Asien,  Turkmenistan,  Usbekistan

#7 Turkmenistan & Usbekistan

Über 100 Tage sind wir jetzt bereits unterwegs und haben mit den sogenannten „Stan“-Ländern inzwischen Zentral-Asien erreicht. Die „Stan“-Länder sind eine Gruppe von Staaten, die sich alle die gleiche Endsilbe teilen: Afghanistan, Kasachstan, Kirgisistan, Pakistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan. Mit Ausnahme von Afghanistan wollen wir all diese Länder im Rahmen dieses Trips bereisen (Kasachstan erst auf unserem Rückweg). Die ersten beiden haben wir in den vergangenen zwei Wochen nun bereits durchquert: Turkmenistan und Usbekistan.

Wer oben auf die Karte schaut wird feststellen, dass Turkmenistan und Usbekistan, wie große Teile des Iran, hauptsächlich aus Wüste bestehen. Und da Wüste irgendwann dann doch recht eintönig wird, wundert es wahrscheinlich kaum, dass wir uns in Turkmenistan und Usbekistan hauptsächlich die Städte angeschaut haben (mit einer kleinen, aber sehr skurrilen Ausnahme – wir berichten weiter unten davon). Und auch wenn wir Natur häufig cooler finden als Städte, so müssen wir uns doch eingestehen, dass die Städte in diesen beiden Ländern wirklich einiges zu bieten haben. Schaut euch gerne an, was wir so erlebt haben.

TURKMENISTAN

Seid ehrlich: Wer von euch hätte vor dem Blick auf die Karte oben Turkmenistan auf dem Globus verorten können? Wahrscheinlich die wenigsten. Wir für unseren Teil wussten zumindest wenig bis nichts über das Land, bevor wir angefangen haben, über unsere Tour nachzudenken. Und das verwundert nicht, denn Turkmenistan ist neben Nordkorea eines der abgeschottetsten Länder der Welt.

Die Regierung Turkmenistans und allen voran der autoritär regierende Präsident Gurbanguly Berdimuhamedow verfolgen eine äußerst einschränkende Informationspolitik. Alle inländischen Medien sind staatlich gelenkt, enorm viele Webseiten werden blockiert und kritischen Stimmen wird mit äußerst harter Hand begegnet. Wir sind natürlich weder in der Lage noch an dieser Stelle gewillt, das politische System und die sozialen Gegebenheiten umfassend zu analysieren oder wiederzugeben. Jedoch lehnen wir uns sicher nicht zu weit aus dem Fenster, wenn wir sagen: Turkmenistan ist wohl nicht das angenehmste Land, in dem man so leben kann.

Dabei ist Turkmenistan ein sehr reiches Land. Es verfügt über enorm große Erdöl- und Erdgasreserven. Die Bevölkerung profitiert jedoch nur sehr wenig von diesem Wohlstand – vielmehr wird das Geld hauptsächlich dafür verwendet, die riesige Propagandamaschine aufrecht zu erhalten. Das sieht man vor allem in der Hauptstadt Ashgabat, zu der wir gleich noch kommen, da sie unser erster Halt im Land war.

Zuvor wollen wir jedoch noch erwähnen, dass wir uns glücklich schätzen können, Turkmenistan überhaupt auf (einigermaßen) eigene Faust bereist haben zu dürfen. Denn Visa werden in der Regel nur an Touristen vergeben, die eine geführte Tour gebucht haben und auf dieser stets von Guides begleitet werden. Wir hingegen konnten ohne Guide und mit dem eigenen Auto durch das Land fahren. So ganz frei waren wir dann aber auch nicht: Unsere Transit-Visa waren gültig für maximal 5 Tage, wir mussten an vorher definierten Grenzen ein- und ausreisen, einer vorher (von uns) definierten Route durchs Land folgen und mussten dabei stets einen staatlichen GPS-Tracker im Auto mitführen (der, soviel können wir heute sagen, bei der Ausreise dann aber auch nicht kontrolliert wurde).

