Asien,  Thailand

#22 Endlich wieder unterwegs – Thailand Teil IV

Wir sind wieder unterwegs – zumindest innerhalb Thailands. Nachdem zum 1. Juli die Grenzen der 76 thailändischen Provinzen endgültig wieder für den Reiseverkehr geöffnet wurden, haben wir uns rasch auf den Weg gemacht. Vier Monate an einem Ort waren wirklich lang genug. In den letzten drei Wochen waren wir in Trang, Krabi und auf der Insel Koh Phangan unterwegs. Und es war herrlich! Viel Spaß beim Lesen und Video-Schauen.

Back on the road

Böse Zungen behaupten, dass es auch während des Lockdowns möglich gewesen sein soll, zwischen den einzelnen Provinzen hin und her zu reisen. Wir hatten jedoch früh entschieden, dass wir uns an die geltenden Regeln halten und abwarten wollen, bis es offiziell wieder erlaubt ist. Wir sind hier schließlich Gäste im Land (und werden als Ausländer vielleicht auch beschuldigt, den Coronavirus nach Thailand gebracht zu haben) und wollten daher mit möglichst gutem Beispiel vorangehen.

Aber als es dann endlich wieder erlaubt ist, können wir es kaum erwarten. Wir kümmern uns noch kurz um die Verlängerung unseres TIP (Temporary Import Permit für den Van), statten dem Zahnarzt nochmal einen Besuch ab (zweiter Reinigungstermin der Wurzelkanalbehandlung) und fahren dann los in Richtung Krabi.

Krabi / Ao Nang

Krabi liegt etwa 2 Fahrstunden von unserem Campspot der letzten Monate entfernt und versprüht auf uns den Reiz, dass es dort etwas mehr (touristische) Infrastruktur gibt als im ländlichen Trang. Die Küstenstadt ist eine der Top-Touristendestinationen in Thailand – auch, weil man von hier schnell zu einigen der Küste vorgelagerten Inseln kommt.

In Krabi waren wir im Januar schon einmal. Da war der Haupt-Strand Ao Nang voll bepackt mit Touristen und Booten. Das sieht nun sehr viel anders aus. Nur vereinzelt sieht man andere Menschen und die meisten Geschäfte und Restaurants haben geschlossen. Eine harte Situation für die vielen Einheimischen, die hier vom Tourismus leben. Und auf der anderen Seite für uns eine einmalige Chance, die Schönheit Thailands „in Ruhe“ erkunden und genießen zu können.

Das eine ist gegen das andere natürlich nicht aufzuwiegen. Aber da wir für den Coronavirus und dessen Folgen ja wenig bis gar nichts können, erfreuen wir uns an dem nahezu verlassenen Strand. Sogar das Wetter spielt trotz der hier an der Westküste so allgegenwärtigen Regenzeit ausnahmsweise mal mit. Die letzten Wochen waren getrübt von sehr viel Regen und schwüler Luft – wie im letzten Beitrag beschrieben ist das eine denkbar ungünstige Kombination für das Leben in einem Campervan. Entsprechend genießen wir diesen sonnigen Tag und die neue Aussicht besonders.

Für die Nacht finden wir nach längerer Suche (viel Tourismus = viel Bebauung = wenig Stellplätze am Meer) letztlich einen guten Stellplatz und werden zugleich noch mit einem wahnsinnigen Sonnenuntergang belohnt. Wow fühlt sich das gut an, endlich wieder etwas unterwegs zu sein.

Am nächsten Tag suchen wir uns einen Schneider – davon gibt es hier viele. Da ich (Dirk) mit meinem Affenarmen in Deutschland immer Probleme habe, passende Hemden und Anzüge zu finden, will ich die Chance nutzen, mich hier verhältnismäßig günstig neu auszustatten. Denn auch wenn die Aussichten in der Eventbranche aktuell noch recht düster sind, gehe ich davon aus, irgendwann wieder einen Job in Deutschland zu finden. Der Schneider, der seinen Laden extra für uns öffnet, freut sich über das Geschäft.

