Asien,  Indien

#13 Indien – Teil II (Maharashtra & Goa)

Im letzten Blogeintrag haben wir euch davon berichtet, wie wir die Closing Ceremony an der Wagah Border zwischen Pakistan und Indien empfunden haben, was wir in Varanasi, der heiligsten Stadt des Hinduismus gemacht haben und ob uns der Taj Mahal, obwohl wir ihn natürlich schon von Bildern kannten, trotzdem noch beeindruckt hat (ja, hat er!). In diesem zweiten Blogeintrag aus Indien nehmen wir euch nun mit auf unsere Fahrt weiter Richtung Süden hin zu den Stränden der beiden Bundesstaaten Maharashtra und Goa. Und wir berichten von unserem bisherigen Tiefpunkt.

Tiefpunkt

Jede lange Reise hat auch irgendwann ihre Tiefpunkte. Unser bisheriger Tiefpunkt ist wohl das, was uns in der Nähe des indischen Dorfes Panschale passiert ist: Wir sind gerade auf dem Weg von Agra, der Stadt im Norden Indiens, in der sich der berühmte Taj Mahal befindet, hin an die Westküste des Landes, um dort an den Stränden Maharashtras und Goas zu entspannen. Zwei lange Tage sind wir nun bereits gefahren und befinden uns etwa auf halber Strecke zur Küste. Bei Einbruch der Dunkelheit suchen wir uns, wie so häufig zuvor, einen Stellplatz für die Nacht. Auf der App iOverlander ist in der Region kein Platz markiert, an dem andere Overlander schon einmal übernachtet haben. Also müssen wir uns einen eigenen Schlafplatz suchen.

Auf Google Maps erkennen wir wenige Kilometer vor uns eine große, unbewohnte Fläche aus Feldern und Wiesen, die durch einen Feldweg von der Straße, auf der wir gerade fahren, zu erreichen ist. Grundsätzlich befinden wir uns hier gerade sowieso weit weg von jeder größeren Stadt und sind die letzte Stunde gefühlt auf Landstraßen gefahren. Aber in Indien sind häufig eben auch die ländlichen Gegenden verhältnismäßig dicht besiedelt und so freuen wir uns, diese Fläche zwischen zwei Dörfern zu finden. Von unserem Stellplatz, der etwa 300 m  von der kleinen, asphaltierten Straße entfernt ist, können wir in der Distanz zwar 2-3 Häuser entdecken, stehen aber ansonsten gut versteckt und hoffen, auch aufgrund der inzwischen eingesetzten Dunkelheit, ungestört zu bleiben.

Bleiben wir aber nicht. Als wir gerade zu Abend essen, klopft es plötzlich. Da wir gerade essen uns einen anstrengenden Fahr-Tag hinter uns haben, haben wir keine Lust auf das übliche Selfie-Machen und reagieren nicht. Das Klopfen hört aber nicht auf und plötzlich schlägt jemand mit voller Kraft gegen das Auto. Ich mache die Schiebetür auf und sehe ca. 30 Leute und einen Polizeibeamten ums Auto stehen. Damit hatten wir nicht gerechnet. Ich beschwere mich über das Schlagen und sage, dass wir einen langen Tag hatten und gerne in Ruhe gelassen werden wollen. Der Polizeibeamte spricht kein Englisch, aber ein Local übersetzt. Er informiert uns, dass es hier nicht sicher sei und wir lieber woanders hinfahren sollen. Warum es nicht sicher sei, kann er aber auch nicht beantworten. Und als ich daraufhin sage, dass wir sehr viel lieber hier stehen bleiben würden, da es ja auch schon dunkel ist und Autofahren in der Nacht gerade in Indien sehr gefährlich ist, scheint das Thema in Ordnung. Um ein paar Selfies – auch mit dem Polizisten – und fleißiges Händeschütteln komme ich nicht umher. Die Stimmung ist gelöst (sie war für einen Moment angespannt gewesen, da ich wegen des Gegen-das-Auto-Schlagens etwas laut geworden war). Kurze Zeit später sind wir wieder alleine.

