Asien,  Thailand

#20 Thailand Teil II – der Coronavirus hält uns auf

Nach unseren Abstechern nach Malaysia und Singapur wollten wir den gesamten März und April in Thailand verbringen. Der Plan war, das Land ausgiebig zu erkunden und uns dabei vor allem auf die Suche nach Stellplätzen an schönen, möglichst verlassenen Stränden zu begeben. Davon soll Thailand ja schließlich einige haben. Nach wenigen Tagen im Land wurde jedoch das weltweite Ausmaß der COVID-19-Pandemie bekannt. Und so haben wir uns rasch in Selbst-Isolation begeben, in der wir uns auch heute, gut 8 Wochen später, noch immer befinden. Wir versuchen das Beste aus der Situation zu machen und berichten im Folgenden von unseren bisherigen Erlebnissen. Macht euch auf einen etwas längeren Beitrag gefasst.

Klappt die Einreise?

Es ist Mittwoch, der 4. März und wir stehen mal wieder an einer Landesgrenze. Wir wollen von Malaysia zurück nach Thailand. Es ist bereits unser 27. Grenzübergang auf dieser Reise und ich glaube wir können getrost behaupten, inzwischen recht geübt zu sein, was die Prozedere und manchmal auch Eigenheiten von Grenzübergängen angeht. Was die Einreise nach Thailand so besonders macht ist die Tatsache, dass die temporäre Einfuhr von Campervans ins Land eigentlich verboten ist. Davon haben wir schon ausführlich im Beitrag #16 Thailand Part I – Im Schnelldurchlauf von Nord nach Süd berichtet.

Dort haben wir auch berichtet, dass sich die Anwendung dieser Regelung jedoch stark von Grenze zu Grenze unterscheidet. Die vermeintlich „strengste“ Grenze -- die zwischen Myanmar und Thailand in Tachilek/Mae Sai -- haben wir bereits Anfang Januar überwunden. Doch auch bei der Einreise aus Malaysia findet die Regel Anwendung. Zumindest dann, wenn man nicht zur etwas abgelegenen „Betong Border“ fährt. Hier, so hat unsere Recherche ergeben, scheint man es mit der Regelung (noch) nicht allzu ernst zu nehmen.

Und tatsächlich: wenige Minuten nach der bereits sehr entspannten Ausreise aus Malaysia halten wir unser „Temporary Import Permit“ für Thailand zusammen mit neuen Einreisestempeln in den Händen. Zusätzlich bekommen wir einen Zettel in die Hand gedrückt, auf dem unsere Körpertemperatur erfasst ist. Die wurde nämlich gemessen, um zu erkennen, ob wir vom Coronavirus infiziert sind. Das ist scheinbar nicht der Fall. 👍

Auf zum ersten Strand

Wir machen uns auf den Weg an die Ostküste, an der wir uns einen Stellplatz für die Nacht rausgesucht haben. Um dorthin zu gelangen, müssen wir durch den Bang Lang Nationalpark sowie durch die drei südlichsten Provinzen Thailands. Von Reisen in diese drei Provinzen rät das Auswärtige Amt dringend ab, da es hier regelmäßig zu Auseinandersetzungen zwischen Separatistengruppen und Sicherheitskräften komme. Die Polizei- und Militärpräsenz ist tatsächlich enorm und so passieren wir eine ganze Reihe von Checkpoints, an denen teils schwer bewaffnete Soldaten und gepanzerte Fahrzeuge stehen. Von Aufständen oder gar Anschlägen bekommen wir während unserer Durchfahrt jedoch glücklicherweise nichts mit.