Die nächsten Tage würden wir also damit verbringen, immer mal wieder zur Anprobe zu kommen und zu warten, bis die Sachen fertig sind. Um etwas näher am Ort des Geschehens zu sein (und da wir einen Platz gefunden haben, an dem noch weniger Leute vorbeizukommen scheinen), wechseln wir für die nächsten Nächte noch einmal unseren Stellplatz. Wir parken neben einem (geschlossenen) Resort auf einer großen Wiese direkt am Meer. Hier gibt es zwar keinen Sandstrand, aber schön ist es trotzdem. Außerdem haben wir hier unsere Ruhe. Das mögen wir. 🙂

An einem der kommenden Tage fahren wir nach Krabi Stadt. Da wollen wir uns ein bisschen umgucken und außerdem brauchen wir auch mal wieder etwas Strom – der Regen ist zurück, sodass unsere Solaranlage nicht mehr ganz ausreicht. Wir drehen eine Runde und halten dann für einen Kaffee an. Als wir zurückkommen sehen wir ein Stück Metall im linken Vorderreifen unseres Vans stecken. Die Luft entweicht langsam aber sicher. Das musste ja irgendwann einmal passieren.

Ehrlicherweise sind wir erstaunt, dass es überhaupt so lange gedauert hat. Schließlich ist das noch immer der Reifensatz, mit dem wir in Deutschland gestartet sind. Seither sind wir fast 45.000 km gefahren. Und das definitiv nicht immer auf perfekt asphaltierten Straßen 😉.

Was ein Glück, dass wir gerade in einer Stadt sind (im Gegensatz z.B. zur kirgisischen Steppe oder den Bergen Tadschikistans). Der nächste Reifenworkshop ist nur 5 Minuten entfernt und weitere 5 Minuten später ist das Loch auch schon geflickt. Top!

An einem anderen Tag treffen wir auf dem Parkplatz eines kleines Supermarktes auf Ingo und Maya. Die beiden sind mit einem Katamaran von der Türkei aus nach Thailand gesegelt, haben sich inzwischen hier niedergelassen und bieten nun Kabinen-Charter an. Sie erzählen uns auch, dass vor einigen Tagen ein Beitrag über sie im ZDF lief. Da sie unseren Trip so toll finden, wollen Sie für uns einen Kontakt zum ZDF aufbauen. Wir lassen uns überraschen.

Die nächsten zwei Tage verbringen wir hauptsächlich in Strandbars/-cafés, um deren Strom und WLAN dafür zu nutzen, einen neuen Blogeintrag samt Video hochzuladen (#21 Thailand Teil III – Update nach 4 Monaten Corona-Lockdown)

Wir ziehen weiter nach Koh Phangan

Nach 10 Tagen in Krabi ist es an der Zeit weiterzuziehen. Ab zur Ostküste, ab zum Golf von Thailand. Dort soll es weniger regnen, da die Regenzeit dort erst im Oktober und November ihren Höhepunkt erreicht. Unser Ziel ist die Insel Koh Phangan, die zwischen dem Resort-bepacktem Koh Samui und dem Taucher-Mekka Koh Tao liegt. Für umgerechnet knapp 22 Euro buchen wir eine Fähre für uns beide und den Camper (2,5 Stunden Überfahrt).

Doch auf dem Weg zum Fähranleger in Surat Thani legen wir noch einen kleinen Abstecher ein, um Karl zu besuchen. Karl hat 30 Jahre lang in Hamburg für den Spiegel / Spiegel TV gearbeitet und dann 2008 den Entschluss gefasst, nach Thailand auszuwandern. Dort besitzt er nun eine kleine Plantage und arbeitet nebenbei als Journalist für das ZDF und andere Medien. Er hatte auch den Beitrag über Ingo, Maya und ihren Katamaran begleitet. Ingo hatte ja angekündigt, einen Kontakt herzustellen und bereits am nächsten Tag klingelte mein Handy. Karls Einladung auf einen Kaffee können wir nicht ausschlagen (auf der dreistündigen Fahrt zur Ostküste kommen wir sowieso an seinem Haus vorbei) und so sitzen wir wenig später bei ihm im Garten, tauschen Geschichten aus uns sind begeistert, an welche Orte ihn sein Job schon so alles gebracht hat (er hat unter anderem viele Expeditionen von Terra X begleitet). Wir bleiben gespannt, ob er auch einen Beitrag über uns beim Sender unterbringen kann.

Aber erstmal geht’s für uns jetzt weiter. Wir fahren die letzten zwei Stunden bis zur Ostküste und suchen uns dort einen Stellplatz für die Nacht (was sich als äußerst einfach herausstellt, da der Küstenstreifen hier nur wenig bebaut ist). Die Fähre haben wir erst für den nächsten Morgen gebucht.

