2021,  Europa,  Schweden

Schweden Teil II – Öland & Store Mosse Nationalpark

Nachdem wir euch im letzten Blogeintrag von unserer An-/Einreise und unseren ersten Tagen in Schweden berichtet haben, geht es jetzt so richtig los. Im heutigen Beitrag fahren wir auf die zweitgrößte Insel Schwedens, erkunden unseren ersten Nationalpark und finden anschließend wieder einmal einen traumhaften Freistehplatz an einem der vielen Seen. Es gibt aber auch zu sehen/lesen, wie Tina das erste Mal unseren Campervan fährt, dass Tanken in Schweden ein teures Vergnügen ist und was wir so machen, wenn es mal einen Tag lang regnet. Viel Spaß!

Ab auf die Insel Öland

Es ist Freitag, der 11. Juni 2021. Vier Nächte waren wir jetzt an „unserem“ Stellplatz auf der kleinen Insel Sturkö im Südosten Schwedens. Wir haben hier zwei Videos produziert – vor allem aber auch die herrliche Aussicht, die tolle Natur und die beruhigende Stille genossen. Ein wirklich traumhafter Stellplatz, den wir uns viel besser nicht hätten ausdenken können! Für alle, die unseren letzten Blogeintrag nicht gelesen haben (oder auch einfach so als kleiner Reminder) hier nochmal ein paar Fotos davon:

Nun heißt es aber Abschied nehmen und weiterziehen. Unser Ziel ist die Insel Öland, rund 100 km weiter nordöstlich. Öland ist nach Gotland die zweitgrößte Insel Schwedens und im Grunde ein langer Streifen (137 km lang und maximal 16 km breit). Über die 6 km lange Ölandbrücke ist sie mit dem Festland verbunden.

Bevor wir jedoch dort rüber fahren, müssen/wollen wir erst noch unsere Wasservorräte auffüllen und unsere Toilette leeren. Frischwasser finden wir schnell an der nächsten Tankstelle. Noch immer haben wir keinen Schlauch dabei und so muss wieder mal unsere Lösung aus Eimer und Trichter zum Einsatz kommen. Eigentlich hätte auf dieser Reise schon ein Wasserschlauch zum einfacheren Befüllen mit an Bord sein sollen (in Verbindung mit einem tollen Wasserfiltersystem), jedoch konnte das System nicht mehr rechtzeitig bis zu unserer Abfahrt geliefert werden. Daher behelfen wir uns zunächst weiter mit unserer Eimer-Trichter-Lösung, was nicht schlimm ist, denn so haben wir es ja schließlich die letzten drei Jahre auch schon gemacht. 😉

Das Auslehren der Toilette ist ebenfalls schnell und einfach erledigt – viel einfacherer und schneller, als bisher immer. Denn Dank unserer neuen Trockentrenntoilette (wir haben hier davon berichtet) sind wir nun nicht mehr auf klassische Entsorgungsstationen angewiesen, sondern können unseren Feststoff kurzerhand im Müll (Mülltonnen und Container findet man hier in Schweden vielerorts problemlos) und den Urinbehälter in jeder öffentlichen Toilette (ebenfalls flächendeckend verfügbar) entsorgen. Wir können es nicht oft genug sagen: das einzige, was wir am Wechsel auf die Trockentrenntoilette bereuen, ist, es nicht schon viel früher gemacht zu haben.

Jetzt aber ab auf die Insel. Öland ist – neben seiner endlos langen Küsten, der landwirtschaftlichen Nutzung sowie den Naturreservaten und Vogelschutzgebieten – vor allem für seine Windmühlen bekannt. Rund 400 von einst über 2.000 gibt es hier heute noch. Im 19. Jahrhundert hatte sich der Besitz einer Mühle zum bäuerlichen Statussymbol entwickelt und nahezu jeder Hof baute sich eine, die dann ausschließlich für den Eigenbedarf bestimmt war.
Die 400 verbliebenen Mühlen werden heute geschützt und prägen das Landschaftsbild Ölands merklich und so fahren wir an vielen vorbei, als wir uns unseren Weg in Richtung Norden bahnen.

