2021,  Europa,  Schweden

Schweden Teil VII – Vildmarksvägen / Wilderness Road / Wildnisstraße

Ein 500 Kilometer langer Roadtrip direkt ins Herz der schwedischen Wildnis: Kommt mit auf unsere Tour über den Vildmarksvägen. Die Wilderness Road / Wildnisstraße in Schweden führt uns zu wunderschönen Wasserfällen, an riesigen Seen entlang, durch die unendliche Weite des schwedischen Hinterlands. Wir erkunden die Vergangenheit und Gegenwart der samischen Kultur, finden herrliche Freistehplätze abseits des Trubels (bzw. auf den Stekenjokk Plateau inmitten dutzender anderer Camper und Wohnmobile) und genießen die Tierwelt dieses nördlichen Teils von Jämtland und Lappland.

Stellplatz Dimforsens

Im heutigen Beitrag dreht sich alles um den Vildmarksvägen – Schwedens höchste, asphaltierte Straße. In der letzten Woche haben wir schon erzählt, dass wir kurz hinter der Stadt Vilhelmina, in der sich der nördliche Startpunkt der Wilderness Road befindet, einen ersten Stellplatz entlang dieser berühmten Straße gefunden haben. Zu dem Zeitpunkt durften wir jedoch die Drohnenaufnahmen, die wir rund um diesen Stellplatz am Rande der Dimforsens Stromschnellen gemacht haben, noch nicht veröffentlichen. Inzwischen sind die Fotos jedoch von der schwedischen Läntmateriet-Behörde freigegeben, daher zeigen wir euch nun gerne, wo wir unseren Camper geparkt haben:

Was meint ihr: schön oder?! 🙂 Dieser Platz reiht sich ein in die, inzwischen sehr lange, Liste an tollen Stellplätzen, auf denen wir hier in Schweden bisher schon übernachtet haben. Und auch wenn uns dieser Stellplatz wieder einmal dazu verleitet, länger bleiben zu wollen (unterstützt auch durch ein nettes, schwedisches Ehepaar, dass wir hier kennenlernen, als sie eines Morgens zum Fischen hier vorbeikommen), ziehen wir nach der zweiten Nacht weiter, um nun so richtig auf den Vildmarksvägen zu starten. Unser erstes Ziel erreichen wir auf ihm bereits nach 15 Minuten.

Trappstegsforsen

Der Trappstegsforsen ist definitiv einer der bekanntesten Wasserfälle Schwedens. Die Übersetzung ins Deutsche („Treppstufenwasserfall“) lässt bereits erahnen, was einen hier erwartet: einen (sehr breiten) Wasserfall, bei dem das Wasser des Kultsjön-Flusses über unzählig vielen Stufen in die Tiefe fließt. Ein schöner Anblick, den man vollkommen ohne Anstrengung genießen kann, denn der Wasserfall liegt direkt neben der Straße und kann von dort bzw. von einem großen Schotterparkplatz am Straßenrand wunderbar besichtigt werden.

Eigentlich hat man nach fünf Minuten alles gesehen, aber wir bleiben trotzdem eine knappe Stunde in der Hoffnung, dass sich die Regenwolken verziehen und die Sonne durchkommt. Und tatsächlich: am Ende kriegen wir noch blauen Himmel zu sehen. Gerne hätten wir auch die Drohne in die Luft geschickt, aber es weht die ganze Zeit ein super starker Wind, sodass wir das lieber nicht riskieren. 😉

Fatmomakke

Unser nächster Stopp entlang des Vildmarksvägen ist an diesem windigen, aber immer noch sehr schönen Tag die Kirchenstadt Fatmomakke, was übersetzt soviel wie „Platz, wo man sich umarmt“ bedeutet. Kirchenstädte gibt es in Schweden an mehreren Orten und in unserem ersten Blogeintrag aus/über Schwedisch Lappland haben wir deren Entstehung schon ein bisschen am Beispiel der Kirchenstadt Gammelstad im Nordosten des Landes erklärt.

Die Kirchenstadt hier, knapp 30 km westlich vom Trappstegsforsen, stammt wohl aus dem späten 18. Jahrhundert und war seit jeher ein Dorf des indigenen Volkes der Samen. Heute kann es als geschütztes Naturdenkmal (kostenfrei) besichtigt werden – und auch heute finden hier noch regelmäßig Gottesdienste und Feste statt. Ehrlicherweise hätten wir Fatmomakke verpasst, wenn uns nicht zwei unserer ZuschauerInnen auf YouTube einen Besuch der Stadt ans Herz gelegt hätten. Vielen Dank für den Tipp – wir fanden es super, sehr interessant und können den kleinen Abstecher dorthin wärmstens empfehlen.