Alles in allem aber natürlich immer noch besser, als gar nicht ins Land zu können. Und dieses Schicksal ereilt scheinbar viele: Ein Mitarbeiter der Botschaft des Vatikans in Turkmenistan berichtet uns später bei einem zufälligen Treffen, dass etwa 50% der ca. 2.000-3.000 Leute, die pro Jahr ein Transit-Visum für das Land beantragen, abgelehnt würden. Die Auswahl scheint dabei willkürlich getroffen zu werden und einen Grund für die Absage bekommt man in einem solchen Fall auch nicht genannt.

So viel Negatives es also über Turkmenistan zu berichten gibt, so sehr haben wir uns – bzw. hauptsächlich Tina – dann aber doch über eine Sache gefreut: In Turkmenistan gibt es im Gegensatz zum Iran keine strikte Kleiderordnung und so konnte Tina beim Grenzübergang endlich ihr Kopftuch ablegen.

Grenzübergang

Mit noch aufgesetztem Kopftuch und langen Klamotten machen wir uns am 27. August auf der iranischen Seite auf in Richtung der iranisch-turkmenischen Grenze. Bis wir die Grenze erreichen sehen wir kein einziges turkmenisches Kennzeichen. Das ist im Grenzgebiet äußerst ungewöhnlich und für uns ein erstes Anzeichen für das abgeschottete Leben in Turkmenistan. Unsere Visa für Turkmenistan haben wir leider noch nicht dabei, da das Computersystem des turkmenischen Konsulats in Maschad am Vortag gestreikt hat. Aber man hatte uns versichert, dass es an der Grenze trotzdem zu keinen Problemen kommen würde.

Nervös sind wir trotzdem, denn neben der Visa-Angelegenheit würde noch eine ganze Reihe anderer Sachen an der Grenze auf uns warten: Zunächst die Ausreise aus dem Iran und das erforderliche Ausfüllen des Carnet de Passages (das bei unserer Einreise ja etwa 2 Stunden gedauert hatte) und dann auf turkmenischer Seite ein kurzer Gesundheitscheck, die Desinfektion unseres Autos und vor allem ein X-Ray unseres Autos mit der Gefahr, dass sie unsere in Turkmenistan verbotene Drohne finden würden.

Erstaunlicherweise klappt jedoch alles äußerst reibungslos. Zum Gesundheitscheck und zum Desinfizieren müssen wir gar nicht und statt des angekündigten X-Rays wird unser Camper lediglich von 3 Grenzbeamten durchsucht – und die sind sehr viel mehr damit beschäftigt, über die Einrichtung zu staunen, sich von Dirk unsere Route erklären zu lassen und sich dann selbst mal ans Steuer zu setzen statt das Auto gründlich zu durchsuchen. Am Ende haben sie nicht einmal die Heckklappen aufgemacht. Wir finden’s gut. 🙂

Einziger Wermutstropfen ist, dass wir insgesamt 255,76 € für die Einreise bezahlen müssen (Import Tax, Road Tax, Diesel Tax, Versicherung, Bankgebühren und natürlich die Visa). Ein ganz schöner Happen für nur 5 Tage im Land.

Ashgabat

35 Kilometer hinter der Grenze liegt bereits Ashgabat, die Hauptstadt des Landes. Wir werden sofort erschlagen von modernen achtspurigen Straßen, unzähligen monumentalen Gebäuden aus weißem Marmor, prächtigen Denkmälern und Abbildern des Präsidenten (vornehmlich mit/auf Pferden). Doch alles ist nahezu menschenleer.

Bei den vielen großen Bürogebäuden (natürlich ebenfalls mit Fassaden aus weißem Marmor), auf denen die Logos von Sony, Nestle, Coca Cola oder auch Volkswagen prangern, geht niemand ein und aus. Später bestätigt uns ein zugezogener Botschaftsmitarbeiter unsere Vermutung, dass keine dieser Unternehmen hier ansässig ist und entsprechend auch niemand in diesen Gebäuden arbeitet).