Wir halten uns dabei zunächst an die Westküste Ölands, da uns ein Stellplatz an der Küste hier ermöglichen würde, nach langer Zeit mal wieder einen Sonnenuntergang über dem Meer zu sehen. Das wäre doch schön. 🙂 Wir fahren auf einer kleinen Straße die Küste entlang und sehen dort immer mal wieder kleine Einbuchtungen, auf denen bereits Camper stehen. Man merkt, das Wochenende steht vor der Tür (und die Hauptsaison). Nachdem wir auf unserem Weg Richtung Norden an fünf oder sechs solcher Plätze vorbeigefahren sind, kommen wir schließlich zu einem, wo noch niemand steht. Perfekt.

Wir stehen hier ein paar hundert Meter neben dem verlassenen Fischerdorf Bruddesta. Die Siedlung, die aus 9 historischen Hütten besteht, steht seit Jahrzehnten leer und seit 1985 unter Denkmalschutz. Heute kann es als eine Art offenes Freilichtmuseum besichtigt werden. Es gibt zwar nur eine einzige Infotafel und die ist leider ausschließlich auf Schwedisch, aber Wikipedia hat uns verraten, dass wir hier neben den Reet-gedeckten Häusern auch ein historisches Boot, Bootsanleger, und einen Kalkbrennofen sehen, wie sie es hier in der Region früher vielerorts gab.

Ab und zu kommen Menschen vorbei, um sich das Dorf anzuschauen oder ein paar Meter am Strand spazieren zu gehen, aber abgesehen davon ist es sehr ruhig hier. Der Strand lädt nicht wirklich zum Schwimmen und Sonnenbaden ein, da er hauptsächlich aus Steinen besteht, aber die Aussicht ist dennoch klasse und wir freuen uns nicht nur über den Stellplatz, sondern auch über den nahenden Sonnenuntergang (der hier gerade erst gegen 22 Uhr beginnt, denn die Tage im sommerlichen Schweden sind ja bekanntlich sehr lang).

Die nächsten zwei Tage sind recht regnerisch, sodass wir uns hauptsächlich ins Innere unseres Campers zurückziehen. Wir arbeiten am nächsten Video, sortieren Fotos, schreiben Texte und lassen die Abende vor unserem neuen Fernseher ausklingen. Bisher haben wir Filme und Serien immer auf Tinas iPad angeschaut. Und das ging auch gut, aber auf einem richtigen Fernseher geht das natürlich besser. Auch mit Blick auf die inzwischen begonnene Fußball-EM. 🙂

Nach den zwei entspannten Tagen ziehen wir weiter – wir wollen noch ein bisschen was von Öland sehen. Wir fahren erst noch ein Stück die Westküste weiter in Richtung Norden und dann in einem Bogen die gesamte Ostküste der Insel entlang bis an den südlichsten Zipfel. Dabei fahren wir im Grunde die gesamte Zeit durch eine sehr landwirtschaftlich geprägte Natur – Felder, Wiesen, immer mal wieder kleine Dörfer und natürlich zahlreiche Windmühlen. An der Südspitze Ölands besuchen wir dann noch das Naturreservat Ottenby, in dem es nicht nur einen großen Leuchtturm, sondern vor allem unzählige Vogelarten zu bestaunen gibt. Auch Robben soll man hier sehen können. Das Glück hatten wir leider nicht – und da uns der Wind um die Ohren pfiff und wir auch kein gutes Fernglas haben, ziehen wir nach einer kurzen Runde bereits wieder weiter.

Bevor wir den Absatz zu Öland jedoch beenden, gibt es noch eine freudige Neuigkeit zu berichten: Tina hat sich endlich getraut, unseren Camper zu fahren! Zwar hat Tina einen Führerschein, jedoch war ihr der große Ducato seit jeher nicht ganz geheuer. Hier auf den kleinen Küstenstraße ohne viel Verkehr hat sie sich jedoch ein Herz genommen und ist nach Jahren ohne Autofahren wieder ihre ersten Kilometer gefahren – und dabei hat sie sich sehr gut geschlagen, finde ich!

