schauen zwischendurch immer mal wieder durch die Frontscheibe raus aufs Meer. Schon toll, wenn man sein Zuhause (fast) überall parken kann, wo man will.

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Am frühen Nachmittag des 4. Dezember ist es nach zwei Regentagen dann aber soweit: die Sonne kommt wieder ein bisschen durch. Und das wollen wir dann auch direkt nutzen. Schließlich haben wir noch einen großen Teil Apuliens vor uns und Weihnachten kommt auch mit großen Schritten näher – und da wollen wir zumindest für eine kurze Weile wieder zurück in Deutschland sein. Also los geht’s.

Nachdem wir in den letzten Wochen viel Zeit am Meer verbracht haben, stehen jetzt drei kleine Städtetrips auf dem Programm. Wobei es sich eher um Dörfer handelt. Erstes Ziel: Polignano al Mare. Der kleine Küstenort besticht durch seine alten Häuser, die aus den steilen Klippen zu erwachsen scheinen, vor allem aber durch eine enge Bucht, die sich durchs Dorf schlängelt und in einem der vermeintlich schönsten Badestrände der Region mündet. Der Strand ist mit der „Bandiera Blu“, der höchste Qualitätsstufe für Strände in Italien ausgezeichnet und scheint in der Sommersaison ein äußerst beliebtes Ausflugsziel zu sein. Jetzt, Anfang Dezember und zu Zeiten von Corona sieht das deutlich anders aus. Aber schön ist die Schlucht / Bucht und der Strand trotzdem:

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So sieht es hier im Sommer scheinbar regelmäßig aus (Quelle: www.bebprestige.it)
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Bei unserem Besuch im Dezember war etwas weniger los

Ostuni - die weiße Stadt Apuliens

Nach unserem Besuch in Polignano al Mare ist es schon zu spät, um noch sinnvoll die beiden anderen Städte zu besuchen. Das machen wir also am nächsten Tag und suchen uns erst einmal wieder einen Stellplatz für die Nacht. Apulien macht uns das wieder einmal einfach: nachdem wir noch fix unsere Lebensmittelvorräte aufgestockt haben fahren wir einfach zum Meer und finden dort eine große Freifläche, die sich hervorragend für eine Nacht eignet.

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Am nächsten Morgen fahren wir nach Ostuni. Ostuni ist eine malerische Stadt unweit der Adriaküste und umgeben von weitreichenden Oliven- und Weinanbaugebieten. Seine Altstadt thront auf einem Hügel und ist so schon aus der Ferne deutlich zu erkennen – nicht zuletzt auch aufgrund der weißen Farbe, in der die meisten Häuser hier erstrahlen (Kalkstein). Wir hatten im Vorfeld ein Foto von Ostuni gesehen und umkreisen die Stadt so zunächst auf der Suche nach dem Aussichtspunkt, von dem das Foto eventuell gemacht wurde. Es dauert ein bisschen, aber schließlich finden wir ihn:

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Im Anschluss suchen wir uns einen Parkplatz und erkunden die kleine Altstadt etwas zu Fuß. Mit Erstaunen stellen wir fest, dass – mit Ausnahme von ein paar Katzen – nahezu niemand anderes in der Altstadt unterwegs ist. Es macht die Anmutung, dass hier kaum jemand mehr wohnt. Die Altstadt scheint nahezu komplett dem Tourismus verschrieben zu sein und die vielen kleinen Hotels / B&Bs sind zur Zeit natürlich alles andere als ausgebucht. Man kann sich gut vorstellen, dass hier im Sommer reger Betrieb herrscht, Tische der nun geschlossenen Cafés die Straßen säumen und sich Menschenmassen durch die schmalen, schönen Gassen schlängeln. Aber auch ohne diesen Trubel und den zusätzlichen Flair, den beispielsweise ein lauer Sommerabend hier sicher versprüht, genießen wir es, die verwinkelten Ecken der Altstadt zu erkunden und immer mal wieder einen erhöhten Blick auf die Adriaküste zu erhaschen.

Trulli in Alberobello

Unser nächstes Ziel liegt knapp 40 km von Ostuni entfernt: die Stadt Alberobello. Die ist vor allem bekannt für seine Trulli-Häuser. Das sind kleine Rundhäuser mit kegelförmigen Steindächern, die hauptsächlich aus dem 17. Jahrhundert stammen und aufgrund ihrer Bauweise den Gang der Zeit überstanden haben. Vielerorts in Apulien findet man sie, aber hier in Alberobello sind noch besonders viele davon erhalten und quasi ein gesamter Stadtteil besteht aus ihnen. Das gesamte Areal ist inzwischen auch UNESCO-Weltkulturerbe.