Stekenjokk Plateau

Wer uns schon länger kennt weiß, dass wir in aller Regel versuchen, nächtliche Stellplätze zu finden, an denen wir weit weg von anderen Menschen und bestenfalls allein, umgeben nur von schöner Natur sind. Das klappt aber natürlich nicht immer – und schon gar nicht an Orten, die bei Touristen / Wohnmobilisten sehr beliebt sind. Einer dieser Orte ist auf dem Vildmarksvägen ohne Frage das Stekenjokk Plateau.

Das Plateau liegt auf rund 800 m Höhe und bildet damit den höchsten Punkt der Wilderness Road. Da die Baumgrenze in Nordschweden schon bei rund 700 m liegt, ist man auf dem Stekenjokk Plateau weitestgehend schutzlos den Naturgewalten ausgesetzt. Das merkt man vor allem im Winter, wenn es hier häufig meterhohe Schneeverwehungen gibt. Auch das ist ein Grund dafür, warum dieser Abschnitt der Wilderness Road jährlich nur von Juni bis Oktober geöffnet ist und befahren werden kann.

Als wir am späten Nachmittag auf dem Stekenjokk Plateau ankommen, ist von Schnee zwar wenig zu sehen, aber Weiß ist trotzdem die dominierende Farbe. Denn einerseits ist es super diesig und der Himmel ist voller dichter Wolken; und andererseits stehen wir vor einer Wand von Wohnmobilen. Bestimmt 30 Wohnmobile, Campervans und Wohnwagen stehen bereits in mehreren Reihen auf dem riesigen Schotterparkplatz und buhlen um die beste Aussicht. Aber die ist, wie gesagt, wetterbedingt recht bescheiden. Man kann erahnen, dass es hier bei klarer Sicht vermutlich sehr schön ist – aber so lädt das Wetter eher dazu ein, sich ins Fahrzeuginnere zurückzuziehen und es sich mit einem heißen Tee und einer Decke gemütlich zu machen, während sich draußen stürmische Böhen und Regenschauer abwechseln.

Gaustafallet

Naja, es ist wie es ist. Volle Stellplätze gehören, genauso wie schlechtes Wetter, eben einfach mit dazu. Und wir beschweren uns auch keineswegs – schließlich hatten wir mit beidem in Schweden bisher unsagbar viel Glück. Ein Blick auf den Wetterbericht lässt uns wissen, dass es sich auch nicht lohnt, hier 1-2 Tage auszuharren und auf Besserung zu warten und so machen wir uns am nächsten Morgen direkt wieder auf den Weg (bei gutem Wetter hätte man hier sicher die ein oder andere tolle Wanderung machen können).

Weiter geht es also auf der Wilderness Road in Richtung Süden. Wir sehen mal wieder Rentiere am Straßenrand und halten wenig später an unserem nächsten Ziel an. Der Vildmarksvägen wird ja vor allem damit beworben, dass man auf ihm tief hinein in die weitestgehend unberührte Natur fahren kann und er so einen einfachen Zutritt zu tollen Naturschauspielen ermöglicht. Das wird auch beim Gaustafallet deutlich. Von der kleinen Parkbucht am Straßenrand muss man keine zwei Minuten laufen, um zu einer kleinen Schlucht und dem daraus entspringenden Wasserfall zu kommen.

Wenn euch der Gaustafallet bekannt vorkommt, dann wahrscheinlich aus dem Film Ronja Räubertochter, denn einige Szenen aus dem Film von Astrid Lindgren wurden hier gedreht.

Bjurälvens Naturreservat

Unser nächster Stopp entlang der Wilderness Road ist ein Parkplatz am Bjurälvens Naturreservat, das nur wenige Kilometer von der norwegischen Grenze entfernt liegt. Das Naturreservat ist ein beliebtes Gebiet für Wanderausflüge – zumindest bei guten Wetter. Wir konnten uns an diesem regnerischen Tag ehrlicherweise nur für einen ganz kurzen Spaziergang am See entlang motivieren. Aber wenn ihr mal hier seid, gibt es in diesem 25 Quadratkilometer großen Naturreservat einiges zu sehen – unter anderem einen Fluss, der in großen Teilen unterirdisch verläuft.

