2020,  Europa,  Italien

Italien Teil I – Dolomiten / Südtirol

Bella Italia🇮🇹! Inzwischen ist es Monate her, dass wir den Plan geschmiedet haben, nach unserer vorzeitigen Rückkehr aus Asien als nächstes „längeres“ Ziel Italien anzusteuern. Während des Lockdowns in Thailand hatten wir überlegt: wo wird es innerhalb Europas von Oktober-Dezember voraussichtlich noch warm genug sein, um im Camper nicht allzu sehr frieren zu müssen? Neben Griechenland, Südspanien und Portugal kommt man da schnell auf Italien. Da waren wir mit unserem Camper noch nicht (außer am Gardasee und in Venedig) und es ist auch am wenigsten weit von unserer Heimat weg, sodass wir für Weihnachten und Neujahr einigermaßen fix nach Hause fahren können. Bevor wir aber die Strände der Amalfiküste oder die Ruinen Roms erkunden, geht es für uns zuallererst nochmal in die Berge: nach Südtirol.

Info vorab

Reisen in Zeiten von Corona – sollte man das überhaupt machen? Das ist aus unserer Sicht nicht mit einem einfachen „ja“ oder „nein“ zu beantworten. Natürlich wäre es unverantwortlich die Gefahren der Pandemie zu ignorieren, Menschenmassen nicht zu meiden, keine Maske zu tragen oder sich über geltende Vorschriften hinwegzusetzen. Das steht für uns nicht zur Debatte. Die Folgen der Pandemie sind verheerend und wir alle haben unseren Beitrag zu leisten, um die Ausbreitung so gut wie möglich zu verhindern bzw. zu verlangsamen, bis ein wirksamer Impfstoff flächendeckend zur Verfügung steht.

Sind wir nun also Egoistenschweine, wenn wir trotzdem Reisen? Wir finden nicht. Denn aufgrund unserer Art zu Reisen haben wir wahrscheinlich weniger Menschenkontakt als wenn wir einen typischen Alltag im „Lockdown light“ bestreiten würden. Wir gehen nicht zur Arbeit, fahren nicht mit Bus und Bahn durch die Stadt, treffen uns mit niemandem, der sich seinerseits bei Arbeitskollegen, bei schulpflichtigen Kindern oder den noch erlaubten Treffen von bis zu 10 Personen angesteckt haben könnte. Natürlich müssen auch wir gelegentlich in den Supermarkt oder zur Tankstelle, aber dabei tragen wir (natürlich) immer unsere Masken, Halten bestmöglich Abstand und desinfizieren uns vorher und nachher unsere Hände. Wir übernachten möglichst fernab von Zivilisation, verbringen die meiste Zeit in unserem Camper oder in der Natur und waren beispielsweise auch schon seit 19 Monaten nicht mehr beim Friseur. Wir finden daher, dass wir zu keinem erhöhten Risiko beitragen.

Als wir am 24. Oktober von der Schweiz aus nach Italien eingereist sind, gab es weder dort/hier noch in Deutschland größere den Alltag betreffende Maßnahmen (abgesehen von Maske und Abstand). Italien stand zu dem Zeitpunkt sogar den Umständen entsprechend „gut“ da – wohl eine Folge davon, dass das Land während der ersten Welle im Frühjahr extrem hart getroffen wurde und die Menschen entsprechend stark sensibilisiert waren. Inzwischen hat sich die Situation aber auch hier – genauso wie im Rest der Welt – wieder dramatisiert und die Fallzahlen steigen. Italien hat ein Ampelsystem eingeführt, dass seine 20 Regionen in rote, orange und gelbe Risikozonen aufteilt. Je nach Einstufung einer Region greifen unterschiedliche Maßnahmen, die bis zum faktischen Lockdown reichen. Bisher waren wir davon nicht betroffen. Wie es weitergeht, werden wir sehen. In jedem Fall halten wir uns an die Regeln und sind weiterhin vorsichtig.