Wir schlendern durch die (wieder einmal sehr leeren) Gassen, schauen uns die Trulli-Häuser mit ihren kleinen Einganstüren an und erfreuen uns an der weihnachtlichen Dekoration.

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Zum frühen Abend hin fahren wir wieder zurück zur Küste. Bereits im Vorfeld hatten wir uns hier einen Stellplatz für die Nacht herausgesucht. Und der hält, was wir uns von ihm erhofft hatten: Wir parken unseren Van weit entfernt von jeglicher Zivilisation auf einer kleinen felsigen Landzunge, die ins Meer hineinragt, und sind so auf drei Seiten vom Wasser umgeben. Am nächsten Morgen werden wir nicht nur von toller Aussicht, sondern auch von Sonnenschein begrüßt. Herrlich! Da es uns hier äußerst gut gefällt, bleiben wir gleich zwei Nächte. Die Sonne wird zwar irgendwann abgelöst durch einen starken Sturm, der den Camper mal wieder so sehr zum wackeln bringt, dass mir beim arbeiten am Laptop flau im Magen wird, aber dafür kann der tolle Stellplatz ja nichts. 😉 Hier würden wir wirklich gerne nochmal im Sommer herkommen, unsere Markise ausfahren und ein paar entspannte Tage am Meer verbringen. Aber im Sommer ist es hier bestimmt auch voll mit anderen Leuten – naja, man kann wohl nicht immer alles haben. 🙂

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Lecce

Am übernächsten Morgen fahren wir nach Lecce, die größte Stadt in der Gegend, die eine große, schöne Altstadt haben soll. Wir finden einen für italienische Verhältnisse sehr günstigen Parkplatz in der Stadtmitte (80 cent/Std.) und machen uns auf den Weg. Gut drei Stunden schlendern wir durch die Stadt, schauen uns Kirchen, Plätze, Gärten und ein altes Amphitheater an. Die schönen Gassen sind teils weihnachtlich geschmückt. Im Gegensatz zu den vorherigen drei Dörfern ist hier ganz schön was los. Das mag aber auch daran liegen, dass der Himmel blau ist und die Sonne kräftig scheint.

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Die Schönheit Süd-Apuliens

Danach zieht es uns wieder zurück in die Natur. Unser Plan für die kommenden Tage ist nun, die Küste bis zum südlichsten Zipfel Apuliens entlang zu fahren und dann auf der westlichen Seite wieder hoch, bis das Meer an der Grenze mit der Region Basilikata gen Westen hin abknickt. Und es stellt sich heraus: auch hier ist die Küstenregion Apuliens so faszinierend schön, wie sie es schon im Norden war – wenn nicht vielleicht sogar noch etwas schöner.

Kilometer für Kilometer fahren wir an der Küste entlang, deren Beschaffenheit sich laufend verändert. Mal erinnern uns mit Langgräsern bewachsene Dünen an die heimische Nordseeküste, mal türmen sich dramatisch abfallende Steilklippen vor uns auf und dann wieder weite, grasbewachsene Flächen, die uns aufgrund der überall verstreuten Felsen an einen früheren Trip nach Schottland erinnern.

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Auch die Stellplätze hier können sich sehen lassen. Immer wieder führen kleine Straßen oder Abzweigungen direkt zum Meer. Dabei ist die gesamte Region ansonsten aber nur sehr spärlich besiedelt. Wenn wir an Orten vorbeikommen, sind diese zumeist klein. Auch das hilft natürlich bei der Stellplatzsuche und ist einer der Gründe dafür, dass wir Apulien so klasse fanden – wir geben hiermit eine absolute Reiseempfehlung für Apulien mit dem Campervan ab.

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Zurück nach Deutschland

Auf dem letzten Stellplatz hier oben haben wir zum Abschluss dann noch einmal ein paar Tage verbracht und uns langsam von Apulien verabschiedet. Danach sind wir innerhalb von gut 48 Stunden die 2.000 km zurück bis nach Deutschland gefahren, um dort 10 Tage vor dem Weihnachtsfest anzukommen und auf eine mögliche Quarantäne vorbereitet zu dein (die war dann aber glücklicherweise gar nicht nötig, auch wenn wir uns im weitesten Sinne trotzdem daran gehalten haben). Auf dem Weg in unsere Heimat haben wir unterwegs noch zwei Mal übernachtet – einmal in Italien am Strand und einmal kurz hinter der österreichisch-deutschen Grenze.