Die Straßen sind wie leer gefegt. Nur wenige Autos fahren umher. Die Autos, die man doch auf den Straßen sieht, sind nahezu alle weiß. Schon im Vorfeld hatten wir gelesen, dass Turkmenistan einen Import-Stop auf dunkle Autos verhängt hat und Fahrer dunkler (oder dreckiger) Autos sehr viel häufiger von der allseits präsenten Polizei angehalten werden. Der Grund für das allseits präsente „Weiß“ soll die Lieblingsfarbe des Präsidenten sein – das hat die Regierung inzwischen jedoch offiziell dementiert.

Zu den imposanten Gebäuden im Stadtbild gehören neben einem Fernsehturm in der Form eines riesigen (weißen) Sterns, einem Flughafenterminal in der Form eines riesigen (weißen) Volgels und einem neu gebauten Olympiastadion unter anderem auch das weltgrößte Indoor-Riesenrad der Welt. Wir kommen aus dem Staunen kaum mehr heraus. Diese Stadt ist absolut skurril! Das Streben nach immer mehr solch Verrückter Bauten hat der Stadt/dem Land/dem Präsidenten inzwischen mehrere Einträge im Guinness-Buch der Rekorde eingebracht. Dieser Seite des aus unserer Sicht mit sehr vielen negativen Attributen behafteten Präsidenten hat vor wenigen Wochen die HBO-Show „Last Week Tonight“ eine herrliche Episode gewidmet.

„Normale“ Infrastruktur, sprich tatsächlich bewohnte Wohnhäuser, Geschäfte, Tankstellen, Kiosks etc., finden wir erst nach längerer Suche und etwas außerhalb des prunkvollen Stadtkerns. Es fällt schnell auf, dass die Menschen hier vor allem im Kontrast zu den Hochglanzbauten in sehr einfachen Verhältnissen wohnen.

Karakum Wüste & Derweze Gas-Krater    

Am nächsten Tag und nach einem kurzen Abstecher auf den Bazaar, auf dem wir mal wieder den Schwarzmarkt zum Geldwechseln nutzen (17 vs. 3,5 Manat pro US-Dollar), verlassen wir die Stadt in Richtung Norden. Die riesigen, modernen Straßen werden schnell schmaler, dann schlechter und sind nach etwa 50 km miserabel.

Bereits kurz hinter der Stadt beginnt die Karakum Wüste. Ganz Turkmenistan besteht zu knapp 95% aus Stein- und Sandwüsten. In langsamem Tempo versuchen wir den Schlaglöchern, Bodenwellen und Krater-tiefen Spurrillen auszuweichen und bahnen uns unseren Weg gen Norden. Wir fahren durch karge Landschaft und vorbei an wilden Kamelen. Am Nachmittag erreichen wir einen mit Wasser gefüllten Gas-Krater. Es ist einer von drei Kratern, die in dieser Region entstanden sind, als der Boden unterhalb von Erdgas-Fördertürmen eingestürzt ist.

Unser Ziel ist einer dieser Krater: der Derweze Gas-Krater. Er ist aber nicht mit Wasser gefüllt, sondern mit Flammen! In den 1980er-Jahren wurde das nach dem Einsturz ausströmende Gas entzündet und heute – knapp 40 Jahre später – brennt es noch immer. Die Hitze, die der riesige Krater ausstrahlt, ist enorm. Unseren Camper parken wir daher ein ganzes Stück entfernt, damit wir eine angenehme Nacht und vor allem das wahnsinnige Naturschauspiel genießen können. Gerade bei Nacht ist es eine wirklich skurrile Erscheinung. 

Konye Urgench

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg in Richtung der 250 km entfernten Grenzstadt Konye Urgench. Da die Straßen in einem dermaßen schlechten Zustand sind, brauchen wir bis in den späten Abend. Als wir mit Einbruch der Dunkelheit dann endlich in der Kleinstadt ankommen, stellen wir unseren Camper auf einen der vielen Feldwege. Hier werden wir am nächsten Morgen von einem Bauern und dessen Sohn geweckt. Sie scheinen kein Problem damit zu haben, dass wir ihren Feldweg als Übernachtungsort gewählt haben, sind aber äußerst interessiert an unserem Camper. Da wir weder Turkmenisch noch Russisch sprechen, verständigen wir uns mal wieder mit Händen und Füßen. Geht auch. 🙂