Die ersten Tage in Italien

Steigen wir nun also in unseren Reise-/Erlebnisbericht ein. Es ist Samstag, der 24. Oktober 2020 und wir sind soeben am Grenzübergang Müstair-Taufers nach Italien eingereist. Die Einreise hätte entspannter nicht laufen können, denn wir wurden noch nicht einmal angehalten, sondern einfach durchgewunken. So schön die Schweiz auch war, so froh sind wir dennoch, sie nun verlassen zu haben: endlich wieder Mobilfunk nach Regeln der EU, endlich kein Umrechnen mehr zwischen Euro und Schweizer Franken und endlich wieder Sprit und Lebensmittel zu bezahlbaren Preisen. Das nutzen wir auch gleich und fahren direkt den ersten Lidl an, den wir finden können. Schon in Deutschland sind wir für unsere Wocheneinkäufe immer gerne zu Lidl gegangen, aber was wir hier an unterschiedlichen Pasta-, Gnocchi-, Käse- und Süßspeisen-Variationen vorfinden, lässt uns das Wasser sprichwörtlich im Mund zusammen laufen. Wir müssen uns beide zusammenreißen und uns immer wieder verdeutlichen, dass wir noch ein paar Wochen hier sind und alles der Reihe nach probieren können, damit wir nicht alles auf einmal kaufen und unseren kleinen Kühlschrank nicht maßlos überfüllen.

Mit aufgestockten Vorräten machen wir uns auf den Weg in Richtung Süden. „Aber Moment, wolltet ihr nicht erstmal im Norden in den Bergen bleiben?“ Ja, richtig, sehr gut aufgepasst. Aber im hohen italienischen Norden gibt es keinen Knaus-Händler (Hersteller unseres Wohnmobilausbaus). Und den brauchen wir gerade, da wir neben ein paar anderen Kleinigkeiten unseren Van vor allem einer Dichtigkeitsprüfung unterziehen lassen wollen. Da wird geprüft, ob durch die Dachluken, Fenster oder sonst irgendwo Feuchtigkeit ins Fahrzeug eindringen kann oder ob noch alles dicht ist. Die Prüfung muss man einmal im Jahr (+/- 2 Monate) machen lassen, damit man seinen Garantieanspruch dafür nicht verliert. Und da wir in Deutschland nicht mehr dazu gekommen waren, wollen wir das jetzt nachholen.

150 km von der Grenze entfernt finden wir einen online gut bewerteten Knaus-Händler, der auch gerne dazu bereit ist die Dichtigkeitsprüfung durchzuführen, jedoch wegen voller Terminkalender erst in 12 Tagen. Kein Problem für uns, dann machen wir eben doch erst eine Tour durch die Dolomiten und kommen dann zum vereinbarten Termin nochmal vorbei, wenn wir im Anschluss eh weiter in Richtung Süden fahren. Bevor wir das alles aber in Angriff nehmen, suchen wir uns erst einmal einen Schlafplatz für die Nacht (beziehungsweise für die nächsten 4 Nächte, wie sich herausstellen sollte).

Fündig werden wir auf einem kleinen Berg/Hügel unweit des Dorfes Besenello. Hier gibt es einen kleinen Schotterparkplatz, der hauptsächlich von Hundebesitzern genutzt wird, um in den angrenzenden Wäldern spazieren zu gehen. Aber es gibt nicht nur Platz zum Parken und eine tolle Aussicht auf grüne Wiesen und in Herbstfarben erstrahlende Wäldern, sondern sogar eine Entleerungsstation für Wohnmobile, Mülltonnen und einen Frischwasseranschluss. Und das alles kostenlos. Wahnsinn.

201024-29_Grenze Schweiz bis Besenello_011


Diese Annehmlichkeiten führen dazu, dass wir ein paar Tage länger bleiben und in Ruhe an unserem Blogeintrag und Video über die Schweiz  arbeiten. Unser Aufenthalt verlängert sich dann noch zusätzlich ein bisschen, weil eines nachts unsere große Gasflasche zur Neige geht (tagsüber sind es zwar um die 15-18°C, aber nachts wird es dann doch so kalt, dass wir unsere Gasheizung laufen haben). In Deutschland könnten wir mit der leeren Gasflasche einfach zu so ziemlich jedem Baumarkt oder zig anderen Geschäften fahren, um sie gegen Gebühr gegen eine neue, volle Flasche zu tauschen. Das klappt hier in Italien leider nicht, da die hier blöderweise andere Flaschen mit eigenen Ventilen haben. Schade eigentlich – da könnte die EU doch vielleicht mal was machen.

