Asien,  Malaysia

#17 // Malaysia Part I – Penang, Cameron Highlands & Kuala Lumpur

Zum jetzigen Zeitpunkt sind wegen COVID-19 alle Landgrenzen nach Malaysia geschlossen (genauso wie viele andere Grenzen weltweit auch). Als wir Anfang Februar von Thailand nach Malaysia einreisen wollten, war der Coronavirus in Südostasien aber noch nicht wirklich ein Thema. Der Grenzübergang war daher überhaupt kein Problem (genau sowenig wie unsere späteren Grenzübergänge weiter nach Singapur, zurück nach Malaysia und schließlich Anfang März wieder zurück nach Thailand). Und so konnten wir diese Länder glücklicherweise noch unbeschwert erkunden. Jetzt befinden wir uns an einem thailändischen Strand in Selbst-Isolation und haben Zeit, mit dem Schreiben unserer Blogeinträge aufzuholen. Hier nun also Malaysia Teil I.

George Town / Penang Island

Wir sitzen zu dritt im Camper und fahren Richtung Süden. Nachdem uns mein (Dirks) Papa bereits in der letzten Woche in Thailand begleitet hat, haben wir jetzt noch fünf Tage gemeinsam in Malaysia, bevor er von Kuala Lumpur aus nach Hause fliegt. Und die fünf Tage wollen wir natürlich ausgiebig nutzen.

Als erstes Ziel haben wir die Insel Penang an der Westküste Malaysias ins Auge gefasst. Laut Reiseführer bieten Penang und seine Hauptstadt George Town ausreichend Sehenswürdigkeiten, um allein damit locker eine ganze Woche zu füllen. Wir haben für die Insel allerdings nur einen Tag. Als wir am Vorabend dieses Tages George Town erreichen (über eine von zwei 14 km langen Brücken, die Penang mit dem Festland verbinden), sind wir zunächst einmal völlig überrascht von der schieren Größe der Stadt. Nachdem wir die letzten Stunden auf dem Weg von der thailändischen Grenze hierher hauptsächlich durch unbewohnte Landschaften gefahren sind, türmen sich nun plötzlich unzählige Hochhäuser vor uns auf. Zwar hat George Town „nur“ etwa 700.000 Einwohner, aber die scheinen sich eben auf verhältnismäßig kleiner Fläche zusammengefunden zu haben. Was schon erstaunt, wenn man bedenkt, dass Malaysia im Schnitt eigentlich recht dünn besiedelt ist.

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Als wir schließlich in unserem Hotel am anderen Ende der Stadt ankommen, sind wir zu müde, um noch die kulinarische Vielfalt zu erkunden, für die George Town unter anderem so bekannt ist. 8 Stunden Autofahren, ein Grenzübergang und das Umgewöhnen an eine neue Umgebung stecken uns in den Knochen. Stattdessen essen wir im Hotel, schauen noch ein bisschen in den Reiseführer und fallen dann ins Bett.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg, den Kek Lok Si Tempel zu erkunden, der sich am Hang eines kleinen Berges am Rande der Stadt befindet. Der Kek Lok Si Tempel ist der größte buddhistische Tempel in ganz Malaysia, das ansonsten eigentlich hauptsächlich muslimisch geprägt ist. Penangs Einwohner sind jedoch größtenteils chinesischer Herkunft und sowieso war die Insel in ihrer Vergangenheit schon vielen unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt -- zuletzt bis 1957 als britische Kolonie.

Der chinesische Einfluss ist beim Kek Lok Si Tempel aber besonders deutlich -- vor allem, da er zur Zeit unseres Besuch aufgrund der Chinese New Year-Feierlichkeiten mit Tausenden Laternen dekoriert ist (2020 ist das Jahr der Ratte). Aber auch ohne die aufwändigen Dekorationen wäre der Tempel schon beeindruckend. Das Areal erstreckt sich über mehrere Ebenen und beheimatet zahlreiche Andachtshallen, Statuen, Pagoden und Gärten. Wirklich beeindruckend. Wir verbringen einige Stunden hier und sehen definitiv noch immer nicht alles.

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Aber irgendwann sehnen wir uns nach der Klimaanlage im Camper und ziehen daher weiter (die Bilder transportieren das ja nicht immer, aber bei über 30°C und sehr hoher Luftfeuchtigkeit kann Sightseeing durchaus anstrengend sein). Unser Ziel für den Rest des Tages: einmal im Kreis über die gesamte Insel fahren und dabei einige der Strände ansteuern. Und genau das machen wir. Die Strände laden aber leider nicht wirklich zum Schwimmen ein, da das Wasser hier recht trüb ist. Dafür finden wir für den Abend ein tolles Restaurant mit Ausblick auf das Meer, in dem wir bei köstlichem Essen und Drinks den Tag ausklingen lassen.