Im Anschluss schauen wir uns die Ruinen des alten Konye Urgench an. Bereits vor über 1.000 Jahren gab es hier eine Siedlung, von der noch heute religiöse Bauten und Gedenkstätten erhalten sind. Seit 2005 gehören die Ruinen zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Heute ist die Kleinstadt sehr landwirtschaftlich geprägt und erinnert uns mit seiner Flora an die heimischen Ostsee-Regionen (nur ohne das Meer natürlich). Gearbeitet wird hier noch in ganz ursprünglicher Form – wir sehen gefühlt mehr Eselkarren als Trecker. In jedem Fall ein sehr starker Kontrast zur prunkvollen Hochglanz-Stadt Ashgabat im Süden.

Sehr ursprünglich ist auch der Bazaar, auf dem wir unsere letzten Manat (turkmenische Währung) loswerden wollen. Wir kaufen Brot, Snacks und einen Trichter samt Schlauch für unsere zusätzlichen Dieselkanister, in denen wir noch immer den Diesel aus dem Iran transportieren, um damit durch Usbekistan zu kommen. Zweimal werden wir während unserer kurzen Shoppingtour auf Englisch angesprochen; einmal von einer jungen Frau, die gerne Übersetzerin werden will und einmal von einem jungen Mann, der in Ashgabat studiert, um Englisch-Lehrer zu werden. Beide geben uns irgendwie das Gefühl, dass die junge Generation den Wunsch nach Öffnung hat und mitbekommen will, was in der Welt außerhalb von Turkmenistan so passiert. Ob das stimmt, haben wir in dieser Situation jedoch nicht gefragt.

Mit aufgestockten Vorräten machen wir uns auf den Weg zur nahegelegenen Grenze. Hier müssen wir aber erst einmal zwei Stunden warten, da wir genau zum Beginn der Mittagspause angekommen sind. So läuft das hier halt. Mit uns warten zwei LKW-Fahrer.

USBEKISTAN

An der Grenze zu Usbekistan sehen wir plötzlich einen anderen Overlander. Das ist grundsätzlich nicht ganz ungewöhnlich, da natürlich auch andere Camper in dieser Region unterwegs sind. Jedoch haben wir in den letzten fünf Wochen und drei Ländern (Armenien, Iran, Turkmenistan) nicht einen einzigen Weggefährten getroffen. Und jetzt treffen wir endlich einen, können uns dann aber nicht austauschen, da die Grenzbeamten uns genau in dem Moment durch das Eingangstor bitten, als die anderen – Deutsche aus Berlin, die in einem Defender unterwegs sind – rausfahren sollen. Wir können uns lediglich freudig zuwinken.

Kurz darauf wird es wieder spannend. Schließlich steht die nächste Fahrzeugdurchsuchung an und Drohnen sind auch in Usbekistan verboten. Usbekistan ist sogar das Land, bei dem wir bereits von zwei Fällen gelesen hatten, wo Grenzbeamte Drohnen gefunden und daraufhin an Ort und Stelle zerstört haben.

Wieder einmal fällt die Fahrzeugdurchsuchung jedoch äußerst sporadisch aus und unsere Angst ist daher hinfällig. Alles in allem dauert das ganze Einreise-Prozedere an der usbekischen Grenze auch nur 30 Minuten und ruck zuck sind wir zurück auf der Straße.

In der nächsten Stadt folgt das Übliche: Geld wechseln, SIM-Karte besorgen. Alles läuft entspannt. Lediglich beim Betreten der großen Bankfiliale sind wir etwas erstaunt, da mehrere Leute tatsächlich Säcke voller Geld aus der Bank tragen. Schnell wird aber klar, dass das an den geringen Nennwerten der Banknoten liegt – auch wir erhalten für unsere 50 US-Dollar einen dicken Stapel Scheine.