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Und damit kommen wir nicht nur zum Ende dieses Blogeintrags, sondern auch zum Ende des Jahres. 2020 war sicher kein normales Jahr. Weder für die Welt, noch für uns. COVID-19 hatte und hat viele Bereiche des alltäglichen Lebens im Griff und hat natürlich auch das Reisen bzw. die Möglichkeiten des Reisens stark verändert. Für uns hat das u.a. bedeutet, dass wir von März bis September mit unserem Campervan in Thailand festsaßen und unsere geplante Rückfahrt über Kambodscha, Laos, China, die Mongolei und Russland schließlich absagen mussten. War es deswegen ein schlechtes Jahr für uns – ein Jahr an das wir ungern zurückdenken? Keineswegs! Wir hatten das Privileg, nicht nur gesund durch das Jahr zu kommen, sondern währenddessen auch noch andere Länder, ferne Kulturen und faszinierende Menschen kennenzulernen. Sowohl in Asien als auch zuletzt in Europa. Wir hatten das Privileg, uns an alle neuen Situationen ohne große Probleme anpassen zu können und alle uns gestellten Herausforderungen überwinden zu können. Wir hatten das Privileg, Freunden und Familien an unserer Seite zu haben, auch wenn wir sie häufiger über Videokonferenzen gesehen haben, als persönlich. 

Wir hoffen, dass auch ihr dem Jahr 2020 etwas Positives abgewinnen könnt. Wir sind sicher, da gibt es auch bei euch Einiges! Lasst uns darauf fokussieren und gemeinsam positiv, fröhlich und optimistisch in die Zukunft blicken. Wir wünschen euch einen guten Rutsch, auch wenn der Jahreswechsel dieses Jahr nicht mit einer großen Sause vonstatten geht. Bleibt gesund!

Viele liebe Grüße an euch alle.
Tina & Dirk

2 Kommentare

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    Mathias Hänsel

    Hallo.
    Hut ab vor Euren Abenteuern. Wir sind auch sehr oft mit dem WOMO in Europa unterwegs. Eine Frage habe ich.
    Ihr schreibt dass die Quarantäne bei der Rückkehr nicht nötig war. Wie funktioniert das? Hat man Euch an der deutschen Grenze nicht kontroliert, oder habt ihr einen frischen Test gemacht?

    Vieln Dank für die Antwort und noch weitere schöne Erlebnisse.
    Mathias Hänsel

    Zurück nach Deutschland

    Auf dem letzten Stellplatz hier oben haben wir zum Abschluss dann noch einmal ein paar Tage verbracht und uns langsam von Apulien verabschiedet. Danach sind wir innerhalb von gut 48 Stunden die 2.000 km zurück bis nach Deutschland gefahren, um dort 10 Tage vor dem Weihnachtsfest anzukommen und auf eine mögliche Quarantäne vorbereitet zu dein (die war dann aber glücklicherweise gar nicht nötig, auch wenn wir uns im weitesten Sinne trotzdem daran gehalten haben). Auf dem Weg in unsere Heimat haben wir unterwegs noch zwei Mal übernachtet – einmal in Italien am Strand und einmal kurz hinter der österreichisch-deutschen Grenze.

    • Let's get otter here

      Let's get otter here

      Hallo Mathias,
      eine Quarantäne war nicht vorgeschrieben, da unser Heimat-Bundesland NRW die Regelungen dazu Ende November gekippt hat. Hat uns selbst überrascht, ist aber so. Es herrscht zwar weiterhin die Pflicht, sich vor der Rückkehr online anzumelden (und das wurde bei unserer Einreise nach Deutschland auch von der Grenzpolizei kontrolliert), allerdings muss man nur dann in Quarantäne, wenn man tatsächlich positiv getestet wird. Und eine Testpflicht besteht wiederum nur dann, wenn sich das zuständige Gesundheitsamt bei einem meldet und will, dass man sich testen lässt. Das war bei uns nicht der Fall, was wiederum wahrscheinlich auch daran lag, dass die Testkapazitäten vor Weihnachten extrem ausgelastet waren und die Gesundheitsämter sich daher wohl nur noch auf Leute mit tatsächlichen Symptomen und Hochrisikogebiete konzentriert haben. Die Inzidenz-Werte von Italien lagen zu dem Zeitpunkt nahezu auf der gleichen Höhe wie in unserem Heimatkreis (und inzwischen sogar deutlich darunter) und stand daher wohl nicht mehr im Fokus.
      Viele Grüße, Tina & Dirk

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