2021,  Europa,  Griechenland

Griechenland – Peloponnes Teil IX: Mani – Geheimtipp im Süden Griechenlands

Das hier ist Teil II unserer Erkundungstour über die Mani. Nachdem wir im letzten Blogeintrag davon berichtet haben, was wir an der Westküste des mittleren „Fingers“ der Peloponnes so alles gesehen haben, nehmen wir euch dieses Mal mit in den äußersten Süden der Halbinsel sowie die malerische Ostküste entlang. Im Zentrum stehen traumhaft schöne Buchten, verlassene Dörfer, saftig grüne Hügellandschaften und ein äußerst fotogenes Schiffswrack. Viel Spaß!

Vom Blumenmeer in die verlassene Stadt

Es ist Sonntag, der 11. April 2021. Glücklich und ein wenig verschwitzt kommen wir zurück an unserem Camper an. Wir waren gerade zu einer Burgruine gewandert, die sich am Ende der Landzunge hier befindet. Ein wirklich schöner, kurzweiliger Ausflug in die frühlingshafte Natur (wir haben im letzten Blogeintrag davon berichtet). Unser Camper steht noch immer dort, wo wir ihn vor gut 1,5 Stunden abgestellt haben – inmitten eines blühenden Blumenmeeres auf dem kleinen Parkplatz etwas oberhalb der steil abfallenden Klippen. Hier hatten wir auch bereits die letzte Nach verbracht.

Nach einer kurzen Erfrischungspause verstauen wir unsere sieben Sachen und machen uns auf den Weg. Wir wollen weiter in den Süden fahren und dort letztlich bis an den südlichsten Punkt der Mani-Halbinsel laufen. Aber das erst morgen, denn vorher stehen noch zwei kleine Stopps an.

Der erste in Yerolimin/Gerolimenas, einem kleinen, abgelegenen Fischerdorf an der Westküste. Das Dorf liegt am Rande einer kleinen Bucht, dessen türkisblau-durchsichtiges Wasser in einem schmalen Kiesstrand mündet. Das Dorf selbst ist zwar schön anzuschauen, bietet aber bis auf einen Wanderweg, der die Steilküste hinaufführt, keine für uns klar ersichtlichen Aktivitäten. Man kann hier sicher gut in einer Taverne sitzen und frisch gefangenen Fisch oder andere griechische Spezialitäten essen, aber solange wegen Corona solche Lokale geschlossen sind, geht das natürlich nicht.

Bleibt uns also der Wanderweg. Aber mhh, wir haben heute schon eine Wanderung hinter uns und nicht wirklich Lust, jetzt auch noch die steile Klippe hoch zu laufen. Außerdem haben wir bei der Abfahrt ins Dorf eine Straße gesehen, die bis an den höchsten Punkt eben dieser Klippe zu führen scheint. Fahren wir doch also da erst einmal hoch und schauen, welcher Ausblick uns von dort erwartet. Schnell ist klar: kein so wirklich spektakulärer Ausblick, denn die Straße verläuft, wie sich dann herausstellt, doch etwas zu sehr im Landesinneren, sodass wir nicht hinunter ins Dorf und in die Bucht schauen können. Was ein Glück, dass wir unsere Drohne dabei haben. Die schicken wir kurzerhand los und als sie zurück kommt, hat sie unter anderem diese Bilder auf ihrer SD-Karte abgespeichert: 🙂

Auf zum nächsten Ziel. Das dauert nicht lang, denn die Distanzen auf der Mani sind alle recht kurz. Nur 9,5 km liegen zwischen Gerolimenas und Vathia. In Vathia wollen wir einerseits die vermeintlich wundervolle Aussicht genießen und andererseits übernachten – auf einem Basketballfeld. Ähm, was?