Während wir im Bang Lang Nationalpark einen kurzen Stopp einlegen, um mit unserer Drohne einen großen See aus der Luft zu erkunden, hält plötzlich ein Fahrzeug neben uns. Im ersten Moment denke ich „Mist, jetzt gibt’s Ärger wegen der Drohne“. Aber beim näheren Hinschauen wird klar, dass es sich nur um ein australisches Pärchen mit einem Landcruiser Troopy handelt. Die beiden haben uns am Straßenrand parken sehen und unseren Van wiedererkannt. Sie haben tatsächlich in den letzten Monaten unsere YouTube-Videos geschaut. 🙂

Leider hat der Coronavirus die Pläne der beiden ganz schön durcheinander gebracht. Sie haben ihren Troopy vor ein paar Wochen von Australien nach Malaysia verschifft und wollten nun von dort bis nach Europa fahren. Doch da nun seit einigen Tagen die ersten Ankündigungen kursieren, dass einige Länder in Asien mit dem Gedanken spielen, ihre Grenzen zu schließen, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen, mussten sie umplanen. Sie haben sich kurzfristig dafür entschieden, nicht in Südostasien zu bleiben (das sie als Australier schon häufiger besucht haben), sondern jetzt von Malaysia aus nach Europa zu verschiffen und dann von dort zurück zu fahren. So wie sich die Corona-Situation inzwischen entwickelt hat, werden sie (oder zumindest ihr Troopy) jetzt wohl erst einmal eine ganze Weile in Europa bleiben müssen…

Wir fahren weiter und kommen am frühen Abend an der Ostküste und unserem recherchierten Stellplatz an. Es handelt sich dabei um einen kleinen Parkplatz direkt am Meer hinter einem kleinen Dorf. Für eine Nacht können wir hier sicherlich gut stehen; für einen längeren Aufenthalt ist hier aufgrund einer Reihe von Restaurants aber definitiv zu viel los.

Weiter zu Strand Nr. 2

Am nächsten Morgen machen wir uns direkt wieder auf den Weg. Wir wollen an die Westküste des Landes. Davon erhoffen wir uns nicht nur, abends die Sonne ins Meer untergehen zu sehen (davon haben wir als Morgenmuffel deutlich mehr, als von einer Sonne, die morgens toll über dem Wasser aufgeht), sondern wir haben auch einen sehr vielversprechenden Stellplatz recherchiert. Einen Stellplatz, der abgelegen von Zivilisation sowohl direkte Strandnähe als auch einen Sonne-/Schattenmix zu haben scheint. Genau das wollen wir!

Als wir ein paar Stunden später am gespeicherten GPS-Punkt ankommen, müssen wir jedoch feststellen, dass wir den Stellplatz nicht erreichen können. Die Zufahrt ist völlig mit Büschen, Ästen und Gestrüpp zugewachsen. Da kommen wir nicht durch. Allerdings haben wir gerade schon beim Vorbeifahren gesehen, dass der Küstenstreifen, an dem wir uns gerade befinden, noch eine ganze Reihe weiterer möglicher Stellplätze bietet. Und so fahren wir ein kleines Stück zurück, parken den Van am Straßenrand und erkunden zu Fuß den bewaldeten Streifen zwischen Strand und kleiner Straße.

Einige Stellen kommen nicht infrage, da hier der Untergrund zu weich ist und wir früher oder später stecken bleiben würden. Aber letztlich finden wir einen Platz, den wir erreichen können, der weitreichend Sichtschutz zur Straße bietet und der vor allem trotz der vielen Bäume um uns herum viele Stunden Sonne am Tag verspricht. Das ist wichtig für uns, denn wenn wir länger an einem Ort stehen, ist ja die Solaranlage unsere einzige Stromquelle (und bei den Temperaturen hier von stets über 30°C verbraucht allein schon unser Kühlschrank eine Menge Strom). Wir stellen uns so hin, dass wir morgens, wenn wir noch im Bett liegen, Schatten haben und dann den Rest des Tags in der Sonne stehen.

Ein paar Tage am Strand entspannen

Uns gefällt es hier richtig gut. Der Strand ist schön und die Aussicht klasse. Es ist ruhig. Wir sind nahezu alleine an diesem langen Küstenstreifen. Lediglich ein paar Fischer und am Wochenende auch mal ein paar Locals kommen gelegentlich vorbei. Aber auch die gehen ihrer Wege und scheinen sich nicht im Geringsten an uns zu stören. Wir haben unsere Markise ausgefahren, unsere Campingstühle aufgestellt und eine Lichterkette aufgehängt. Hier wollen wir erst einmal bleiben. Auch die allabendlichen Sonnenuntergänge tragen dazu bei, dass wir uns hier sehr wohlfühlen.