Im Anschluss an unsere Besorgungen fahren wir an einen nahe gelegenen See, um hier die Nacht zu verbringen. Als wir unser Abendessen zubereiten, fährt plötzlich ein Mann mit einem kleinen Truck vor. Wir sind uns gar nicht sicher, ob wir ihn zuerst gesehen oder zuerst die laute Musik gehört haben, die aus seinen Lautsprechern schallte – Cherry Cherry Lady von Modern Talking 😀 (Dirk scheint das zu verfolgen, denn schon bei seiner Südostasien-Reise 2014 wurden Lukas und er in Kuala Lumpurs China Town von einem lautstark in den Straßen gespielten Modern Talking Album überrascht).

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg nach Urgench. Von hier aus wollen wir eine Tag später die Sadt Khiva besuchen. In Urgench finden wir, wie immer durch die App iOverlander, einen Campspot auf einem verlassenen Parkplatz mitten in der Stadt. Uns fällt auf, dass viele Polizisten in der Stadt unterwegs sind. Kein Wunder, ist Usbekistan trotz der immer weiter voranschreitenden Öffnung für Touristen doch immer noch ein Polizeistaat. Uns lassen sie aber zum Glück in Ruhe.

Xiva

Xiva ist eine der ältesten Städte der Welt, Teil der alten Seidenstraße und seit 1990 gehört der historische Stadtkern zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wir flanieren über die Stadtmauer, bewundern die alten Gemäuer der Moscheen und genießen die relative Ruhe, die in der Stadt trotz zahlreicher Touristen herrscht. Wir treffen auf ein nettes deutsches Ehepaar mit denen wir ein paar Worte wechseln und finden es ganz ungewohnt mit anderen Menschen Deutsch reden zu können. Am späten Nachmittag machen wir uns dann wieder auf den Weg zurück nach Urgench, da uns der Campspot dort so gut gefallen hat und verleben hier eine weitere ruhige Nacht.

Bukhara

Nach Bukhara fahren wir sechs Stunden lang durch karge, braune Wüstenlandschaft. Erst kurz vor Bukhara ändert sich die Vegetation. Aus Braun wird Grün und aus Wüste werden Felder.

In Bukhara schlafen wir auf einem Parkplatz mitten in der Stadt, von welchem wir alle großen Sehenswürdigkeiten fußläufig erreichen können. Nach langer Zeit müssen wir mal wieder für einen Campspot bezahlen. Allerdings halten sich die Kosten mit umgerechnet 50 Cent pro Tag doch recht in Grenzen. 😉 Wie in Khiva bestaunen wir auch hier die alten Gemäuer und ihre imposanten Verzierungen. Abends entdecken wir durch Zufall in einem Park eine Kirmes und gönnen uns eine Fahrt mit dem Riesenrad. Hätten wir auch nicht gedacht, dass wir jemals in Usbekistan Riesenrad fahren würden. 😛

Natürlich lassen uns die alltäglichen Sorgen des Wasser-Findens, Lebensmittel-Besorgens und Müll-Entsorgens auch in Usbekistan nicht los. Die Uzbeken begegnen uns hierbei aber immer mit sehr viel Neugier und Gastfreundschaft. So bekommen wir an einer Wasserstelle, an der wir unseren Tank auffüllen, ein paar Weintrauben von einer Frau geschenkt. Das Auffüllen des Wassers mit Eimer und Trichter führt außerdem oft zu verdutzten Gesichtern und der mehr als nur einmal gestellten Frage (meist durch Verständigung mit Händen und Füßen), ob unser Auto mit Wasser statt mit Benzin/Diesel fährt.

Samarkand

Samarkand ist sicherlich eine der bekanntesten Städte Usbekistans, obwohl sie nicht die Hauptstadt ist. Wir haben sehr viel Gutes über die Stadt gehört und sind sehr gespannt. An unserem Campspot werden wir von einem älteren Heeren begrüßt, der uns auf deutsch anspricht. Er erklärt, dass er Deutschlehrer ist und sein Büro im Gebäude neben dem Parpkplatz ist. Als er unser Auto gesehen hat, musste er die Chance sofort ergreifen und sich mit zweien seiner Schützlinge auf den Weg zu uns machen. Wir haben ein sehr nettes Gespräch über Gott und die Welt und interessanterweise klärt er uns auf, dass in den Schulen der Trend weg von Russisch und hin zu Deutsch als Fremdsprache geht (neben Englisch).