Ja, ihr habt richtig gelesen, wir wollen in Vathia auf einem Basketballfeld übernachten. Das kann man dort machen, weil niemand mehr das Spielfeld benutzt. Das wiederum ist so, weil das gesamte Dorf weitestgehend verwaist ist. Warum? Das wissen wir ehrlicherweise nicht. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte es laut Wikipedia noch rund 400 EinwohnerInnen. Heutzutage stehen die meisten der für die Mani so charakteristischen hohen Wohntürme hier leer. Einige wenige wurden zu kleinen Hotels und Pensionen umgewandelt, andere werden zur Zeit restauriert (das gesamte Dorf steht unter Denkmalschutz), aber der Großteil des Dorfes steht leer.

Trotzdem ist Vathia eine der bekanntesten touristischen Anlaufpunkte der gesamten Halbinsel. Und das können wir nachvollziehen, als wir uns dem Dorf nähern und schließlich das Basketballfeld etwas oberhalb von Vathia erreichen. Dort steht zwar bereits ein anderer Camper, was uns dazu verleitet, wieder eine Serpentine hinunter zu fahren und uns am breiten Straßenrand einen Platz für die Nacht zu suchen, aber auch von da ist die Aussicht überragend. Die Wohntürme des Dorfes reihen sich an der Spitze eines Felsvorsprungs auf, stellen an sich schon einen tollen Anblick dar, sind jedoch nur ein Bestandteil des Bildes, das sich uns bietet. Im Vordergrund blühen die Blumen und Sträucher farbenprächtig, im Hintergrund schlängelt sich das tiefblaue Meer von Bucht zu Bucht, der Himmel ist weitestgehend wolkenfrei – ja und dann eben die Wohntürme im Zentrum. Wirklich ein schöner Anblick.

Der zweit-südlichste Punkt Festland-Europas

Das Dorf Vathia und seine Wohntürme werden wir uns am Abend noch einmal etwas genauer anschauen. Jetzt, am Morgen des nächsten Tages, haben wir aber erst einmal ein anderes Ziel. Wir wollen so weit in Richtung Süden fahren, bis es nicht mehr weiter geht. Und dann wollen wir so weit in Richtung Süden laufen, bis es auch zu Fuß nicht mehr weitergeht – zumindest nicht ohne erst einmal schwimmen zu müssen. Dieses Vorhaben ist hier auf der Mani etwas interessanter, als an vielen anderen Orten, denn der südlichste Punkt der Mani ist zugleich der zweit-südlichste Punkt Festland-Europas. Ja, da sind einige Einschränkungen impliziert (Tarifa in Spanien ist noch ein paar Kilometer weiter südlich und ja, Europa erstreckt sich natürlich auch noch auf ein paar Inseln, die weiter südlich liegen), aber irgendwie ist es trotzdem eine nette Sache, diesen Punkt zu erreichen. Die alten Griechen, die in der Antike noch nichts von der Existenz Spaniens wussten, vermuteten an dieser Stelle zudem auch das „Tor des Hades“, den Übergang zur Unterwelt.

Und so fahren wir am Morgen zum südlichsten Parkplatz der Mani. Allein der Weg dorthin ist schon unglaublich schön. Auf den 7 km fahren wir zumeist die Küste mit ihren unzähligen Buchten und Hügeln entlang und können dabei wieder einmal ein Blumenmeer bestaunen. Wir staunen auch nicht schlecht, als wir am Parkplatz bereits einen Ducato-Camper stehen sehen. Natürlich mit deutschem Kennzeichen. Und tatsächlich auch mit „HH-CD-“ – die gleiche Kombination, die auch wir haben.

Die Besitzer des Gefährts treffen wir auf den ersten Metern des Wanderweges, den wir danach völlig für uns alleine haben. Das Wetter ist perfekt – die Sonne scheint, es sind 20° C und am Himmel ist kaum eine Wolke. Auf einem steinigen, aber weitestgehend sehr gut zu belaufenden Weg spazieren wir in Richtung des südlichen Zipfels. Der Weg führt vorbei an zwei malerischen Buchten, dann durch eine grüne Hügellandschaft und an dessen Kammlinie bis zu einem Leuchtturm, den wir nach etwa 35 Minuten erreichen. Hier ist er also, der zweit-südlichste Punkt Festland-Europas, das Kap Tenaro.