Das einzige Ärgernis ist die Menge an Müll, die hier überall rumliegt. Einiges davon wurde sicherlich angespült, aber vieles wird auch einfach von den Wochenendbesuchern liegen gelassen. Klar, wir können in Südostasien nicht den gleichen Maßstab wie in Europa anlegen, finden es aber dennoch immer wieder äußerst schade, so etwas zu sehen. Wir entscheiden uns dazu, zumindest „unseren“ Strandabschnitt aufzuräumen. Wir sind nicht einmal total gründlich, haben aber trotzdem nach kurzer Zeit zwei riesige Müllsäcke mit Plastikresten, Styropor, Flip Flops, Flaschen, Feuerzeugen, Zahnbürsten und allerhand anderem Müll voll.

Abgesehen von der Aufräumaktion machen wir nicht viel. Ich sortiere wie gewohnt Fotos, Tina arbeitet am nächsten Video. Wir gehen gelegentlich schwimmen, kochen, spielen abends Kniffel oder schauen Netflix. Natürlich verfolgen wir währenddessen die Nachrichten, aber der Coronavirus spielt zu diesem Zeitpunkt noch immer keine allzu große Rolle. Schon gar nicht hier in Thailand. Thailand hatte zwar am 13. Januar den aller ersten Corona-Fall außerhalb Chinas, aber bis Ende Februar gab es dennoch lediglich 40 Fälle (66 in Deutschland). Von einer globalen Pandemie, die das öffentliche Leben stark beeinflussen würde, ist da definitiv noch nicht die Rede.

Aus Camping am Strand wird Selbst-Isolation (9.-16. März)

Während wir unseren Van hier am schönen Strand geparkt haben und munter in die Tage hinein leben, beginnt sich die Welt um uns herum langsam zu verändern. Das bekommen wir jedoch hauptsächlich aus den Nachrichten mit -- weniger durch unsere direkte Umgebung in Thailand. Wo Deutschland am 1. März noch 117 Corona-Infizierte registriert hatte (Thailand 42), sind es am 9. März schon 1.139 Fälle (Thailand 50). Ein riesiger Anstieg. Auch die ersten Todesfälle werden bekannt.

Deutschland beginnt damit, die ersten Großveranstaltungen abzusagen und uns erreichen die ersten Fotos von leeren Toilettenpapier-Regalen. Das Ganze passiert, wie gesagt, hauptsächlich in Deutschland und Europa. Hier in Thailand scheint die Situation unverändert. Wir fahren in die nächstgrößere Stadt, Trang, um unsere Lebensmittelvorräte aufzustocken. Die Regale in den Supermärkten sind gefüllt, Nudeln und Toilettenpapier sind keine Mangelware. Gut, beides wird hier auch unter normalen Umständen schon nicht allzu viel verkauft. 😉

Zurück an unserem Stellplatz lesen wir davon, dass Indien die Grenze zu Myanmar geschlossen hat, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Nun scheinen sie also wahr zu werden, die Ankündigungen einiger Länder, ihre Grenzen zu schließen. Wir sagen uns: Okay, wir wollen ja sowieso ganze zwei Monate in Thailand bleiben. Das sollte uns also zunächst nicht sonderlich beeinflussen. Und da wir hier an unserem abgelegenen Stellplatz am Strand auch sowieso keinen Menschenkontakt haben (außer eben gelegentlich beim Einkaufen in der Stadt), sind wir hier auch ganz gut aufgehoben. Wir wollen also erst einmal ein bisschen hier stehen bleiben und abwarten, wie sich die Situation entwickelt.