Hällingsafallet

Wir folgen der norwegischen Grenze weiter in Richtung Süden und biegen im kleinen Ort Gäddede wieder langsam in Richtung Landesinnere ab. Hier verlassen wir den offiziellen Vildmarksvägen für ein paar Kilometer, um zum sehenswerten Hällingsafallet zu gelangen. Rund 30 km Schotterpiste müssen wir dafür bewältigen, aber die ist wirklich gut zu befahren (auch wenn wir davon gehört haben, dass die örtliche Reifenwerkstatt hier wohl regelmäßig viele Wohnmobil-Kunden hat).

Beim Hällingsfället handelt es sich, wie die meisten von euch vermutlich schon am Namen erkannt haben, wieder einmal um einen Wasserfall. 43 Meter stürzen hier die Wassermassen in die Tiefe und drängen sich dann in einen engen Canyon, der mit 800 Metern Länge Europas längste mit Wasser gefüllte Schlucht bildet. Wenn die Sonne richtig steht und der Fluss viel Wasser führt, entsteht durch den Wassernebel über der Schlucht häufig ein doppelter Regenbogen.

Das Areal kann, wie für Schweden beinahe üblich, über gut ausgebaute Wege – in Teilen wieder einmal barrierefrei – erkundet werden. Picknicktische und Grillstellen laden zum Verweilen ein. Und das alles bei dieser Aussicht:

Stellplatzsuche mit Happy End

Im Anschluss an den Besuch des Hällingsafallet heißt es wieder einmal: Stellplatzsuche. Und erneut gestaltet sich das schwieriger als sonst. Wir sind eben noch immer auf dem Vildmarksvägen und hier ist einfach mehr los, als an der Ostküste und im Norden, wo wir bisher hauptsächlich waren.

Und so kommt es, dass wir mehrere potenzielle Stellplätze anfahren, dort jedoch immer schon so viele Camper stehen, dass wir uns kaum mehr dazustellen können oder wollen. Aber Schweden wäre nicht Schweden, wenn es nicht doch noch tolle Möglichkeiten gäbe. Wir schließen also die App park4night und scannen stattdessen per Google Maps-Satellitenansicht die Umgebung. Wir finden in der Umgebung mehrere Waldwege, die vielversprechend in die Nähe eines großen Sees führen. Und schon der erste dieser Wege führt uns nach wenigen Minuten zu einem tollen Stellplatz. Zwar nicht direkt am Wasser, dafür aber mit einer herrlichen Aussicht und mit genügend herumliegenden Ästen, um wieder einmal ein Lagerfeuer zu machen. Ach Schweden.❤️

Achso, auf dem Weg vom Hällingsafallet zurück zum offiziellen Vildmarksvägen haben wir übrigens auch mal wieder unsere Drohne rausgeholt und konnten ein paar tolle Aufnahmen machen, wie ich finde. 🙂

Am Ende nochmal hoch hinaus

Der Vildmarksvägen liegt nun also hinter uns. Und obwohl wir leider nicht ganz so viel Glück mit dem Wetter hatten, steht für uns fest: wer mit einem Fahrzeug auch nur im Entferntesten in diesem Teil Schwedens unterwegs ist und Freude an weitestgehend unberührter Natur hat, der darf diese Straße eigentlich nicht verpassen.

Und wer mag, dem sei eine weitere schöne Straße Schwedens ans Herz gelegt, die wir direkt hinten dran gehängt haben: den Flatruetvägen. Mit einer Höhe von 975 m ist der Flatruetvägen die höchste Passstraße Schwedens. Sie ist nicht mehr Teil der Wilderness Road, sondern liegt rund 200 km weiter südlich ebenfalls in der Nähe der norwegischen Grenze. Im Gegensatz zum Vilmarksvägen ist sie nicht asphaltiert, aber trotzdem super gut zu befahren und definitiv einen Abstecher wert, finden wir.

Hier beenden wir nun den heutigen Blogeintrag. Wir hoffen, ihr hattet ein bisschen Freude beim Lesen und Bilder-Schauen. Vielleicht haben wir es ja geschafft, euch den Vildmarksvägen etwas näherzubringen und euch – wenn ihr es nicht eh schon wart – dazu zu motivieren, ihn irgendwann einmal selbst zu befahren.

Wenn ihr noch mehr Eindrücke davon sehen wollt, seid ihr herzlich eingeladen, euch nun auch noch das folgende Video anzuschauen, in dem wir unsere Eindrücke wieder einmal auch auf filmische Weise festgehalten haben.

Wir wünschen euch viel Spaß dabei und senden euch liebe Grüße aus der Ferne!
Tina & Dirk

3 Kommentare

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.