Naja, hilft nichts, wir müssen uns also einen Gasanbieter suchen, der unsere deutsche Flasche wieder auffüllen kann. Ein Adapter-Set für die unterschiedlichen Anschlüsse haben wir dabei (das hat uns schon in Asien nützliche Dienste getan). Leider ist es jedoch gar nicht so einfach, ohne Italienisch-Kenntnisse einen Anbieter zu finden, der diese doch einigermaßen spezielle Leistung anbietet. Aber Google Maps zeigt 45 km entfernt ein vielversprechendes Suchergebnis und so fahren wir dort vorbei. Mit Fingerzeig, einfachstem Englisch und ein paar zuvor auswendig gelernten italienischen Vokabeln erklären wir dem Herrn vor Ort unser Anliegen und müssen leider erfahren, dass tatsächlich keiner unserer 4 Adapter mit den italienischen Ventilen kompatibel ist. Das gibt’s ja nicht. Jetzt müssen wir also erstmal einen Campingshop finden, um den passenden Adapter zu kaufen.
Der Gardasee mit seinen vielen Campingplätzen ist nicht weit (20km südlich). Dort finden wir auch einen kleinen Campingshop, jedoch hat die nette Dame dort diesen Adapter nicht mehr vorrätig. Stattdessen hat sie aber tatsächlich eine volle, deutsche 11kg Tausch-Gasflasche im Laden stehen. Ein Zeichen dafür, wie viele Deutsche Camper hier doch in der Regel so hinkommen. Das Preisschild von 40 € lässt mich allerdings schlucken. In Deutschland zahl man etwa die Hälfte – in Iran haben wir für die Füllung unserer beiden Gasflaschen (11 + 5 kg) zusammen umgerechnet 1 € bezahlt.😄 Aber gut, das kann man nicht unbedingt miteinander vergleichen. Ich versuche meinen Charm spielen zu lassen und bekomme zumindest einen Rabatt von 5 €. So geht an diesem Tag zwar immernoch nahezu unser gesamtes Tagesbudget für Gas drauf, aber dafür müssen wir nachts nicht frieren – und das ist gut, vor allem, da wir ja jetzt als nächstes wieder in die hohen Berge fahren wollen und mit Schnee rechnen müssen.

Auf in die Dolomiten

Okay, das war jetzt ganz schön viel Text dafür, dass wir noch nicht einmal in den Bergen angekommen sind. Also los. Am Morgen des 29. Oktober machen wir uns auf den Weg Richtung Nord-Osten. Eine ganze Reihe von Zielen haben wir für die nächsten Tage auf dem Zettel. Als erstes wollen wir zum Rollepass (Passo Rolle) fahren und dort zum Laghetto Baita Segantini, einem Bergsee aufsteigen. Etwa zweieinhalb Stunden dauert die Fahrt und die landschaftliche Umgebung ändert sich rasch. Anfangs sind wir noch umgeben von Obstplantagen und Weinreben, doch mit jedem gefahrenen Kilometer werden die Berge am Horizont größer und die für die Dolomiten so charakteristischen Felsmassive türmen sich vor uns auf. Die Gipfel sind schneebedeckt und die Bäume erstrahlen in tollen Grün- und Gelbtönen. Die schönen rot verfärbten Bäume, die wir noch in der Schweiz bewundern durften, gibt es hier leider nicht. Die Nadelbäume hier neigen eher dazu, mit fortschreitender Zeit braun zu werden.

Kurz vor der Passhöhe von 1.989m gibt es einen großen Parkplatz, den wir nicht nur zu unserem Quartier für die Nacht erküren, sondern der auch den Startpunkt der kurzen, halbstündigen Wanderung hoch zum Bergsee darstellt. Ich mache mich alleine auf den Weg, da Tina keine Lust hat sich zu beeilen. Etwas Eile ist aber von Nöten, da wir es schon 15.30 Uhr haben und die Sonne hier bereits gegen 17 Uhr hinter den Bergen verschwindet. Ich bin keine fünf Minuten unterwegs und schon liegt links und rechts am Wegesrand der erste Schnee. Der wird stetig mehr und oben angekommen ist es eine dichte Schneedecke von gut 15cm und der See ist gefroren.

Das Panorama ist hervorragend. Der Himmel erstrahlt in tiefem Blau, vor mir türmen sich felsige, schneebedeckte Berge auf und am Rand des Sees posiert eine malerische Holzhütte für Fotos. Langsam aber sicher senkt sich die Sonne und taucht die Szenerie kurz vor ihrem Untergehen in tolles Licht. Was ein krönender Tagesabschluss.