Wir genießen die Aussicht, schicken unsere Drohne in die Luft und machen am Leuchtturm eine kurze Pause, während derer wir ein paar Echsen beobachten, wie sie auf den Felsen umherschleichen. Aus dem Inneren des Leuchtturms hören wir dabei Koch-Geräusche und wenig später kommt ein Mann aus einer der Türen heraus. Wir versuchen ihn zu fragen, ob er den Leuchtturm „bediene“, in der Hoffnung etwas darüber zu lernen, scheitern aber leider an der Sprachbarriere.🤷

Dennoch haken wir diesen Ausflug als äußerst gelungen und lohnenswert ab. Klare Nachmach-Empfehlung.

Auf dem Rückweg zum Camper reift in mir eine Idee: ich will ins Wasser springen. Das letzte Mal hatte ich mich bei den Neda-Wasserfällen (Griechenland – Peloponnes Teil V: Neda-Wasserfälle und neue Action-Cam) ins (noch) sehr kühle Nass getraut. Aber das ist jetzt auch schon wieder fünf Wochen her und vielleicht hat das Wasser ja inzwischen eine angenehmere Temperatur. Ich schnappe mir also meine Badehose, laufe die paar Meter zur ersten Bucht zurück und starte den Versuch. Ergebnis: wow, immer noch mega kalt! Aber ebenso schön. Fotos davon haben wir nicht, aber im Video unten gibt’s ein paar Sequenzen davon zu sehen.

Wir entspannen danach noch ein bisschen am Ufer in der Sonne und genießen das Wetter und unser Leben – wir haben es wirklich gut! Und auch der Rückweg vom Parkplatz zum Übernachtungs-Stellplatz in Vathia zeigt dann anschließend noch einmal, dass sich ein Besuch der Mani aus unserer Sicht definitiv lohnt.

Vathia die Zweite

Zu Beginn des letzten Abschnitts hatte ich angekündigt, dass wir uns das Dorf Vathia mit seinen größtenteils verlassenen Wohntürmen am Abend noch einmal etwas genauer anschauen würden. Und das haben wir dann auch gemacht. Es textlich weiter zu beschreiben, macht hier jetzt glaube ich wenig Sinn (auch, weil wir nicht wirklich viel über die Geschichte des Dorfes wissen), aber ein paar Bilder davon wollen wir euch dann doch noch zeigen. Allein schon, weil wir dieses Mal einen Stellplatz auf dem Basketballfeld ergattern konnten und von dort zwei wahnsinnig tolle Sonnenuntergänge genießen durften (wir sind dann noch einen weiteren Tag geblieben, um mal wieder Fotos und Videos zu sortieren).

Die Ostküste der Mani im Schnelldurchlauf

So, nachdem wir nun die Westküste und den Süden der Mani ausgiebig erkundet haben, steht noch die Ostküste aus. Hier wollen wir allerdings ein bisschen flotter unterwegs sein – auch weil sich unsere Zeit in Griechenland laaaangsam dem Ende zu neigt. Genau genommen haben wir uns für die Westküste der Mani exakt einen Tag vorgenommen.

Der Tag beginnt mit einer unerwarteten Offroad-Tour. Google schlägt uns für den Weg von Vathia hin zu unserem ersten Ziel an der Ostküste zwei alternative Routen vor. Wir entscheiden uns für die, die einen kleinen Bogen in Richtung Süden macht statt für die etwas schnellere, die allerdings über eine Straße führt, über die wir schon auf dem Hinweg gefahren sind. Nach rund zwei Minuten stellen wir fest, dass diese Route offensichtlich über eine schmale, nur in Teilen asphaltierte Straße über einen Berg führt.