Aber nur bis etwa 23 Uhr. Wir liegen im Bett, als plötzlich wieder jemand gegen das Auto klopf. Und dann auch wieder feste gegen das Auto schlägt. Ich rufe laut „Stop it!“. Das hilft – aber nur kurz. Wieder Klopfen, wieder Schläge, mehrfach. Ich stehe auf, reiße die Seitentür auf und rufe, dass sie aufhören sollen, das Auto zu beschädigen. Draußen stehen dieses Mal 4-5 junge Typen so um die zwanzig Jahre alt. Sie sprechen kaum Englisch, wollen aber, dass ich zu ihnen rauskomme. Ich versuche ihnen klar zu machen, dass wir schlafen wollen und mache die Tür wieder zu.

Als ich gerade wieder im Bett liege, fangen sie wieder an zu klopfen und wenig später gegen das Auto zu schlagen. Ich mache wieder die Tür auf und drohe dieses Mal mit der Polizei, wenn sie nicht aufhören. Das scheint gewirkt zu haben, denn sie ziehen sich zurück zu ihren Rollern/Motorrädern, mit denen sie gekommen waren und machen den Anschein, wegzufahren. Durch das Seitenfenster sehe ich noch das hintere Motorrad losfahren. Als auch das zweite Motorrad startet, mache ich das Rollo am Fenster hoch und will gerade ins Bett steigen, als es laut knallt/klirrt. Die Jungs haben einen Stein durch das Seitenfenster geschmissen.

Ich reiße die Tür auf und will instinktiv hinter den Typen herrennen. Aber die sind schon losgefahren und ich habe keine Schuhe an. Wir packen sofort unsere Sachen und fahren weg. Hier können wir nicht bleiben. Wir fahren ins nächstgelegene Dorf und suchen eine Polizeistation. Die gibt es hier aber nicht. Die Einheimischen, die noch wach und auf den Straßen unterwegs sind, sprechen leider kein Englisch.

Wir wählen die 100, die indische Notrufnummer der Polizei. Am anderen Ende kommt jedoch nur eine Bandansage, die uns informiert, dass der Anruf aktuell nicht entgegengenommen werden könne und man es später noch einmal versuchen soll. Bitte, was?? Ich versuche es noch zwei Mal – es kommt immer die gleiche Ansage. Tage später erzählen uns Einheimische, dass das tatsächlich gar nicht so ungewöhnlich sei. Für uns ist das kaum zu glauben. Was, wenn man wirklich in einem Notfall steckt? Wieder einmal ein Punkt, den wir an Deutschland/Europa sehr zu schätzen wissen können.

Glücklicherweise haben wir Internet und können so die nächstgelegene Polizeistation (25 km) googlen und dort anrufen. Wir bekommen auf Nachfrage einen englischsprachigen Beamten ans Telefon und schildern ihm die Situation. Als wir ihm sagen, wo wir uns befinden, sagt er, dass er schon von uns gehört habe, da einer seiner Kollegen am früheren Abend schon bei uns war. Wir denken „super, haben wir uns wohl an die richtige Polizeistation gewendet“. Wir bitten den Polizisten, jemanden vorbeizuschicken. Uns ist klar, dass wir keine Aussicht darauf haben, die Jungs ausfindig zu machen, die den Stein geworfen haben – geschweige denn eine Entschädigung von ihnen zu bekommen. Aber wir wollen einen Polizeibericht, um den Schaden von unserer Versicherung erstattet bekommen zu können.

Der Polizist verspricht einen Kollegen zu schicken, was jedoch etwa 30 Minuten dauern könne. Wir warten. Während wir warten und uns etwas von dem Schock erholen, kommt ein Bus vorbei und einige Männer steigen aus. Als sie uns entdecken, kommen sie auf uns zu und sprechen uns freundlich an. Einer von ihnen spricht Englisch. Als wir ihnen sagen, was passiert ist, sagen sie uns, dass es ihnen leid tue, dass uns in ihrem Dorf so etwas passiert ist. Sie lassen uns auch wissen, dass wir die richtige Polizeistation angerufen haben. In der Gegend gibt es nämlich mehrere, aber diese sei genau die, die zuständig ist.

Als nach 50 Minuten noch immer kein Polizeiauto in Sicht ist, rufe ich noch einmal auf der Station an. Ich spreche mit dem gleichen Beamten und der lässt uns wissen, dass aktuell leider kein Officer zur Verfügung stünde, um zu uns zu kommen. Ich biete an, dass wir stattdessen zur Polizeistation kommen. Das käme uns sowieso gelegen, damit wir einen sicheren Platz für den Rest der Nacht haben. Der Beamte am Telefon fragt mich, warum wir denn überhaupt mit der Polizei sprechen wollen (ich erkläre nochmal die Situation mit der Versicherung) und fragt mich dann, ob ich getrunken hätte. Sein Kollege hätte ihm gesagt, ich sei betrunken.