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Karersee, Sellajoch und Villnößtal

Die Nacht auf dem Parkplatz ist super ruhig und so können wir ausgeruht in den vollgepackten Tag starten. Nicht aber, ohne vorher noch in Ruhe einen Kaffee bei dieser traumhaften Aussicht zu genießen.

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Dann geht’s aber los. Unser nächstes Ziel ist der Karersee. Wieder ein vermeintlich äußerst fotogener See umringt von Bergen. Als wir ihn nach kurzer Fahrt durch die faszinierende Berglandschaft erreichen, können wir das absolut bestätigen. Dieser See ist lediglich in Teilen gefroren und gibt so den Blick frei auf sein klares, smaragdgrün leuchtendes Wasser. Der See, der ihn umgebende Wald und die schneebedeckten Gipfel im Hintergrund bilden wieder einmal eine wahnsinnig tolle Aussicht. Das auf Fotos festzuhalten war etwas schwer, da uns die Sonne zu dieser Uhrzeit starkes Gegenlicht spendiert hat – dafür aber herrlich unsere Gesichter gewärmt hat. Wir wollen uns also nicht wirklich beschweren.😉

201030_Karersee, Seceda, Seiser Alm, Grödnertal, Vilnößtal_020


Da der einzige verfügbare Parkplatz hier kostenpflichtig ist, bleiben wir nicht lange. Wir spazieren zwar einmal um den kleinen See herum, machen uns dann aber auch schon wieder auf den Weg. Jetzt heißt es: Höhe gewinnen und rauf auf den nächsten Pass. Der Karersee liegt auf 1.069m, unser nächstes Ziel das Sellajoch auf 2.218m. Wir fahren durch malerische Landschaften, Täler und immer wieder auch Dörfer, die sich auf die (eventuell) bald beginnende Skisaison vorbereiten.

Oben auf der Passhöhe werden wir durch ein Schild daran erinnert, dass die gesamten Dolomiten 2009 in die Liste der UNESCO-Welterbe aufgenommen wurden. Eine tolle Aussicht gibt’s gratis mit dazu.🙂 Einige der Berggipfel kommen mir bekannt vor, da ich hier als Jugendlicher mit meiner Familie einige Male zum Skifahren war. Und dann kommen wir tatsächlich auch an einer Skipiste/Liftanlage vorbei, die ich gut in Erinnerung habe und vor der ich damals nie gedacht hätte, hier jemals mit einem Auto herkommen zu können. Bei den dort liegenden Schneemengen wird es wahrscheinlich auch nicht mehr allzu lange dauern, bis die Passstraße für den Winter gesperrt wird.

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Ein weiteres Ziel haben wir aber noch, bevor wir uns einen Stellplatz für die Nacht suchen wollen. Wir fahren den Pass herunter, einmal längs durch das Grödnertal und biegen dann in das Villnößtal ein. Hier soll sich eins der beliebtesten Fotomotive Südtirols befinden – die Geisler-Berggruppe mit ihrem Hauptgipfel Sass Rigais (3.025m) und dem wellenden Tal sowie der St. Madalena Kirche im Vordergrund. Und siehe da, ein wahrlich traumhafter Anblick. Den können wir zwar nicht sehr lange genießen, da gerade die Sonne untergeht, aber für 20 Minuten Staunen reichts. Und die bunt gefärbten Bäume der Herbstzeit tun wieder einmal ihr Übriges hinzu.

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So, jetzt wird es aber Zeit, dass wir einen Schlafplatz finden. Wir checken die App Park4Night und sehen am Ende des Tals einen markierten Platz. Und was für ein Platz! Wir biegen von der Straße in einen kurzen Schotterweg ab und finden uns neben einem kleinen Bach, am Rande eines verschneiten Hügels und im Schatten eines großen, felsigen Berggipfels wieder. Außer dem leisen Plätschern des Wassers herrscht hier vollkommene Stille. Die Straße ist zwar nah, aber so klein, dass wir wohl nicht mit Verkehr zu rechnen haben. Nachdem die Sonne vollständig untergegangen ist, wage ich mich mit unserer Kamera nochmal nach draußen in die Kälte und schau, ob ich ein paar Sterne „einfangen“ kann.