Wir sagen uns: ach komm, wir fahren hier erst einmal weiter – wir können ja immer noch umdrehen, wenn es ZU steil, ZU schmal oder ZU holprig werden sollte. In den nächsten 10 Minuten fahren wir Serpentine für Serpentine weiter den kleinen Berg hinauf. Hinter jeder Kurve erwartet uns erneut ein schöner Ausblick und unsere Einschätzung, dass wir es wohl bis ganz nach oben schaffen, ändert sich nicht – schließlich sind wir mindestens mal in Tadschikistan, Kirgisistan, Indien und Pakistan schlimmere Straßen entlang gefahren. 😉

Tatsächlich erreichen wir kurze Zeit später eine kleine Siedlung am höchsten Punkt und von dort aus führt dann auch wieder eine gute, asphaltierte Straße den Berg hinab. Von hier erhaschen wir den ersten Blick auf die lange Ostküste der Mani. Erste Einschätzung: schön hier!

Wir fahren hinunter zum Wasser, steuern einige kleine Buchten an, durchfahren kleine Dörfer, lassen zwischendurch mal unsere Drohne steigen und genießen ganz generell die schöne Landschaft. Besonders in Erinnerung bleiben uns dabei die beiden Orte Chalikia Vata und Kotronas. Ersterer, da wir dort einen super süßen Hund streicheln, der in einem Garten an der Zuwegung zum Strand eingezäunt ist. Letzterer, da dort eine der Küste vorgelagerte Insel durch einen schmalen Strand mit dem Festland verbunden ist und so eine äußerst fotogene Doppel-Bucht entsteht.

Dimitrios Schiffswrack in Gythio

Kommen wir zu unserem letzten Stopp auf der Mani. Gut 5 km nördlich von Gythio liegt seit 40 Jahren ein Schiffswrack am Strand. Das 67 m lange Frachtschiff Dimitrios lag im Hafen von Gythio, als es sich im Jahr 1981 bei einem Sturm losriss und wenige Kilometer weiter nördlich strandete. Seitdem liegt es hier und rostet vor sich hin. Warum sich in den vergangenen 40 Jahren niemand darum gekümmert hat, ist uns ein Rätsel. Ein spannendes Fotomotiv ist es aber in jedem Fall!

Mit diesen Eindrücken beenden wir nicht nur unseren Roadtrip über die wunderschöne Mani-Halbinsel, sondern auch diesen Blogeintrag. Wie immer haben wir ein Video erstellt, in dem wir euch noch einmal mit bewegten Bildern auf die gleiche Reise nehmen. Wir finden, Anschauen lohnt sich. 🙂

In der nächsten Woche werden wir euch dann an dieser Stelle mit auf den dritten „Finger“ der Peloponnes mitnehmen.

Bis es soweit ist senden wir euch beste Grüße aus der Ferne und wünschen euch nun viel Spaß beim Anschauen des Videos. 

Tina & Dirk

Link zu YouTube: https://youtu.be/WVG0404aj9Y

3 Kommentare

  • Reinhard

    Hallo Ihr Beiden, es sind immer wieder super schöne Aufnahmen und ihr seid in den 2 Jahren richtig professionell geworden, besonders im Umgang mit der Drohne, aber auch die Viedeos und die passenden Musik.
    Ich freue mich auch immer, wenn ihr in euren Videos nicht nur Landschaften ( sind schon Klasse) habt, sondern auch immer wieder etwas persönliches von Euch zeigt, z.B. wo kauft ihr ein, wechsel der Gasflaschen, tanken, Reparaturen etc. Es mag für Euch banal klingen, aber das rundet das Bild ab.
    Eine Frage habe ich noch, warum fährt Tina nie den Fiat?
    Viel Spaß noch

    • Let's get otter here

      Hallo Reinhard,

      danke für das Lob und das Feedback! 🙂

      Tina hat zwar einen Führerschein, aber durch das Leben in der Großstadt mit gutem ÖPNV die letzten 15 Jahre kein Auto gefahren.

      Liebe Grüße aus Griechenland 🙂

      Tina und Dirk

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