Ich kann es gar nicht glauben und sage, dass wir jetzt zur Polizeistation kommen. Er antwortet, dass bei ihnen aber kein Platz sei, um dort zu übernachten. Einen alternativen Ort zum übernachten kann er uns aber auch nicht nennen. Er versucht nochmal, mich abzuwimmeln, aber ich sage ihm, dass wir jetzt kommen.

Wir sind gerade zwei Minuten unterwegs, als uns auf der kleinen Straße ein Polizeiauto entgegen kommt. Wir machen Lichthupe, um in der Dunkelheit auf uns aufmerksam zu machen. Nicht, dass er gerade auf dem Weg zu uns ist und wir uns verpassen. Er fährt aber an uns vorbei. Wir drehen daher um, schließen auf und machen nochmal per Lichthupe auf uns aufmerksam. Er reagiert immer noch nicht. Auch richtiges Hupen führt zu nichts. Dann fahren wir neben ihn und gestikulieren zusätzlich. Endlich hält er an. Englisch spricht er aber leider nicht. Ein junger Dorfbewohner, der am Straßenrand steht und ein kleines bisschen Englisch spricht, übersetzt netterweise. Der Polizist scheint aber von einer der anderen Stationen zu sein, die nicht zuständig sind. Er kann uns nicht helfen.

Also fahren wir weiter zur „richtigen“ Polizeistation. Die ist trotz ihrer Eintragung bei Google Maps schwer zu finden. Letztlich ist es ein kleiner Treppenaufgang neben einem Geldautomaten in einem alten, heruntergekommenen Gebäude mit geschlossenen Läden, der uns zum Ziel bringt. Dass hier eine Polizeistation ist, kann man nur erkennen, wenn man es schon weiß. Die Station besteht aus einem Raum im 1. OG, in dem ein Schreibtisch steht, ein Fernseher läuft und ein Beamte auf dem Boden schläft.

Der wache, englischsprachige Beamte scheint erstaunt, dass wir wirklich gekommen sind und fragt später auch, woher wir die Nummer und Adresse überhaupt hätten. Jetzt, wo wir aber da sind, ist er plötzlich nicht mehr abweisend und uns von Minute zu Minute besser gesonnen (auch wenn er mich tatsächlich noch zwei Mal fragt, ob ich betrunken sei). Er lässt sich das Auto zeigen und willigt letztlich ein, uns einen Bericht für die Versicherung zu schreiben. Das gehe jedoch nur handschriftlich und eigentlich auch nicht auf Englisch – letztlich willigt er aber ein, dass wir 1-2 englische Sätze unten ergänzen können. Die Sätze schreiben wir ihm vor. Eine Kopie des Berichts behält er nicht.

Als wir endlich fertig sind, ist es 2 Uhr morgens. Wir dürfen nun doch auf dem Gelände vor der Polizeistation bleiben (hier ist super viel Platz). Das Loch im Acrylglas-Fenster decke ich provisorisch mit Panzerband ab. Trotz der späten Stunde liegen wir noch lange wach und überlegen, wie wir jetzt mit der Situation umgehen. Letztlich fallen uns aber irgendwann die erschöpften Augen zu. Doch wir schlafen nicht lange, denn früh am nächsten Morgen weckt uns der Polizist, um uns den Weg raus aus der Stadt zu zeigen. Völlig übermüdet folgen wir ihm. In der nächsten großen Stadt, Pune, können wir hoffentlich ein Stück Plexiglas besorgen, um damit das Fenster witterungsbeständiger und einbruchssicherer abdecken zu können.

In Pune finden wir tatsächlich einen Laden, der Acrylglas-Platten verkauft. Er kann uns keine der großen Platten passend zuschneiden, hat aber noch ein 30 cm breites Reststück herumliegen, das er uns netterweise schenkt. Wir haben eine Handsäge und UHU-Sekundenkleber dabei und kriegen das Fenster damit recht gut abgedichtet. Sieht zwar scheiße aus (vor allem auch weil der Kleber der zweiten Tube, die wir uns noch gekauft haben, überraschenderweise eine gelbe Farbe hat), hält aber zumindest Staub, Regen und den schnellen Langfinger ab. Wie sich später rausstellt, wird diese provisorische Lösung jetzt auch erst einmal ein paar Wochen halten müssen, da ein Ersatzfenster nur in Europa zu bekommen ist und wir es herschicken lassen müssten.