Cameron Highlands

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg ins Innere des Landes. Unser Ziel sind die knapp vier Fahrstunden entfernten Cameron Highlands. Hier finden wir nicht nur deutlich kühlere Temperaturen (die Cameron Highlands liegen auf etwa 1.500m), sondern als Resultat dessen auch ausgedehnte Teeplantagen. Beides führt dazu, dass die Region beliebt ist bei nationalen und internationalen Touristen. Wieder einmal bin ich erstaunt, in welcher Geschwindigkeit der Bau von touristischer Infrastruktur voran geschritten ist, seit ich 2014 zum ersten Mal hier gewesen bin.

Unser Hotel bietet einen schönen Blick ins Grüne -- ein Grün, das sich als Golfplatz herausstellt. Nach einer Tasse Kaffee machen wir uns auf zu den Teeplantagen. Eigentlich wollten wir hier etwas wandern gehen, aber die Erkältung meines Vaters und vor allem regnerisches Wetter machen uns einen Strich durch die Rechnung. Aber auch mit dem Camper kann man die Plantagen gut besichtigen. Wir fahren zur BOH Teeplantage, informieren uns hier ein bisschen über den Herstellungspozess von Tee und lassen unsere Blicke über die hügelige Landschaft schweifen, die dicht an dicht mit Teepflanzen in allerhand Grüntönen bewachsen ist.

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Den Tag lassen wir mit einem traditionellen asiatischen Abendessen ausklingen -- Steamboat bzw. Hotpot. Dabei handelt es sich im Grunde um die chinesische Variante von Fondue. Wir trauen uns zwar nicht an alle Fleisch-, Fisch- und Gemüsespezialität heran, die hier am Buffet bereitstehen, sind danach aber trotzdem pappsatt und glücklich.

Am nächsten Morgen verstauen wir schon wieder unsere sieben Sachen im Camper und ziehen weiter. Wir brechen auf ins 200 km entfernte Kuala Lumpur, die Hauptstadt Malaysias. Unterwegs kommen wir nochmal an einigen Teeplantagen und auch an einem kleinen Wasserfall vorbei.

Kuala Lumpur

Wir hatten für Malaysias Hauptstadt zwar einen Campspot recherchiert, aber mein Vater besteht noch einmal darauf, für uns drei eine gemeinsame Unterkunft zu buchen. Und so quartieren wir uns kurz nach unserer Ankunft in Kuala Lumpur im 28. Stockwerk eines Apartmentgebäudes im Herzen der Stadt ein. Für 60€ pro Tag bekommen wir hier eine komplett eingerichtete Wohnung mit Balkon, zwei Schlafzimmer, Waschmaschine und tollem Ausblick über die Stadt -- und all das 10 Minuten zu Fuß von den Petronas Twin Towers entfernt. Da kann man wirklich nicht klagen.

Überrascht hat uns auch, dass wir völlig ohne Stau in die Großstadt fahren konnten. Kuala Lumpur ist bekannt dafür, ein super ausgebautes ÖPNV-Netz mit teils kostenlosen Bussen zu haben. Das scheint sich auszuzahlen (ein weiterer Faktor ist wahrscheinlich, dass der Import von Autos sehr teuer ist). Auch einen Parkplatz direkt vor unserer Unterkunft finden wir auf Anhieb -- auch wenn wir am zweiten Morgen ein Knöllchen an der Windschutzscheibe vorfinden. Der Grund dafür ist uns nicht ganz ersichtlich und wir werden ihn wahrscheinlich auch nie erfahren, denn nach kurzer Überlegung entscheiden wir uns dafür, das Knöllchen nicht zu bezahlen, sondern letztlich einfach das Land zu verlassen. Denn wir wissen, dass unser Kennzeichnen in Malaysia sowieso in keinem elektronischen System erfasst ist. ¯\_(ツ)_/¯

Zum Sonnenuntergang machen wir uns auf den Weg zu den Petronas Twin Towers. Die Zwillingstürme waren bis 2004 die höchsten Gebäude der Welt. Heute liegen sie „nur“ noch auf dem achten Platz. Mit einer Höhe von 452 m sind sie aber immer noch ganz schön hoch. Einen besonders guten Blick auf die beiden Türme hat man von der SkyBar des Traders Hotels. Das hatte ich schon 2014 herausgefunden.