Die Überfahrt mit der Fähre am nächsten Tag klappt unproblematisch. Das Schiff ist zwar merklich in die Jahre gekommen und würde auch wahrscheinlich selbst in Thailand keinen Umweltpreis mehr gewinnen, aber es bringt uns sicher ans Ziel. Die See ist dabei zum Glück sehr ruhig, was besonders meinen Magen erfreut. Während der Überfahrt sitzen wir im klimatisierten Inneren der Fähre und gehen noch einmal die möglichen Campspots durch, die wir mit Hilfe von iOverlander und der Satelliten-Ansicht von Google Maps recherchiert hatten. Drei Punkte haben wir uns auf der etwa 18 x 12 km großen Insel herausgesucht – zwei weiterer Plätze als Back-Up-Lösung.

Wir fahren als erstes den Platz an, der den besten Eindruck auf uns gemacht hat. Doch leider müssen wir feststellen, dass die Zufahrt dorthin mit einem großen Tor versperrt ist. Auch den zweiten Platz können wir nicht erreichen – die Zufahrt ist sehr eng und führt zudem durch eine Wasserstelle, dessen Tiefe wir nicht genau ermitteln können. Also auf zu Platz Nr. 3. Aber auch den können wir nicht erreichen, da die Wiese mit einem Zaun abgesperrt ist – sowas kann man auf dem Google-Satellitenbild natürlich nicht immer genau erkennen.

Blöd, jetzt stehen wir noch immer ohne Stellplatz da und die Sonne geht langsam unter. Wir entscheiden uns dazu, hoch in den Norden der Insel zu einem unserer beiden Back-Up-Plätze zu fahren. Dieser war bei iOverlander markiert und soll neben einer Bungalow-Anlage liegen. Es dauert ein bisschen, bis wir die richtige Zufahrt finden, aber letztlich erreichen wir den Platz. Es ist ein kleiner Stellplatz unter Palmen, etwa 50 m vom Meer entfernt. Zwar ohne Sonne, aber definitiv gut für die Nacht. Wir versuchen uns so zu positionieren, dass eventuell herunterfallende Kokosnüsse nicht auf unseren Van krachen – denn die können ganz schön Schäden anrichten.

Mit den letzten Sonnenstrahlen und vor allem am nächsten Tag erkunden wir den Strand. Es ist der Thong Nai Pan Yai Strand. Er ist verhältnismäßig ruhig, eher durch kleine Unterkünfte und Bungalows geprägt als durch große Resorts. Und die meisten dieser kleinen Anlagen scheint zudem geschlossen zu sein. Natürlich leidet auch Koh Phangan unter den Folgen des Coronavirus. Wobei wir beim Erreichen der Insel noch überrascht waren, wie viele Touristen mit Rollern hier doch unterwegs sind. Die scheinen sich jedoch eher im Süden der Insel zu tummeln – hier an diesem Strand im Norden/Nordosten sehen wir nur eine handvoll anderer Menschen. Und das obwohl es hier wirklich schön ist!

Wir bleiben hier zwei Tage und lassen die Seele baumeln. Dann wollen wir weiterziehen und etwas mehr der Insel erkunden. Aber wir kommen nicht weit. Schon beim benachbarten Strand Thong Nai Pan (dieses Mal ohne „Yai„) bleiben wir hängen. Er liegt in der gleichen Bucht und ist so etwas wie der vorherige Strand auf Steroiden – genauso schön aber weiter entwickelt: hier gibt es große, teure Resorts, Strandliegen mit Sonnenschirmen und zwei Tauchschulen. Wobei auch davon etwa nur die Hälfte überhaupt geöffnet sind…

Die Tauchschulen sind der Grund, warum wir hier her gekommen sind. Zwar kann ich Tina leider (noch) nicht davon überzeugen, ihre Angst zu überwinden, aber ich will unbedingt unter die Wasseroberfläche. Lange hatte ich mich darauf gefreut und nun klappt es endlich. Und dann auch noch an einem der besten Tauchspots im Golf von Thailand: dem Sail Rock. Der ist bekannt für seinen Fischreichtum und auch dafür, verhältnismäßig häufig von Walhaien heimgesucht zu werden. Für diejenigen unter euch, die es nicht wissen: Walhaie sind die größten Haie und zugleich die größten Fische, die es auf diesem Planeten gibt. Sie sind gänzlich ungefährlich für den Menschen, da sie sich hauptsächlich von Plankton ernähren und aufgrund der vorgenannten Merkmale der Fisch, den wohl alle Taucher einmal in ihrem Leben sehen wollen.