Wir versuchen die ganze Sache möglichst wenig an uns ran zu lassen und wollen offensiv damit umgehen. Das soll uns nicht unseren Trip kaputt machen. Wir wollen auch weiterhin nicht auf Freedom Camping verzichten. Wir haken das eingeschlagene Fenster als etwas ab, das uns überall hätte passieren können. Es ist kein spezifisches Indien-Problem (auch wenn hier der Eintritt in unsere Privatsphäre, die aus verständlicher Neugierde rührt, hier offensichtlich etwas anders interpretiert wird, als in allen anderen Ländern, die wir bisher bereist haben).
Natürlich hinterlässt die Sache aber ihre Spuren. Wir fühlen uns seither etwas unsicherer, wenn wir Nachts im Freien übernachten. Um jedoch die Wahrscheinlichkeit zu reduzieren, dass uns das hier noch einmal passiert, haben wir uns jetzt vorgenommen, auf jedes interessierte Klopfen freundlich und mit offeneren Türen zu reagieren. Auch dann, wenn wir eigentlich müde und erschöpft sind. Denn alle Leute, mit denen wir hier in Indien sonst so interagiert haben, waren in der Regel immer äußerst nett zu uns. Und haben es auch verstanden, wenn wir uns irgendwann zurückziehen wollten. Vielleicht wäre das auch hier so gewesen. Vielleicht waren die Typen aber auch einfach nur auf Krawall aus. Man weiß es nicht…


Savitri Point

Wir versuchen also, möglichst schnell zur Normalität zurückzukehren. Heißt für uns: Dinge anschauen und im Freien übernachten. Allerdings wollen wir jetzt erst einmal einen Campspot nehmen, wo schon andere Overlander vor uns übernachtet haben. Davon versprechen wir uns, dass wir vielleicht nicht so ganz als völliger Fremdkörper angesehen werden. Und so passt es ganz gut, dass wir als nächstes zum Savitri Point, einem Aussichtspunkt ein paar Fahrstunden südwestlich von Pune, wollen. Der ist nicht nur auf iOverlander als ruhiger Campspot markiert, sondern haut uns auch um mit seinen tollen Panoramen über das Tal und seine dramatischen Felsformationen. Die herumtollenden Affen und der wahnsinns Sonnenuntergang runden das Paket ab. Hier zeigt sich für uns zum ersten Mal so richtig, dass Indien nicht nur reich an Kultur, sondern eben auch an schöner Natur ist.

Endlich am Meer

 

So, jetzt aber. Wir wollen endlich ans Meer. 7 Fahrstunden sind es noch und dann haben wir endlich die 1.500 km vom Taj Mahal (bzw. die 2.800 km von Nepal aus) bis zur Westküste Indiens im Süden des Staates Maharashtras geschafft. Doch der erste Strand, den wir anfahren, macht uns irgendwie nicht so richtig glücklich. Ja, hier ist das Meer und ja, hier ist auch ein Strand. Aber als Stellplatz kommt nur der öffentliche Parkplatz im Nadelwald in Frage, an dem zehn mobile Toilettenhäuschen aufgebaut sind, an dem viel Müll rumliegt und an dem unserer Solaranlage keinen Strom produzieren kann. Auch am Strand selbst liegt viel Müll und alles wirkt irgendwie so gar nicht einladend. Wir hatten doch gehört, dass es hier paradisische Strände geben soll. Aber hey, wir haben jetzt ja die Westküste mit ihren unzähligen Stränden auf 1.200 km bis zum südlichsten Punkt Indiens quasi vor uns. Da wird ja wohl ein schöner, verlassener Strand mit einem guten Stellplatz für uns dabei sein, oder?! 🙂

 

Und ja, nur eine halbe Stunde später erreichen wir den Lagoon Beach bzw. Bandwadi Beach. Der kommt unserer Traumvorstellung schon sehr viel näher. Gelber Sand, deutlich weniger Müll, recht klares Wasser und ein Stellplatz, der uns hinter Palmen versteckt, uns nach vorne aber einen tollen Blick auf den Strand und das Meer freigibt. Hier wollen wir jetzt erst mal ein paar Tage bleiben und uns erholen. Tatsächlich stellt sich der Stellplatz als super heraus. Nachts hören wir nur das Rauschen der Wellen und bis auf einen Fischer, der hier morgens und abend seine Netze checkt, sehen wir nahezu keine andere Menschenseele. Von Tag zu Tag kommt die Sonne mehr raus und auch eine große Echse lässt sich vor unserem Camper blicken. Ungefähr so haben wir uns das vorgestellt.