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Unser Abschiedsessen hätten wir wahrscheinlich auch hier sehr gut veranstalten können. Aber wir hatten uns vorher schon ein Restaurant rausgesucht, das wir gerne probieren wollten. Als wir uns gerade auf den Weg dorthin machen, beginnt einer dieser für Südostasien so typischen starken Regenschauer. Zwar liegt das Restaurant quasi nur auf der anderen Straßenseite, aber es regnet so stark, dass an Weitergehen nicht zu denken ist. Eine gute halbe Stunden stellen wir uns also unter und warten. Letztlich schaffen wir es aber doch noch zum ‚GOA by Sapna Anand“ und genießen dort ein wahnsinnig gutes Essen. Wenn ihr mal in KL (so wird die Stadt hier von allen genannt) seid und Lust auf gutes Essen habt, schaut hier unbedingt vorbei.

Der nächste Tag ist nun also unser letzter Tag zusammen mit meinem Vater. Da er aber erst am Abend fliegt, können wir den Tag noch nutzen. Wir schauen uns zunächst die Petronas Tower und den umliegenden Park noch einmal bei Tageslicht an und fahren danach zu den Batu Caves -- wohl KLs bekannteste Sehenswürdigkeit neben den Petronas Towern. Die Batu Caves sind Steinhölen, in denen hinduistische Tempel errichtet wurden. Um zu ihnen zu gelangen, muss man zunächst knapp 300 sehr steile Treppen erklimmen und vorbei an einer 43 m hohen goldenen Statue, die dort „Wache“ steht. Dabei muss man stets wachsam sein, nicht von einem der vielen Affen, die sich hier tummeln, belagert zu werden, die nur darauf warten, von den Touristen gefüttert zu werden.

Am Nachmittag erkunden wir noch ein bisschen die botanischen Gärten von Kuala Lumpur und machen uns im Anschluss auf den Weg zum Flughafen, von dem mein Vater am Abend zurück nach Deutschland fliegt. Wir hatten 12 sehr sehr coole Tage zusammen, in denen wir viel gesehen und erlebt haben. Es war sehr schön, nach einer so langen Zeit weg von Zuhause, wieder einmal etwas Zeit miteinander zu verbringen. Dass wir jemals gemeinsam in einem Campervan durch Thailand und Malaysia fahren würden, hätten wir auch nie gedacht. Schön, dass wir diese anfängliche Schnapsidee umgesetzt haben und du uns tatsächlich hier besucht hast!

Zurück zum Camperleben

So schön der Besuch meines Vaters auch war -- er war auch anstrengend. So ein zweiwöchiges, vollgepacktes Touri-Programm sind wir einfach nicht mehr gewohnt. Und auch die 7.000 km, die wir in den letzten 35 Tagen vom Süden Indiens bis nach Kuala Lumpur gefahren sind, stecken uns noch in den Knochen. Zu allem Überfluss hat uns mein Papa zum Abschluss noch seine Erkältung mitgegeben (ob das wohl der Coronavirus war, fragen wir uns heute 😳). Und so wollen wir es in den nächsten Tagen jetzt erst einmal langsam angehen lassen und den Camper möglichst an einem schönen, verlassenen Strand parken, um dort ein bisschen abzuschalten und uns auszukurieren.

Die Westküste Malaysias ist vom internationalen Flughafen Kuala Lumpur nur knapp eine Stunde entfernt. Als wir dort ankommen, ist es bereits dunkel. Einen guten Stellplatz für die Nacht finden wir aber erst einmal nicht, da alle Strandabschnitte belegt sind mit Malaien, die hier den Samstagabend für ausgiebige Picknicks nutzen. Letztlich stellen wir uns neben einem großen Parkplatz auf eine Wiese. Die Nacht ist allerdings ziemlich unruhig, da immer wieder laute Musik erklingt und die Straße am Strand entlang offenbar für Autorennen genutzt wird.

Am nächsten Morgen entscheiden wir uns daher dazu, der dicht besiedelten Westküste vorerst den Rücken zu kehren und unser Glück an der Ostküste des Landes zu versuchen. Dort soll es sehr viel weniger Zivilisation geben und ein paar Campspots, die wir dort rausgesucht haben, sehen vielversprechend aus. Da Malaysia ein recht schmales Land ist, können wir innerhalb von gut 4 Stunden von der einen auf die andere Seite fahren. Wir versuchen unser Glück.