Store Mosse Nationalpark

Wir entschieden uns dazu, das Meer erst einmal im Rückspiegel unseres Ducatos zu lassen und nun das Landesinnere zu erkunden. Über die Ölandbrücke fahren wir zurück aufs Festland und steuern den Store Mosse Nationalpark an, der rund 200 km nordwestlich von Öland unterhalb der großen Seen Schwedens liegt. Bevor wir ins spärlich besiedelte Landesinnere fahren, füllen wir unsere Lebensmittelvorräte noch einmal auf. Das erste Mal Einkaufen in Schweden. Wird es so teuer, wie man es immer wieder hört? Wir finden nicht. Okay, das könnte daran liegen, das wir extra in einen Lidl fahren und keinen Delikatessen-Laden ansteuern. Aber wir mögen Lidl und finden, dass die Preise im Schnitt zwar definitiv etwas teurer sind, wir uns jetzt aber auch keine Sorgen machen müssen, in den nächsten Wochen hier zu verhungern. Ich schätze, dass die Preise für Lebensmittel vielleicht etwa 20% teurer sind, als in Deutschland. Und zum viel zitierten Alkohol: wir haben keinen gekauft, aber zumindest mal nach Bier Ausschau gehalten. Ein 6er-Träger Dosen Carlsberg 0,5l hätte umgerechnet etwa 6 € gekostet – das finde ich jetzt nicht übermäßig teuer.

Nach dem Lebensmitteleinkauf müssen wir auch noch tanken – und das ist dann definitiv merklich teurer als in Deutschland. Ich weiß, dass die tollen Preise von 99 Cent pro Liter Diesel, wie wir sie letztes Jahr im Oktober noch in Deutschland hatten, inzwischen auch nicht mehr gelten, aber die 1,62 €, die wir hier in Schweden nun pro Liter zahlen, sind dann doch definitiv eine andere Liga. Aber es hilft ja nichts. Die Tankfüllung macht uns 125 € ärmer, aber dafür können wir damit nun wieder rund 1.000 km durchs schöne Schweden fahren. 🙂

Als wir am Store Mosse Nationalpark ankommen, ist es bereits früher Abend. Direkt am Haupteingang des Nationalparks gibt es tollerweise einen kleinen, offiziellen (und dennoch kostenlosen) Stellplatz für Camper. Hier stehen auch bereits 6 Fahrzeuge, aber trotzdem ist ausreichend Platz, sodass etwas Privatsphäre gewahrt bleibt. Es regnet leider ein bisschen (und auch am nächsten Tag soll nicht ganz so gutes Wetter werden), sodass wir uns dazu entschieden, unsere geplante Wanderung noch einen Tag nach hinten zu verschieben, und den Tag dafür zu nutzen, um zu arbeiten – und um abends das erste Deutschlandspiel der Fußball-EM zu schauen. 🙂

So, dann jetzt aber. Im Nationalpark gibt es unterschiedliche Wanderwege. Wir entscheiden uns dazu, den längsten der Wege, einmal rund um den See, in Angriff zu nehmen. 12 km ist die sogenannte „Kävsjön Runt“ lang und soll in knapp 4 Stunden zu bewältigen sein. Der gut ausgeschilderte Weg führt durch dichte Fichtenwälder und in großen Teilen über schmale Holzplanken durch das riesige Moorgebiet (Store Mosse = Das große Moor). Wir hören und sehen viele Vögel, genießen die Stille und den Geruch der Natur, erhaschen immer mal wieder einen Blick auf den großen See und genießen die Wanderung sehr.

Unterwegs gibt es keine klassisch spektakulären Aussichten – das Gebiet besticht vielmehr durch seine Weite und Unberührtheit (Vogel- und Pflanzeninteressierte würden sicher noch eine ganze Reihe anderer Gründe aufzählen, hierher zu kommen). Würden wir empfehlen, sich den Nationalpark anzuschauen, wenn man in Südschweden unterwegs ist? Absolut!

Traumhafter Stellplatz am See

Wer an einen Roadtrip mit dem Camper durch Schweden denkt, wird zusammen mit Schwedenhäusern und den typischen blau-gelben Flaggen davor vermutlich auch rasch ein Bild von einem Camper, der an einem idyllischen See geparkt ist, im Kopf haben – für uns ist das zumindest Schweden pur. Und wir haben immer gehofft, einen solchen Stellplatz früher oder später in Schweden zu finden. Als wir uns am Nachmittag nach unserer Wanderung auf den Weg weiter in Richtung Norden machen, wissen wir noch nicht, dass unser Wunsch bereits an diesem Tag in Erfüllung gehen würde.