Aber wir glauben, dass da noch mehr geht. Schließlich sind wir ja noch nicht in Goa, was für seine Strände (und seinen Vibe) international bekannt ist. Also fahren wir weiter. Zunächst bis in die Stadt Devgarh, in der wir uns an den schönen Stadtstrand stellen und mit dem dort vorhandenen Mobilfunkempfang ein neues Video hochladen. Für die Nacht (und wie sich dann herausstellt auch für die nächsten Tage) fahren wir dann aber wieder raus aus der Stadt und hin zum Dream Beach bzw. Padavane Beach.

Das ist er, der Traum-Strand den wir uns vorgestellt hatten. Goldener Sand, tiefblaue Wellen, Menschenleere. Wir finden einen tollen Stellplatz knapp 30 m vom Wasser entfernt. Der Untergrund ist hart, sodass wir nicht einsinken. Schräg hinter uns ist eine Plantage mit Mangobäumen. In der Entfernung sehen wir ein altes Fischerboot und ein paar Männer, die Sand auf ihren Pick-Up laden. Ansonsten sind wir hier völlig allein und auch recht weit von der nächsten Siedlung entfernt. In Europa wären an diesem Strand sicher irgendwelche großen Resorts – hier sind wir die einzigen Übernachtungsgäste.

Am dritten Abend kommen zwei nette Inder vorbei, mit denen wir uns länger unterhalten. Der eine arbeitet in der lokalen Passstelle, hat eine Tochter, die in der Schule Deutsch lernt und ärgert sich sehr zu hören, dass unsere Seitenscheibe ausgerechnet in Indien eingeschlagen wurde. Der andere ist 85 Jahre alt, wirkt noch recht fit und kommt seit er denken kann jeden Abend zum Strand, um sich den Sonnenuntergang anzuschauen. Ansonsten lauschen wir den Wellen, schicken die Drohne in die Luft, „backen“ zum ersten Mal Brot in der Pfanne und sitzen abends am selbst-entfachten Lagerfeuer. Das Leben könnte kaum besser sein.

Goas Traumstrände

Aber wir sind hier ja immer noch nicht in Goa und damit noch immer nicht an unserem eigentlichen Zwischenziel angekommen. Also reißen wir uns nach 4 Tagen los und fahren weiter Richtung Süden. Und auch direkt bis in den Süden Goas, denn hier sollen die Strände noch sehr viel weniger touristisch sein als im Resort-bepflasterten Norden. Und der Lovers Beach als Teil des Colva Beaches entäuscht uns nicht. Wir kommen gerade an, als die Sonne beginnt unterzugehen. Zwar sind hier doch verhältnismäßig viele Menschen unterwegs, aber das tut der Schönheit keinen Abbruch. Die Nacht verbringen wir auf einem kleinen Parkplatz 50 m vom Strand entfernt, sodass wir auch am nächsten Morgen gleich wieder schnell am Strand sein können.

Da der Parkplatz nachts beleuchtet ist, scheint es ein beliebter Ort für das abendliche Cricket-Spielen zu sein. Entsprechend werden wir lange wach gehalten und überlegen, für die nächsten Nächte an einen anderen Ort zu fahren. Passend dazu bekommen wir am Morgen per Instagram eine Nachricht von einem jungen Inder, der unseren Camper und den inzwischen im Fenster hängenden QR-Code zu unseren Social Media Profilen entdeckt hat. Er empfiehlt uns einen Stellplatz ein paar hundert Meter weiter südlich, der sowohl sicher, als auch nachts deutlich ruhiger sei. Den wollen wir uns gerne anschauen, fahren aber zunächst zurück in die Stadt, um dort eine Fiat-Werkstatt aufzusuchen.

Man muss ja wirklich sagen, dass unser Camper bisher eine überragende Performance hinlegt. Wir haben ihn in die heißen Wüsten des Iran geschickt, wir sind mit ihm den berüchtigten Pamir Highway gefahren, wir haben ihn Pässe von bis zu 4.700 m hoch geschickt und sind mit ihm Strecken gefahren, für die ein Fiat Ducato eigentlich nicht ausgelegt ist. Und trotz all dieser Strapazen hat unser Camper bisher überhaupt keine Probleme gemacht (ja, ich habe gerade – wie schon so häufig zuvor bei diesem Thema – auf Holz geklopft). Auch jetzt hier in Goa ist alles gut, aber nach nun insgesamt 46.000 gefahrenen Kilometern steht laut Serviceheft die erste Inspektion samt Öl- und Filterwechseln an.