Ostküste rund um Mersing

Und tatsächlich stehen wir am Nachmittag an einem schönen Strand namens Air Papan. Hier gibt es nur ein paar Hütten und Guesthouses, die jedoch alle geschlossen zu sein scheinen. Das liegt am aktuell herrschenden Nord-Ost-Monsun. Der sorgt jährlich dafür, dass zwischen Oktober und Ende März die meisten touristischen Einrichtungen an Malaysias Ostküste und den vorgelagerten Inseln zum Stillstand kommen. Das hatten wir gar nicht auf dem Schirm. Wenig Touristen finden wir natürlich grundsätzlich gut, aber leider führt das auch dazu, dass wir nicht wie erhofft auf den Inseln vor der Küste werden Tauchen gehen können. Aber wir nehmen es gelassen, schließlich haben wir im Mai ja noch einen vierwöchigen Trip auf die Philippinen geplant, wo wir uns dann unter Wasser sicher noch ausreichend austoben können (das dachten wir zumindest zu dem Zeitpunkt Anfang Februar noch -- inzwischen sieht die Sache wegen COVID-19 natürlich sehr viel anders aus und die Flüge, die wir wenige Tage später dafür buchen, werden nun wohl leider verfallen müssen).

Dass gerade Monsunzeit ist, merken wir auch daran, dass das Meer aufgewirbelt ist und eher schlammig-braun als schön blau daher kommt. Sehr positiv ist hingegen, dass ein recht stetiger Wind weht. Und der ist definitiv eine sehr willkommene kleine Abkühlung -- denn auch in der Monsunzeit wird es hier selten kühler als 30°C.

Die nächsten zwei Tage lassen wir es sehr entspannt angehen. Wir liegen rum, kurieren uns aus, schauen den Super Bowl, waschen Wäsche. Doch dann ist unsere Wohnraumbatterie leer. Da um uns rum ein paar hohe Bäume stehen, hat unsere Solaranlage nicht ausreichend viel Strom bekommen. Und sowieso hält die Batterie inzwischen nur noch sehr viel kürzer, als noch vor 1,5 Jahren. Die werden wir wohl bald erneuern müssen.

Beim Versuch einen etwas sonnigeren Platz zu finden, fahren wir uns im sandigen Untergrund fest. Doch mit Hilfe unserer Auffahrkeile und der Hilfe dreier Malaien, die zufällig vorbeikommen und sofort ihre Hilfe anbieten, sind wir im Nu wieder frei. Wir entscheiden uns dazu, die Batterie durchs Fahren aufzuladen. Die nächsten drei Stunden fahren wir also ein bisschen umher, schauen uns ein paar umliegende Strände an und finden letztlich einen Stellplatz auf einer versteckten Wiese direkt am Strand. Wir entscheiden uns dazu, hier zu bleiben, da wir hier direkt in der Sonne stehen können, um unsere Batterie zu laden und andererseits auch hier ein stetiger Wind weht, der dabei Hilft, unseren Camper nicht zum Ofen werden zu lassen.

Und an diesem Stellplatz bleiben wir letztlich ganze 10 Tage -- so lange, wie noch an keinem Stellplatz zuvor. Wir sortieren Fotos, schneiden Videos und aktualisieren den Blog. Wir recherchieren, wo man in Malaysia Wohnraumbatterien kaufen kann und kontaktieren Händler. Wir fahren die Küste entlang, um unsere Batterie aufzuladen (zu viele Wolken = zu wenig Strom) und stoßen dabei auf einen ‚Familie Feuerstein‘-Themenpark, der sich noch im Bau befindet. Wir planen unseren Besuch in Singapur, indem wir uns ein Hostel buchen und überlegen, wo wir in der Zwischenzeit unseren Camper sicher unterbringen können (denn mit dem dürfen wir leider nicht nach Singapur rein fahren). Es ist der perfekte Stellplatz, um wirklich mal ein bisschen runter zu kommen und anzufangen, die äußerst ereignisreichen vergangenen Monate zu reflektieren.

Am 15. Februar brechen wir letztlich auf in Richtung Singapur. Davon berichten wir euch dann im nächsten Blogeintrag.

Bis es soweit ist, senden wir euch beste Grüße in die Heimat, hoffen, dass ihr gesund bleibt und dass der ganze Corona-Spuck möglichst bald und möglichst glimpflich vorüber geht.

Alles Liebe,
Tina & Dirk

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