Das Glück hatte ich bisher nicht. Und auch bei meinen beiden Tauchgängen hier ändert sich das leider nicht. Das überrascht jedoch wenig, denn die Walhai-Saison ist hier für dieses Jahr bereits vorüber. Naja, halb so schlimm. Auch ohne den größten Fisch der Welt waren die beiden Tauchgänge der absolute Wahnsinn! Sooo viele Fische! Wenn Tauchen doch bloß nicht so teuer wäre, dann würde ich das viel häufiger machen (naja, meine Seekrankheit müsste ich dann vorher bitte auch noch irgendwie loswerden 😄).

Da uns beiden der Strand aber auch oberhalb der Wasseroberfläche sehr gut gefällt, bleiben wir drei Tage und machen wieder einmal etwas Urlaub (sprich: am Strand liegen und Essen in Strandbars statt selbst zu kochen). Einen Stellplatz finden wir auf einer Straße zwischen zwei geschlossenen Hotels, direkt am Strand.

So, jetzt aber, wir erkunden die Insel. Als erstes fahren wir zum Chalok Lam Strand ganz im Norden der Insel. Auch hier das gleiche Bild: toller Strand, glasklares Wasser, sehr wenig los. Da wir hier aber keinen guten Stellplatz finden können, ziehen wir weiter. Zweiter Strand: Mae Haad – einer der bekanntesten Strände Koh Phangans, da es hier eine kleine Insel gibt, die bei Ebbe über einen Strand mit dem Festland verbunden ist. Hier gibt es ein paar richtig fancy Resorts. Und die scheinen alle geschlossen zu sein, denn wir sehen keine andere Menschenseele – nur zwei Hunde, die im Wasser spielen und versuchen Fische zu fangen 😃.

Aber auch da finden wir keinen wirklich guten Platz zum übernachten. Daher fahren wir weiter und wollen unseren letzten Back-Up-Stellplatz ausprobieren. Auch der sah auf Fotos sehr vielversprechend aus, aber wir waren nicht sicher, ob wir ihn erreichen können, da scheinbar nur recht steile Straßen dorthin führen. Wir fahren hin, ich laufe die Strecke zu Fuß ab und sage: das schafft unser Ducato im Handumdrehen! Und wenige Minuten später stehen wir am Haad Tin Strand. Warum hier noch kein Resort gebaut wurde, wissen wir nicht. Die Bucht ist super schön. Seht selbst:

Hier stehen wir jetzt seit fünf Tagen, genießen die Aussicht, gehen schwimmen und gelegentlich schnorcheln. Wobei wir die letzten zwei Tage hauptsächlich im Van vor unseren Laptops saßen, um diesen Blogeintrag und das folgende Video an den Start zu bringen.

Auch hier regnet es immer mal wieder, aber definitiv nicht so stark wie an der Westküste und auch definitiv nicht jeden Tag.

Wie lange wir jetzt noch hier in Thailand bleiben können, steht in den Sternen. Die ursprüngliche Visa Amnesty in Thailand galt bis zum 31. Juli. Nach viel hin und her und der zwischenzeitlichen Info, dass wir womöglich am 31. Juli das Land verlassen müssen, wurde inzwischen entschieden, dass Touristen noch mindestens bis zum 26. September im Land bleiben dürfen. Wenn man drüber nachdenkt, wäre es aber auch äußerst komisch gewesen, wenn wir hätten gehen müssen. Schließlich sind noch etwa 300.000 Touristen oder Quasi-Touristen (bspw. Tauchlehrer mit Touristen-Visum) im Land. Die geben hier alle Geld aus und unterstützen so den hart getroffenen Tourismussektor in Thailand zumindest ein bisschen. Das ist für das Land, das sehr stark vom Tourismus abhängig ist, eine wichtige Einnahmequelle. Mit dem Coronavirus ist aller Voraussicht nach keiner dieser Touristen infiziert – schließlich wurden in Thailand nun bereits seit 60 Tagen keine neuen inländische Infektionen mehr gemeldet (mit Ausnahme von Thais, die per Rückholflug ins Land zurückgekehrt sind und sich in Quarantäne befinden). Wir werden sehen, wie es weitergeht und halten euch auf dem Laufenden 🙂.

Viele liebe Grüße aus der Ferne,
Tina & Dirk

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