Unser Leben geht also wie gewohnt weiter. Praktisch, wenn der normale Lebensstil schon einer Selbst-Isolation nahe kommt. Wir nutzen die nächsten Tage damit, weiter abzuschalten und unsere Erlebnisse der letzten Monate zu verarbeiten. Es ist wirklich ungewohnt für uns, mal keinen neuen Input zu bekommen. In den letzten Monaten sind wir durch so viele Länder gereist, haben unterschiedlichste Kulturen kennengelernt und waren stets mit neuen Situationen konfrontiert. Erst jetzt merken wir, dass wir diese Pause wirklich gebraucht haben bzw. brauchen.

Die Situation spitzt sich zu (17.-22. März)

Es ist heiß. Das Thermometer steigt im Moment fast jeden Tag auf über 35°C. Nachts wird es in der Regel auch nicht kälter als 25°C. In Thailand ist es ja sowieso immer schwül und heiß, aber aktuell steckt das Land in einer langen Dürrephase und wartet sehnsüchtig auf den Beginn der Regenzeit. Allerdings kommt die frühestens Mitte April. Wir werden also wohl noch ein bisschen schwitzen müssen.

Das sind natürlich verhältnismäßig unbedeutende Probleme im Vergleich zu COVID-19. Das weltweite Ausmaß der Pandemie wird von Tag zu Tag deutlicher. Wir bekommen das noch immer fast ausschließlich über die Nachrichten aus Deutschland und Europa mit. In Deutschland sind inzwischen zahlreiche Geschäfte geschlossen, ebenso die Grenzen für Nicht-Europäer und das Auswärtige Amt spricht eine weltweite Reisewarnung aus. 

Hier in Thailand sind die Auswirkungen noch vergleichsweise gering. Zwar gibt es inzwischen auch hier einen deutlich Anstieg der Infizierten-Zahlen, jedoch beschränken die sich hauptsächlich auf die Hauptstadt Bangkok, in der als Reaktion darauf viele Geschäfte und öffentliche Einrichtungen geschlossen werden. Das öffentliche Leben im Rest des Landes bleibt so gut wie unberührt.

Doch eine Entscheidung aus Deutschland betrifft plötzlich auch uns: die weltweite Reisewarnung. Sie führt nämlich dazu, dass ein Paragraph unserer Langzeit-Auslandsreisekrankenversicherung greift und unser Versicherungsschutz 14 Tage später enden würde. Das erfahren wir zuerst von unseren Freunden Fabienne und Nikolai, die aktuell durch Australien reisen und die gleiche Versicherung wie wir (und viele andere Reisende) haben. Sollte sich das bewahrheiten, wäre das natürlich äußerst ungünstig, um es vorsichtig auszudrücken.

Sollte uns das wirklich zurück nach Deutschland zwingen? Wir hoffen mal nicht. Denn wir wollen hier in Thailand bleiben. Nicht nur, weil unser Campervan ja hier ist. Selbst wenn noch alle Grenzen offen wären, könnten wir jetzt nicht einfach innerhalb von 14 Tagen wieder zurück nach Deutschland fahren. Außerdem: was sollen wir in Deutschland? Da warten gerade keine Jobs auf uns; und keine Wohnung. Auch da müssten wir uns neu (und sehr viel teurer) versichern. Außerdem gibt es in Europa zu diesem Zeitpunkt deutlich mehr Infizierten-Fälle als in Thailand (7.156 vs. 177; in Italien bereits über 30.000). Wahrscheinlich sind wir in Thailand also sogar sicherer im Moment. Wir entscheiden uns dazu, hier zu bleiben.

Wenige Tage später kommt von der Versicherung die Entwarnung, dass der Versicherungsschutz auch trotz der Reisewarnung erhalten bleibe. Deutschland startet die ersten Rückholflüge, um Deutsche, die im Ausland festsitzen, nach Deutschland zurückzuholen. Wir verzichten darauf, uns in die Listen einzutragen. Stattdessen hoffen wir, dass sich die Situation in naher Zukunft zum Besseren wendet und wir unsere Reise fortsetzen können. Erst einmal können wir abwarten: wir haben noch ein gültiges Visa bis Anfang Mai und glücklicherweise auch finanzielle Reserven, um etwas länger hier bleiben zu können.