Jetzt ist es so, dass es in ganz Asien lediglich in Indien und im Nahen Osten Fiat-Werkstätten gibt. Theoretisch passt es also ganz gut, dass wir jetzt gerade in Indien sind. Allerdings ist das Modell Ducato in Indien gänzlich unbekannt. Und so machen die Mitarbeiter der Werkstatt riesige Augen, als wir mit unserem Camper vorfahren. Wir hatten bereits im Vorfeld Fiat Professional in Italien als auch Fiat in Indien kontaktiert, um herauszufinden, ob eine Fiat-Werkstatt hier in der Lage sein würde, die erforderlichen Arbeiten an einem Ducato auszuführen. Leider ohne Erfolg. Und so dachten wir uns, dass wir einfach mal zu einer hinfahren. Die netten Leute von MVR Fiat/Jeep Goa sind super nett und sind bereit, sich das Auto anzuschauen. Die benötigten Filter können aber auch sie nicht beschaffen. Für diesen Fall hatten wir uns bereits in Deutschland einen kompletten Satz an Filtern besorgt und eingepackt. Diese verbauen die Jungs nun, tauschen das Motoröl aus und checken anschließend die üblichen Verschleißteile auf ihre Beschaffenheit. Einen Defekt finden sie glücklicherweise nicht. Was sie jedoch nicht machen können, ist sich mit der Elektronik des Fahrzeugs zu verbinden, um so beispielsweise das Serviceintervall zurückzusetzen. Das werden wir wohl erst in Deutschland machen können.

Nach dem erledigten Werkstattbesuch geht’s zurück an den Strand. Dieses Mal zum empfohlenen Platz am Betalbatim Beach. Hier können wir am Rand einer kleinen Straße parken, die zum Strand führt und tagsüber von einigen Badegästen genutzt wird, nachts aber mit Ausnahme der Sicherheitskraft des nebenan liegenden Hotels völlig verwaist ist. Diesen Platz sollten wir nun 9 Tage nicht mehr verlassen. Wir stehen morgens auf, gehen die 50 m zum Strand, nehmen zwei Liegen der Magzika-Strandbar in Beschlag und lassen es uns gut gehen. Wir machen so richtig Urlaub. Das fühlt sich gut an. Tina freundet sich mit einem Hundewelpen an, ich schicke die Drohne in die Luft und abends genießen wir bei stetig tollen Sonnenuntergängen das ausnahmsweise mal nicht selbstgekochte Abendessen. Und an einem Nachmittag sehen wir sogar Delphine vorbei schwimmen! Schön hier!

Hier könnten wir wirklich ewig bleiben. Allerdings hatten wir uns vorgenommen,  Weihnachten im Bundesstaat Kerala etwa 1.000 km südlich von Goa zu verbringen. Goa zu verlassen fällt schwer, aber wir wissen, dass es auch in Kerala wunderschöne Strände gibt. Und so machen wir uns am 21. Dezember letztlich auf den Weg gen Süden. 

Wie uns Weihnachten am Strand gefällt und was wir uns im Anschluss ganz im Nordosten Indiens noch angeschaut haben, berichten wir euch dann im nächsten Blogeintrag. Nun wünschen wir euch erst einmal viel Spaß beim Anschauen des Videozusammenschnitts über unseren Trip durch Maharashtra und Goa.

Beste Grüße aus der Ferne,

Tina & Dirk


One Comment

  • Joachim Denk

    Hallo Ihr Beiden so Eure Erfahrung in Indien, so wirklich überrascht bin ich nicht davon. Ist es richtig das ihr auch nach Singapore fahrt? Ich empfehle den service dort, vielleicht solltet ihr schon mal sofort mit denen Kontakt aufnehmen. Vielleicht haben die eine solche Scheibe vorrätig oder können das besorgen, auch wegen Ersatzfilter. In Singapore ist man wahrscheinlich am besten aufgehoben um solche Problem zu lösen, auch mit dem Zoll. Habt ihr eigentlich eine E-Mail Adresse die ihr regelmässig abruft? Gruss joachim

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