Wir gönnen uns einen Ruhetag und erledigen einige Dinge, die bisher liegen geblieben sind, wie zum Beispiel die Überweisung einer Nebenkostennachzahlung unserer alten Wohnung. Auch wenn wir seit über drei Monaten unterwegs sind, lässt uns zu Hause also noch nicht los. 😉 Außerdem wechselt Dirk die Reifen von der Vorder- auf die Hinterachse, um für eine gleichmäßigere Abnutzung zu sorgen.

Am frühen Abend machen wir uns dann auf den Weg in die Stadt. Unser erster Stop ist der Registan Palast und wir sind überwältigt. Die Größe der Gebäude ist mehr als nur beeindruckend. Der Sonnenuntergang bildet dazu die perfekte Kulisse. Wir gehen Abendessen und probieren die beiden traditionellen Gerichte Plov und Somsa (gefüllte Brötchen mit Hack und Zwiebeln). Eher gesagt Dirk probiert, Tina bleibt lieber bei Kebab-Spieß und Pommes.

Auf dem Rückweg kommen wir erneut am Registan Palast vorbei und bemerken, dass sich hier recht viele Menschen versammelt haben. Schon im Vorfeld hatten wir von einer Light-Show gehört, die hier an einigen Abenden vorgeführt werden soll, konnten aber nicht herausfinden, ob und wann diese stattfindet. An diesem Abend soll sie aber tatsächlich aufgeführt werden, da sich, wie wir kurze Zeit später erfahren, eine chinesische Delegation in der Stadt befindet. 20 Männer in Anzügen werden vorgefahren und an der Menge vorbei auf eine eigens für sie errichtete Tribüne geführt. Die Show ist kitschig aber absolut beeindruckend. Dass wir in Usbekistan jemals eine aufwändige Mapping-Projektion bestaunen würden, hätten wir auch nicht gedacht. Das Land überrascht uns immer wieder.

Am nächsten Tag sehen wir uns dann den Rest der Altstadt an. Das können wir nur jedem empfehlen – Samarkand ist mit all seinen historischen, monumentalen und liebevoll verzierten Gebäuden wirklich eine Reise wert.

Wir hätten auch durchaus noch eine ganze Zeit länger bleiben können, denn wir haben definitiv nicht alles gesehen. Jedoch zieht es uns zurück in die Natur. Vor allem Dirk kann es kaum erwarten, bald in Tadschikistan endlich wieder Berge und unberührte Natur zu sehen (jetzt Wüsten mal ausgenommen) sowie mit der Drohne zu fliegen. Außerdem steht in gut zwei Wochen ja auch schon unsere erste, kurze China-Durchquerung an, deren Termin wir nicht verpassen sollten.

Wir verstauen also unsere sieben Sachen und wollen gerade in Richtung tadschikischer Grenze aufbrechen, als die australische Familie, die in der Nacht neben uns auf den Campspot gefahren ist, aus ihrem Wohnwagen kommt. Ja, ihr habt richtig gelesen: Wohnwagen. Die junge Familie mit zwei Kindern hat sich einen großen, offroad-fähigen Wohnwagen gekauft und ist damit seit viereinhalb Monaten unterwegs von Australien über Japan nach Europa. Da sie gerade aus Tadschikistan kommen, tauschen wir uns mit ihnen über Routenoptionen, Sehenswürdigkeiten, Straßenbeschaffenheiten, Dieselbeschaffenheit und Tank-Möglichkeiten aus – all die Sachen, die auf einer Overland-Reise durch Zentral-Asien relevant sind.

Und dann machen wir uns auf zur 50km entfernten Grenze zwischen Usbekistan und Tadschikistan. Wie es uns hier gefallen hat und ob wir es überhaupt über den dortigen Pamir Highway, eine der höchstgelegenen Fernstraßen dieser Welt mit Pässen von über 4.500m geschafft haben, berichten wir euch dann im nächsten Blogeintrag.

Bis dahin senden wir beste Grüße aus der Ferne,
Tina & Dirk

TURKMENISTAN & UZBEKISTAN – Let’s get otter here – Episode 7

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.