An Weiterreise ist aktuell aber sowieso nicht zu denken. Inzwischen haben auch Myanmar, Laos und Malaysia ihre Grenzen geschlossen. Wir könnten auf dem Landweg also nur noch nach Kambodscha ausreisen. Mit Blick auf das deutlich bessere Gesundheitssystem in Thailand kommt das für uns aber nicht in Frage (wenige Tage später wurden dann auch die Grenzen zwischen Thailand und Kambodscha geschlossen). Damit ist es beschlossene Sache: wir bleiben in Thailand. Wir denken darüber nach, dass es uns auch in anderen Ländern hätte treffen können und sind froh, zum Beispiel nicht in Indien festzusitzen. Von da erreichen uns in den nächsten Tage Berichte, dass Overlander von Schlafplätzen verscheucht und vielerorts auch nicht mehr in Hotels aufgenommen werden. Westliche Touristen scheinen als Ursache für die „Einfuhr“ des Coronavirus ausgemacht worden zu sein.

Hier an unserem Strand in Thailand erleben wir solche Geschichten glücklicherweise nicht. Zwar haben auch wir einmal für einen kurzen Moment Sorge, unseren Stellplatz verlassen zu müssen als eines Abends drei Ranger des angrenzenden Nationalparks zu uns kommen, aber die netten Herren wollen nur sichergehen, dass wir im Wald kein Feuer machen. Nachdem sie uns dann noch einen Aussichtspunkt im Nationalpark empfohlen haben, ziehen sie weiter und wünschen uns noch einen schönen Abend.

Am nächsten Tag entscheiden wir uns dazu -- außerhalb unserer typischen Reihe -- , ein kurzes Update-Video zu filmen, um unsere Familien, Freunde und YouTube-Interessierte über unsere aktuelle Situation zu informieren:

Alltag im Corona-Camp (23. März -- 19. April)

COVID-19 beherrscht nun weite Teile des alltäglichen Lebens. Auch in den Medien wird (natürlich) viel darüber berichtet. Da wir Zeit haben und uns denken, den Zuhause festsitzenden Menschen durch unsere Reiseerlebnisse vielleicht etwas willkommene Abwechslung bringen zu können, kontaktieren wir unsere heimische Lokalzeitung sowie den regionalen Fernsehsender und fragen, ob sie nicht vielleicht über uns berichten wollen (wenn das zudem ein paar zusätzliche Follower bringen 

würde, hätten wir natürlich auch nichts dagegen 😀). Beide haben Lust und so schreiben wir einen Zeitungsbericht für die Westfälischen Nachrichten und führen ein paar Tage später unser erstes Fernsehinterview für die WDR Lokalzeit per FaceTime. Die Ergebnisse könnt ihr euch bei Interesse hier anschauen:

Nachdem wir uns in den letzten Tagen und Wochen immer ein bisschen gewundert haben, dass Thailand keine großen Maßnahmen gegen die Ausbreitung von COVID-19 unternommen hat, werden die Reaktionen auf das Virus inzwischen auch hier strikter. Es wird ein allgemeiner Einreisestopp ins Land verhängt, am 26. März wird der nationale „State of Emergency“ erklärt, am 30. März die Insel Phuket -- neben Bangkok das zweite große Infektions-Zentrum -- abgeriegelt. In den Städten werden Plakate aufgehängt, die über die Symptome des Virus und empfohlene Verhaltensweisen informieren. Nachts herrscht eine landesweite Ausgangssperre (tagsüber nicht) und Feiern ist verboten.

Und es geht weiter: Während wir Ende März noch völlig normal einkaufen, Wäsche waschen und unsere Aufenthaltsgenehmigung für den Camper verlängern konnten, herrscht ab Anfang April eine Maskenpflicht in allen Supermärkten und öffentlichen Einrichtungen. Da wir davon erst erfahren, als sie bereits eingeführt wurde, müssen wir uns kurzfristig mit Halstüchern helfen, finden aber rasch noch Masken, die wir kaufen können (Gesichtsmasken werden hier in Südostasien ja sowieso recht häufig getragen).