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Zwei der bekanntesten Sehenswürdigkeiten

Wäre unser Trip durch die Dolomiten an dieser Stelle vorbei, wäre ich zufrieden und würde ihn als tollen Teil unserer Reise abspeichern. Aber wir sind noch gar nicht „fertig“, wir haben noch drei weitere Ziele hier in der Gegend im Kopf, und natürlich die Fahrten dazwischen vor uns. Wir haben es wirklich gut!🙂

Alle drei Ziele wollen wir nun möglichst in den nächsten beiden Tagen anfahren, da der Wetterbericht besagt, dies sei der letzte sonnige Abschnitt vor einer ganzen Woche mit Wolken, Regen und Schnee. Wir starten also früh und machen uns auf den Weg zum Pragser Wildsee. Ja, noch ein See umgeben von schneebedeckten Bergen und herbstlich eingefärbten Bäumen. Wir kriegen einfach nicht genug. Der Pragser Wildsee (oder Lago di Braies auf italienisch) ist mit Abstand der bekannteste See in den Dolomiten. Allein von Juli bis September 2018 soll er 1,2 Millionen Besucher angezogen haben. Inzwischen gibt es Zutrittsbeschränkungen, auch in Form von teuren Parktickets (8 € für 3 Stunden). Trotzdem ist der riesige Parkplatz am See zu gut zwei Dritteln voll, als wir gegen 10 Uhr ankommen.

Es herrscht Maskenpflicht und die Menschen verteilen sich nach dem ersten Ankommen auch ganz gut über das lange Ufer des Sees, aber wir sind trotzdem erstaunt hier Mitte November, an einem Wochentag und inmitten einer Pandemie so viele Menschen zu sehen. Aber das Parkticket ist gelöst und so spazieren wir einmal um den See herum. Das dauert inklusive vieler Pausen für Fotos gut 1,5 Stunden. Ein wirklich sehr schöner Ausflug! Dort wo die Sonne hinkommt, ist es angenehm warm, an anderen Stellen liegt eisiger Schnee. Der Himmel ist nahezu wolkenfrei, die umliegenden, teils schneebedeckten Berge spiegeln sich im klaren Wasser des Sees und Ruderboote mit Instagrammer-Pärchen lassen sich treiben. Ohne andere Menschen wäre es gleich dreimal so schön, aber so ist es nun mal bei bekannten Sehenswürdigkeiten.

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Wir fahren weiter und wollen als nächstes wieder hoch hinaus. Ins Navi geben wir die Drei Zinnen (bzw. Tre Cime) ein und nachdem wir teure 45 € gezahlt haben, dürfen wir letztlich auch die Mautstraße zum Parkplatz der Auronzohütte hochfahren (30 € Maut und 15 € für die Übernachtung). Ein ganz schön teurer Spaß für eine Straße, die nur wenige Kilometer lang ist, aber man zahlt hier für die Aussicht. Und die ist wirklich in alle Richtungen phänomenal (zumindest wenn man Berge mag, aber das tun wir ja, wie ihr inzwischen wissen solltet😜).

Wir suchen uns einen freien Parkplatz und ich mache mich bereit, die zweieinhalbstünde Wanderung einmal rund um die Drei Zinnen in Angriff zu nehmen (es gibt auch eine längere, die etwa 4 Stunden dauert, aber dafür reicht die Zeit bis zum Sonnenuntergang leider nicht mehr). Tina winkt dankend ab, da sich nicht so Fan von Wandern im/auf Schnee ist. Ich mache mich also alleine auf den Weg und verspreche ihr, ein paar Fotos, Videos und vielleicht auch Drohnenaufnahmen mitzubringen. Der Wanderweg ist zunächst breit und gut befestigt (abgesehen vom Schnee-Matsch). Mit der Zeit nimmt die Schneehöhe jedoch deutlich zu und der Weg wird schmaler, als er sich langsam aber sicher etwa 200 Höhenmeter den Berg hinauf schlängelt. Nach etwa 40 Minuten komme ich am höchsten Punkt, der Lavaredo Scharte auf 2.454m an. Von hier hat man einen wundervollen Blick auf die drei einzelnen Gipfel.

Leider muss ich hier jedoch feststellen, dass ich die geplante kleine Umrundung der Drei Zinnen nicht weitergehen kann, da die „Abkürzung“ völlig eingeschneit ist und ich den Weg nicht ansatzweise sehen kann. Auf der längeren Route sehe ich noch Menschen laufen, aber die würde ab hier noch gut 2,5 Stunden dauern und dann wäre es bereits völlig dunkel. Ich muss also umdrehen. Aber halb so schlimm, es hat auch so richtig Spaß gemacht!