Nur wenige Kilometer nördlich vom Store Mosse Nationalpark biegen wir in einen Waldweg ein. Vögelchen hatten uns gezwitschert, dass es in diesem Wald ein paar kleine Seen und an diesen Seen ein paar schöne Stellplätze geben soll. Kurz darauf parken wir unseren Van hier:

Ein absoluter Traum. Einfach zu erreichen, mitten im Wald, direkt an einem See – und dann sogar noch mit einem kleinen Steg/Pier. Sehr viel schöner hätten wir uns das nicht ausmalen können. Ach, Schweden! 🙂

Hier könnten wir ewig bleiben. Zumindest, wenn die Mücken nicht wären. Denn die sind, wie man es aus Schweden kennt, allgegenwärtig. Bisher hatten wir damit noch kaum Probleme – sicher auch, da wir bisher häufig in Meeresnähe übernachtet haben, wo es ja in der Regel etwas windiger ist. Hier im Landesinneren, windgeschützt durch den Wald und eben direkt am Wasser, gibt es aber kein Entkommen mehr: in großen Schwärmen umzingeln die Mücken abends unseren Camper. Während man tagsüber noch problemlos draußen sitzen kann, verziehen wir uns abends konsequent nach drinnen und versuchen alle Fenster und Türen geschlossen zu halten. Trotzdem schaffen es die kleinen Biester immer mal wieder reinzukommen und rauben uns dann Nachts gerne mal den Schlaf.

Naja, beim heißen Kaffee am nächsten Morgen ist der Ärger darüber dann aber auch schnell wieder vergessen. =)

210616-18_Vaggeryd Ö_016

Und damit kommen wir auch schon zum Ende des heutigen Blogeintrags. Wer noch mehr sehen will, der ist herzlich eingeladen, sich noch das folgende Video anzuschauen, in dem wir unsere Erlebnisse auch filmisch noch einmal festgehalten haben. 🙂

In der nächsten Woche erzählen wir euch dann, warum wir diesen traumhaften Stellplatz nach der zweiten Nacht blitzartig verlassen mussten und wo es uns danach so hin verschlagen hat.

Bis es soweit ist senden wir euch viele liebe Grüße aus der Ferne,
Dirk & Tina

3 Kommentare

  • Michael

    Hallo Ihr Beiden!
    …gehe ich Recht in der Annahme, dass Ihr bewusst keine Koordinaten veröffentlicht?
    (oder hab ich Blindfisch das übersehen…?)
    Den ein oder anderen Stellplatz würde ich gerne im Juli/August testen…
    Weiter „Gute Reie“ und vielen, vielen Dank für Eure tollen Videos!
    VG
    Micha

    • Let's get otter here

      Hallo Michael,

      lieben Dank für das Lob! Ja, das ist richtig, wir veröffentlichen keine Koordinaten. Alle unsere Stellplätze kommen aber von park4night und sind dort sicher auch mit nicht allzu großem Aufwand zu finden. 🙂

      Liebe Grüße aus Schweden

      Tina und Dirk

  • Kerstin

    Hallo ihr zwei,
    mit großer Freude verfolgen wir eure Videos über Schweden, da wir in knapp zwei Wochen ebenfalls dorthin fahren. Mir fehlt jetzt allerdings eine wichtige Info: Wo entsorgt ihr euer Brauchwasser und den Pipitank? Dass so etwas nicht unbedingt bei YouTube auftaucht, kann ich schon verstehen, aber wir haben ein altes Wohnmobil mit Kassettentoilette und sind bisher hauptsächlich auf Campingplätzen unterwegs gewesen, so dass wir da immer versorgt (besser gesagt entsorgt) gewesen sind. Gibt es in Schweden offizielle Stellplätze incl. Entsorgung? Oder muss man dafür dann doch einen Campingplatz anlaufen?
    Liebe Grüße und noch einen schönen Urlaub wünscht
    Kerstin

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.