Im gleichen Zug wird eine ganze Reihe von Geschäften geschlossen. In Shopping-Malls dürfen nur noch Supermärkte, Apotheken, Banken und Mobilfunkanbieter geöffnet bleiben. Restaurants dürfen nur noch Essen zum Mitnehmen anbieten. Beim Betreten von Geschäften muss man sich ab sofort die Hände desinfizieren und es wird die Körpertemperatur gemessen.

Wir stellen jedoch auch fest, dass teilweise recht willkürlich oder undurchsichtig mit den Regeln umgegangen wird. Während die Geschäfte in Malls schließen mussten, bleiben die vielen kleinen Verkaufsläden, die es hier an jeder Ecke gibt, weiterhin geöffnet. Hier gibt es auch fast nie Temperaturscanner oder Desinfektionsmittel. Das Gleiche gilt für die Märkte, an denen sich besonders abends teils große Menschenansammlungen bilden. Da die Menschen aber nahezu ausnahmslos Masken tragen, ist das vielleicht auch okay.

Am 10. April tritt eine weitere Stufe in Kraft: wir dürfen die Provinz nicht mehr verlassen. Nachdem Phuket und einige andere nördliche Provinzen ihre Grenzen bereits geschlossen hatten, folgt nun auch „unsere“ Provinz Trang. Unseren Bewegungsradius schränkt das auf etwa 100 x 65 km ein. Für unseren Alltag hat das aber wenig Auswirkungen, da wir uns ja sowieso schon damit abgefunden hatten, die Situation erst einmal hier am Pak Meng Beach auszusitzen und lediglich für Einkaufs-Trips in die Provinz-Hauptstadt Trang zu fahren. Härter trifft uns da schon das Verkaufsverbot von Alkohol, das ebenfalls am 10. April erlassen wird. Auch das kommt ohne Vorwarnung, sodass wir leider keine Vorräte mehr kaufen können.

Im Zuge des Alkohol-Verbots scheint für einen Moment etwas Verwirrung in den Supermärkten zu herrschen. Denn es werden nicht nur die entsprechenden Alkohol-Regale mit Flatterband oder Einkaufswägen abgesperrt, sondern auch die Bereiche mit Schreibwaren, Spielzeug, Elektroartikeln oder Kleidung -- im Grunde alles, was nicht klassisch Lebensmittel ist. Bei unserem nächsten Einkaufs-Trip eine gute Woche später sind diese Bereiche dann wieder geöffnet. Das Klamottengeschäft im Eingangsbereich des Supermarktes musste aber zum Beispiel geschlossen bleiben.

Schon verrückt diese Zeit. Aber wir versuchen, das Beste in der Situation zu sehen. Wir haben jetzt wirklich mal Zeit, die Dinge in Angriff zu nehmen, die wir sonst vor uns herschieben. Ich hole zum Beispiel endlich die Gitarre raus, die wir schon seit 10 Monaten mit dabei haben und lerne erste Akkorde zu spielen. Auch gehe ich nach Ewigkeiten mal wieder Joggen. Das allerdings macht bei 35°C und 80% Luftfeuchtigkeit echt überhaupt keinen Spaß. Wie oben beschrieben ist der April der Höhepunkt der Hot Season. Vielleicht wird das mit dem Joggen einfacher, wenn bald die Regenzeit einsetzt.

Auch verbringen wir unsere Zeit natürlich damit zu überlegen, wie es mit unserer Reise weitergehen könnte. Denkbar sind mehrere Szenarien von „weitermachen wie bisher“, sofern die Grenzen in naher Zukunft wieder öffnen, bis hin zu „den Van zurück nach Europa verschiffen“, sofern wir es nicht vor dem Wintereinbruch durch China in die Mongolei und nach Russland geschafft haben (denn die Winter da sind wirklich alles andere als Camper-freundlich). Gedankenspiele haben wir viele angestellt -- letztlich müssen bzw. wollen wir aber erst einmal weiter abwarten und hoffen, dass wir bald weiterreisen können. 