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Sonnenauf-, Sonnenuntergänge und ein tierischer Weggefährte

So ihr fleißigen Leser*innen, ihr habt es fast geschafft, hier kommt der letzte Abschnitt.😉 Er beginnt mit einem tollen Sonnenaufgang, den wir vom Drei Zinnen Parkplatz aus bestaunen. Dass wir von unserer Freedom Camping Routine abgewichen sind und mal ausnahmsweise für eine Nacht für einen Schlafplatz bezahlt haben, bereuen wir hier wirklich nicht. Die Nacht war angenehm ruhig, zwar kalt, aber dank unseres aufgefüllten Gasvorrats und unserer molligen Bettdecken war auch das kein Problem. Wir könnten ewig hier stehen bleiben, aber leider können wir uns das nicht leisten und außerdem wollen wir ja auch unser letztes Ziel in den Dolomiten noch besichtigen, bevor die angekündigte Schlechtwetterfront aufzieht.

Nach einem leckeren French Press Kaffee machen wir uns also wieder auf den Weg runter ins Tal und steuern den Giau Pass (Passo di Giau) an. Aber nicht auf direktem Wege, sondern in einem großen Bogen, um unterwegs noch durch ein paar andere Täler zu fahren. Und das stellt sich als absoluter Glücksgriff heraus, als wir plötzlich am Straßenrand einen Fuchs sehen. Er steht da einfach so auf einem Stein und guckt durch die Gegend. Da drehen wir doch gleich um und schauen uns das nochmal genauer an. Einen Fuchs haben nämlich weder Tina noch ich bisher in freier Wildbahn gesehen. Wir parken mit etwas Abstand am Straßenrand und schauen dem Fuchs dabei zu, wie er auf einer Wiese der Straße entlang läuft. Auch obwohl wenig später zwei weitere Autos anhalten und sehr nah an ihn ran fahren, scheint ihn das nicht sonderlich zu stören. Er scheint an die Präsenz von Menschen gewöhnt. Wir freuen uns tierisch über diese Begegnung.

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Nach einem entspannten Fahrtag kommen wir am frühen Abend auf dem Giau Pass an (2.236m). Zwar gibt es direkt auf der Passhöhe einen Parkplatz, der zu einer Berghütte gehört, jedoch ist hier das Übernachten mit einem Wohnmobil ausdrücklich verboten. Das überrascht uns nicht wirklich und wir hatten und sowieso einen Stellplatz etwas unterhalb der Passhöhe am Straßenrand herausgesucht. Den können wir jedoch nicht erreichen, da kurze Zeit vorher wohl Schnee gefallen war und die Räumfahrzeuge diesen Parkplatz nicht nur ausgespart haben, sondern ihn durch das Aufschütten einer etwa 50cm hohen „Wand“ aus Schnee sogar unerreichbar für uns gemacht haben.

Ein Stück die Straße weiter runter finden wir jedoch eine Parkbucht, die einigermaßen geräumt wurde. Sie ist recht schräg, aber mit der Hilfe von unseren Auffahrkeilen bekommen wir es hin, zumindest einigermaßen gerade zu stehen. Die Aussicht ist wieder einmal klasse und die rasch beginnende Nacht trotz der Straße so ruhig, dass wir uns glatt dazu entscheiden, den nächsten Tag und noch eine weitere Nacht hier zu bleiben. Wir schicken unsere Drohne mal wieder in die Luft, beginnen mit dem Sortieren von Fotos und Videos und werden abends mit glühenden Sonnenuntergängen beglückt.

Und damit beenden wir den Dolomiten/Südttirol-Blogeintrag. Es hat uns richtig gut gefallen! Das nächste Mal werden wir uns wahrscheinlich aus der Toskana melden. Da soll es ja auch ganz schön sein, haben wir uns sagen lassen.

Und noch ein Hinweis für die, die noch auf Ihre „Postkarte aus der Ferne“ warten. Gebt uns bitte noch ein bisschen Zeit, bis wir zumindest aus dem größtenteils deutschsprachigen Südtirol raus sind. Das fühlt sich gerade noch nicht ausreichend weit weg an. Außerdem haben wir in den Orten, die wir bisher angefahren sind, auch noch keine wirklich schönen Postkarten finden können. Wir haben euch aber natürlich nicht vergessen.🙂

Liebe Grüße aus Italien,
Tina & Dirk

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