Produktiv sind wir zugegebenermaßen aber auch nicht die ganze Zeit. Wir surfen im Internet, schauen Netflix und YouTube und haben uns dafür inzwischen sogar einen kleinen, portablen Beamer gekauft. Jetzt können wir abends unter unserer Markise sitzen und auf einer gespannten Stoffbahn Filme und Serien schauen. Das funktioniert gut, denn glücklicherweise haben wir hier zumeist 4G-Handyempfang. Und unbegrenztes Datenvolumen kostet hier im Monat umgerechnet 4,28 €. Da kann sich Deutschland definitiv eine Scheibe von Thailand (und so ziemlich jedem anderen Land, das wir seit Mai 2019 bereist haben) abschneiden

Nun passiert es doch -- wir werden weggeschickt (20. April)

Wir leben gerade so in den Tag hinein, als wir plötzlich Stimmen hören. Wenig später stehen 5 Männer vor unserem Auto. Sie tragen weder Uniformen (noch Gesichtsmasken) aber geben sich als Ranger des Nationalparks aus und uns rasch zu verstehen, dass wir den Platz hier jetzt zu verlassen haben. Wir fragen „Warum?“ und erhoffen uns, das irgendwie abwenden zu können. Schließlich ist dieser Stellplatz wirklich super und wir wüssten auch nicht so recht, wo wir sonst hin könnten. Aber schnell ist klar: der Nationalpark, der scheinbar auch diesen Strandabschnitt mit einbezieht, wird geschlossen und wir müssen weg.

Schilder, die laut Google Übersetzer besagten, dass der Nationalpark wegen COVID-19 geschlossen worden sei, wurden schon vor gut zwei Wochen an den Zufahrten aufgestellt. Wir waren jedoch davon ausgegangen, dass der Nationalpark erst etwa 1km von hier entfernt beginnt und uns die Schließung daher nicht beeinflussen würde. Die gelegentlichen Wochenend-Picknicker waren auch weiterhin gekommen. Ebenso die Fischer -- und Fischen in einem Nationalpark kann ja wohl nicht erlaubt sein. 😉

Aber nein, die Ranger zeigen uns eine Karte des Nationalparks, die den Strandabschnitt mit einbezieht. Und sie geben uns zu verstehen, dass sie die Zufahrten nun endgültig mit Baumstämmen blockieren würden. Sie geben uns 10 Minuten Zeit, unsere Sachen zu packen und weg zu fahren. Keine Diskussion. Verdammt! Wo sollen wir denn jetzt hin? 😧

Naja, irgendwie wird’s schon weitergehen. Wir verstauen also unsere Sachen, kurbeln die Markise ein und fahren los. Aber wir kommen nicht bis zur Straße, da die Ranger bereits einen Baumstamm in den Weg gelegt haben…

Ein paar Minuten später kommen die Ranger aber noch ein mal vorbei und wuchten den Baumstamm aus dem Weg, damit wir passieren können. Wir suchen noch einmal das Gespräch. Sie sagen, der Nationalpark bliebe mindestens sechs Monate lang geschlossen. Auf die Frage hin, ob sie eine Idee hätten, wo wir uns jetzt hinstellen könnten, empfehlen sie uns, den Strandabschnitt etwa 10 km weiter gen Norden zu fahren. Da könnten wir uns hinstellen.

Laut Karte ist auch der Bereich dort Teil des Nationalparks. Ob wir uns da wirklich hinstellen können? Ob wir da einen Stellplatz finden, den wir mit unserem Camper erreichen können?

Dazu mehr im nächsten Blogeintrag. Dieser hier ist jetzt wirklich schon lang genug. 🙂 Und ein Video gibt’s dazu natürlich auch noch. Viel Spaß beim Anschauen.

Liebe Grüße aus der Ferne,
Tina & Dirk

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